... hat dieser dritte Band der Reihe.
Vorab ein paar wichtige Informationen: Ich selbst mag, obwohl ich ein großer Fan des Herrn der Ringe bin, etwas "seichtere" Bücher für zwischendurch. Hierdurch bin ich schon vor ein paar Jahren auf "die Orks" von Stan Nicholls gestoßen und war recht angetan. Ich habe keine Probleme mit Splatter und komme auch mit übermäßiger Stigmatisierung und Moral zurecht. Dementsprechend las ich auch den ersten Band der Nachfolgetrilogie und wenn ich etwas absolut nicht leiden kann, dann ist es, das Ende einer Geschichte nicht zu kennen. Da Warten eine andere meiner Schwächen ist, habe ich dieses Buch nun am Freitag Abend ausgelesen und habe endlich das erreicht, worauf ich so lange gehofft habe: ein wirkliches Ende.
Nun zum Buch selbst: Es ist erheblich dicker als der Vorgänger mit vergleichbar großer Schrift, weshalb ich diesmal tatsächlich volle vier Stunden zum Lesen benötigt habe. Das spricht für einen relativ flüssigen Text, der leicht zu lesen ist. Manchmal ist er jedoch so leicht zu lesen, dass man drei Seiten einfach überspringen kann, da man bereits weiß, auf welche Weise wer wen denn jetzt enthauptet/verstpmmelt/erdolcht etc.
Die Handlung ist hierbei relativ überschaubar: Im Vorgängerband endeten wir damit, dass ein orkischer Kriegstrupp unter der Führung Strykes auf einer Inselwelt festsitzt. Die böse Jennesta hat seine Frau entführt und droht, sie zu einem ihr hörigen Zombie zu machen. Währenddessen hat sich das einzige weibliche Truppenmitglied mit einem Menschen (eigendlich undenkbar!) in eine Höhle zurückgezogen und genießt eine "anregende Massage". Aufgrund der Tatsache, dass in der Vorgängertrilogie explizit beschrieben wurde, wie Jennesta einen gefesselten Gefangenen zuerst vergewaltigt und ihm dann das Herz herausreißt, wundert es mich doch, dass bei dieser Szene die Buchstaben S - E - X zwar quer über drei Seiten zu stehen scheinen, aber nie erwähnt werden...
Soweit sollte jeder Bescheid wissen, der dieses Buch lesen möchte, da es sich ansonsten nicht lohnen würde, überhaupt damit anzufangen.
ACHTUNG! AB JETZT SPOILERGEFAHR! WER DEN INHALT NICHT KENNEN MÖCHTE, SOLLTE ERST BEIM FAZIT WEITERLESEN!!!
1. Der Scheibstil: Hier muss man dem Übersetzter wieder einmal ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellen. Die Übersetzung ist und bleibt durchgehend einfach grottig. Da ich auch schon Bände im Original gelesen habe, muss ich sagen, dass Herr Nicholls hier definitiv besser schreibt. Vor allem ist sein Stil erheblich konstanter und weist weniger Rechtschreib- und Grammatikfehler auf.
Außerdem stört es mich ungemein, wenn eine bereits in einem früheren Buch vorgekommene Szene So genau nochmal aus einer anderen Perspektive erzählt wird (was ich normalerweise liebe), dabei aber alle Dialoge falsch wiedergegeben werden.
So wird am Anfang dieses Bandes die letzte Szene der Vorgängertrilogie aus Sicht Jennestas und Mersadions erzählt, zwei meiner absoluten Lieblingsfiguren. Hier stimmt jedoch rein gar nichts und es erinnert mich mehr an eine Folge aus Takeshi's Castle denn an einen Fantasyroman. Auch bleibt eine Frage offen, die mich bis heute stört: Warum sollte jemand, der permanent von seiner Königen gedemütigt und gepisakt wird, plötzlich herbeispringen und sie verteidigen??? Tja, eine Antwort auf diese Frage bleibt Nicholls seinen Lesern schuldig. Ich spiele mit dem Gedanken, ihm einfach mal eine Mail dazu zu schreiben...
Insgesamt erinnert der Stil allerdings ein wenig an ein Pen&Paper-Rollenspiel, wobei ich hier schon erheblich bessere "Werke" gelesen habe.
2. Die Handlung
Im Grunde gibt es drei Gruppen, die wir bei ihrer Reise durch diverse Welten begleiten.
Vorweg scheitet Jennesta mit Strykes Frau und ihrem Gefolge. Sie besitzen Instrumentale, mit denen sie die Welt nach belieben wechseln können.
Dann folgen die Vielfraße. Auch sie haben Instrumentale, einen liebeskranken Anführer und einen Gestaltwandler, der Jennesta bei ihrem Gehopse durch Raum und Zeit problemlos folgen kann.
Als letztes schließlich folgen die Torhüter, eine Gruppe von Magiern, die den beiden anderen Teilnehmern dieses Rennens die Instrmentale abnehmen möchten, damit diese damit keinen Schaden anrichten können. Sie können Strykes Instrumentale orten und sind daher in der Lage, ihnen ebenfalls zu folgen.
Die nächsten 300 Seiten folgen alle dem selben Schema:
Die Vielfraße erreichen eine mehr oder minder gastfreundliche Welt.
