Spaßparteien sind ja fast so alt wie die parlamentarische Demokratie und zeugen von einer bunten Republik, angefangen von den Grauen über die APPD (Anarchistische Popo-Partei Deutschlands), die Bibeltreuen Christen, die Yogi-Flieger von der Naturgesetz Partei bis hin zur CSU. Aber keine heuchelt so ehrlich ihre Besorgnis um die Republik wie "Die PARTEI", wohinter sich freilich eine ernste Haltung verbirgt, auch wenn das Projekt zu entgleiten droht, wenn man manche Ortsverände betrachtet.
2004 wurde die PARTEI vom damaligen Titanic-Chef Martin Sonneborn gegründet. Der Name ist freilich ein Akronym, Sonneborn zufolge wie bei FDP programmfremd und willkürlich zusammengesetzt ("Partei für Arbeit, Rechtsstaat,Tierschutz, Eilitenförderung und basisdemokratische Initiative"). Pünktlich zur Realsatire der Nichtzulassung zur Bundestagswahl durch den Bundeswahlleiter (Sonneborn: "Der letzte Wahlleiter in diesem Land, der derart undemokratisch mit kleinen und anderen Parteien umgesprungen ist, ist 1946 von einem alliierten Militärtribunal hingerichtet worden.") und 30 Jahren Titanic kam der PARTEI-Film ins Kino.
Man sieht Sonneborn in einem Uralt-Mercedes ins Jahr 2013 gebeamt; die PARTEI hat soeben die Macht übernommen. In einer Mischung aus "Wochenschau" und "Der siebte Sinn" kommentiert ein Erzähler die Geschichte von Gründung bis Übernahme des Kanzleramtes. Der Tradition von Titanic-Mitgründer Chlodwig Poth ("Die endgültige Teilung Deutschlands - das ist unser Ziel") folgend, sieht man, wie Sonneborn und Co. zwischen Hessen und Thüringen die Mauer wiederaufbauen, dafür die Steine der Dresdner Frauenkirche einsetzen wollen und im "desaströsen Westen" (Krefeld) die ungleiche Verteilung der Aufbaumittel thematisieren. In Georgien setzen sie unter einheimischem Musikantenstadl bei der dortigen Arbeiterpartei außenpolitische Akzente, unterzeichnen ein sinnfreies Abkommen. Und in Deutschland versteigern sie Wahlwerbesendungen an ein Billigflugunternehmen - freilich um damit Käuflichkeit und eine Gesetzeslücke anzuprangern.
Sonneborn und seine Mitstreiter um Tom Hintner ("Hintnerjugend") sind natürlich keine begnadeten Schauspieler. Aber das sind richtige Politiker ja auch nicht. Der Film hat keine großartige Dramaturgie, weist einige handwerkliche Fehler auf und bietet insgesamt nicht allzuviel neues für den, der die Partei in den Medien verfolgt hat. Aber er unterhält kurzweilig, und die DVD enthält sicher noch viele bunte Extra-Features, die die Welt nicht braucht. Doch wenn man schonmal vorsorglich das Büro eines Abgeordneten ausmisst und über die Ablösesumme für dessen Schreibtisch verhandelt, kann Demokratie ein großer Spaß sein; man muss nur so tun, als nähme man sie ernst. So praktizieren es die etablierten Politiker ja auch - nur dass das bei ihnen nicht lustig ist.