Bücher,die von Lehrern verfasst werden, laufen oft Gefahr, zu einer larmoyant-defensiven Rechtfertigung des eigenen Tuns auszuarten - dies ist bei Niki Glattauers Werk einmal mehr nicht der Fall.
Glattauer widmet sich in der"PISA-Lüge" dem (österreichischen) PISA-Trauma. Das mittelprächtige Abschneiden österreichischer Schüler führte zu einer fruchtlosen parteipolitischen Selbstzerfleischungsaktion. Diese nimmt der Autor als Ausgangspunkt, um die medial vermittelten Horrorbotschaften zu relativen; aber auch, um sein Hauptanliegen zu kommunzieren: Wichtiger als ewige PISA-Diskussionen wäre es, das altmodische Schulsystem umzukrempeln, Vorschläge liefert er gleich mit.
Wie in seinem ersten Buch "Der engagierte Lehrer und seine Feinde" berichtet Niki Glattauer direkt und ungeschönt von der Schulfront. An den wieder enthaltenen O-Ton-Dialogen aus dem Klassenzimmer werden dialektbedingt wohl hauptsächlich (ost-)österreichische Leserinnen und Leser ihre Freude haben. Diese bilden den roten Faden des Buches, das im Vergleich zum Vorgängerband doch einiges mehr an "statistischem und theoretischem Unterbau" enthält - aber trotzdem gut lesbar bleibt.
Alles in allem wieder ein gelungenes Werk, das die komplizierten Hintergründe kompakt und verständlich näher bringt. Nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer zu empfehlen.