Sie wissen, dass Jennesta irgendwo in der Nähe sein muss. (Erfreulicherweise verhindern die Instrumentale, dass man GENAU an der gleichen Stelle herauskommt wie jemand anderes.)
Sie werden angegriffen. Mit nahezu keinen Verlusten überstehen sie den Angriff oder können fliehen und sehen aus der Ferne Jennestas Gruppe, wie sie einfach verschwindet.
Sie folgen ihnen.
Dies wird dadurch noch gewürtzt, dass man immer wieder etwas von den Torhütern mitbekommt, bei denen sich gerade ein Streit zwischen den beiden Anführern in anbetracht der Kompetenzen der einzelnen entwickelt. Aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten gelingt es ihnen jedoch, den anderen mühelos zu folgen.
So kommt man nach gut 3/4 des Buches in einer Welt an, die für so etwas wie ein magisches Turnier erbaut wurde. Hier funktionieren die Instrumentale nicht und es ergibt sich, dass nun allen Parteien nichts anderes mehr übrig bleibt als zu Seraphims eigener Welt im wahrsten Sinne des Wortes zu laufen. Seraphim ist übrigens Jennestas Vater, der laut Band eins seine Frau besiegte, um das Böse zu vernichten und jetzt das Gleiche mit seiner missratenen Tochter vorhat. Er ist es übrigens auch, der von Anfang an an so ziemlich jedem Schlamassel Schuld ist, in das die Vielfraße bisher geraten sind...
Der Weg hierhin gleicht jedoch eher einem billigen Online-Rollenspiel, in dem man immer gerade die Waffe findet, die man braucht, um den nächsten Gegner zu besiegen. Natürlich gelingt dies den Vielfraßen und so treffen sich alle bei Seaphim zu Kaffee und Kuchen. Jennestas letze lebende (und nebenbei von Grund auf gute) Schwester ist ebefalls dabei. Außerdem entpuppt sich der Gestaltwandler als Jennestas geläuterte Mama, die ihren Sprössling nun ebenfalls beseitigen möchte. Was für eine reizende Familie! Mit von der Partie sind auch noch jede Menge Orks, die Seraphim einfach so entführt hat, die die Vielfraße aber kennen und sich deshalb liebend gerne dem kampf stellen.
Und siehe da, kaum ist man mit den Vorbereitungen fertig, da taucht auch schon der Endgegner... äh... ich meine natürlich Jennesta.... auf und der Kampf kann beginnen. Die Torhüter sind natürlich auch schon da und schließen sich mal ebenso STryke an, da Jennesta natürlich ein viel schlimmerer Feind ist. Nach einigen Enthüllungen schicken dann Jennestas Mama, Papa und Schwesterchen Jennesta - nein, nicht zum Mond - sondern zur Sonne, wo sie verglüht und ihre Sklavenarmee von ihrem Bann befreit wird und irritiert durch die Gegend torkelt. Hm... Bisher war es Nicholls ja noch gelungen, keine großen Parallelen zum HDR zu schreiben, was ich ihm immer hoch angerechnet habe, aber diese letzte Szene... ich weiß nicht, das ist mir doch erheblich zu ähnlich.
Doch Ende gut, alles gut. Noch ein paar kleinere Verluste, keine Aufbereitung vergangener Traumata (Stryke ist ausgerastet, als seine Frau entfürht wurde und alles was er ihr danach zu sagen hat, ist "Erklär ich dir später!"??????) Alle sind wieder in ihrer jeweiligen Welt angekommen und sind damit mehr oder minder zufrieden, und endlich ist es wirklich zu Ende.
3. Charaktere:
Nicholls neigt nicht dazu, dass sich seine Charaktere entwickeln. Dafür kann es von Buch zu Buch vorkommen, dass sich ihr Charakter sprunghaft ändert. da lobe ich mir doch Jennesta, die zumindest immer gleich böse zu sein scheint, auch wenn dieser letzte Band damit erheblich zimperlicher umgeht und wenig beschreibt. Sie ist halt böse und wenn man das nur oft genug wiederholt, braucht man das nicht zu erklären.
Seraphim ist aus meiner Sicht ein manipulatives !"$%&/)(§% und sie Vielfraße bleiben wie immer ihren Rollen treu. Demnach braucht man hier nicht lange, bis man sich auf alles eingestellt hat, was den Lesefluss nocheinmal leichter macht.
SPOILER ENDE!
Fazit:
Das Buch ist flüssig zu Lesen und beendet viele noch offene Handlungsstränge. Alle drei Bücher in einem und um den einen oder anderen sinnlosen Weltensprung gekürzt kann man getrost als leichtes Vergnügen betrachten und auch noch mit 40 Grad Fieber lesen, ohne den Faden zu verlieren.
Vom Verhalten her haben diese Orks immer noch nichts mit den von mir heißgeliebten Tolkien-Orks zu tun (und auch nichts mit deren Ursprung) und Nicholls ist auch sonst in keiner Weise Tolkien. Deshalb sollte man sich vor Aussagen wie "die Bösen von Tolkien" oder "Tolkien-Fans werden es lieben" hüten. Nicholls ist ein eigenständiger Autor und wem die Vorgängerbände gefallen haben, weiß vermutlich schon sehr genau, was ihn hier erwarten wird.
Demnach würde ich das Buch zwar nicht zu den Sternen loben, aber ihm doch zugestehen, mir vier erheiternde Stunden verschafft zu haben.
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