Die Orks...
Der Eilte-Orktrupp "Die Vielfraße" unter seinem Anführer Stryke soll für seine despotische Herrin magische Artefakte sammeln, doch mit der Zeit merken die Schwarzpelze [ein Rollenspielbegriff für Orks], dass das Leben für sie mehr zu bieten hat als Sklaverei und lehnt sich gegen seine Fesseln auf.
So weit die Handlung. So weit, so gut.
Mittlerweile gibt es ja über jedes einzelne Volk einen Roman, wobei "Die Orks" meines Wissens nach eines der ersten Bücher in dieser Reihe darstellt.
Es ist mir klar, dass man kein Buch über orkische "Helden" schreiben kann, wenn man die Schwarzpelze als vergewaltigende, gefräßige und chaotische Kriegsmaschinen darstellt.
Doch was Stan Nicholls da gemacht hat, erscheint dem Leser wie eine Geschichte über Orks, die man kastriert, zivilisiert und dann zu Schwertmeistern ausgebildet hat (vielleicht auch in einer anderen Reihenfolge).
Es ist klar, dass kein Buch dieser Art ohne Kämpfe auskommt (wer von den Lesern will das auch schon), doch daß dieser einige Dutzend Köpfe zählende Söldnertrupp selbst nach 20, 30 Kämpfen kaum eine Handvoll Tote zu beklagen hat, obwohl sie u.a. aus dem Hinterhalt angegriffen werden oder unter Wasser kämpfen müssen, ist lächerlich.
Auch die Tatsache, dass sich am Schluss alles auf den Anführer Stryke beziehen muss (selbst ein Kleinkrieg, den sich zwei Nebencharaktere liefern), zeugt davon, dass dem Autor tiefergehende literarische Fähigkeiten fehlen.
Doch das Schlimmste aus meiner Sicht ist, dass die Orks so gut erzogen sind, dass sie sich gegenseitig Siezen!!!
Da erscheinen mir die Beleidigungen und Flüche von z.B. Michael Peinkofers Orks doch fünfmal realistischer.
Positiv zu vermerken sind die politischen Aspekte in dem Buch. Zum Einen zerfällt auch die Welt, in der "Die Orks" leben, allmählich, weil die Menschen mit ihrer Ausbeutung der Natur schon viel zu weit gegangen sind. Zum Anderen nutzen bzw. missbrauchen die Menschen im Buch die Religion zu politischen Zwecken.
Fazit: Nach diesem Buch war ich lange Zeit abgeneigt, Bücher über "böse" Völker wie Orks oder Trolle zu lesen, weil ich immer befürchtete, dass diese genauso verstümmelt wie "Die Orks" sein würden: Angehörige fremder Völker und Kulturen, die aber genauso handeln und denken wie Menschen.
Zum Glück haben mich weitere Autoren davon überzeugt, dass es möglich ist, Charaktere aus martialische Kulturen als Helden darzustellen, ohne ihnen ihre Einzigartigkeit zu nehmen.