Wer hat sie nicht gehasst: Die große Wandtafel mit dem Periodensystem der Elemente, die im Chemieunterricht an der Wand hing ? Wer hat nicht geflucht, wenn er komische Namen wie Darmstadtium oder Krypton und die dazugehörigen Daten büffeln musste. Noch heute kann ich sagen, was Au, Fe, H oder CU bedeuten, obwohl ich das Fach Chemie gehasst habe.
Umso erstaunlicher, dass mir ein Buch über dieses Periodensystem so viel Spaß gemacht hat. Man hat mir das Buch von Sam Kean empfohlen, weil ich die Bücher von Bill Bryson so mag. Und tatsächlich sind Kean und Bryson Seelenverwandte in ihrem Bemühen, dem Leser wissenschaftliche Fakten und Zusammenhänge einfach verständlich zu präsentieren. Kean hüpft in Anekdoten durch die Geschichte des Persiodensystems und der Forscher, die die darin enthaltenen Elemente entschlüsselten. Der englische Originaltitel "The Disappearing Spoon and Other True Tales of Madness, Love and the History of the World from the Periodic Table of the Elements" zeigt, dass es dabei nicht dröge wissenschaftlich, sonern teilweise sehr dramatisch und turbulent zugeht. So erfährt man, dass um manche Elemente sogar Kriege geführt wurden, dass Beryllium nach Zucker schmeckt oder wie man eher zufällig entdeckte, dass Lithium bei Depressionen helfen kann.
Chemie bestimmt unser Leben, das ist die Botschaft von Kean, und Chemie ist spannend. Manchmal verliert sich der Autor jedoch in seinem großen Wissen und mancher Schlenker oder manches Information verwirren den Leser eher, aber insgesamt ist das Buch ein amüsanter Führer durch eine für mich bislangeher fremde Welt gewesen.
Wenn Sie einen armen Schüler kennen, der sich gerade im Labyrinth von V, Pt, Os und N verloren hat, schenken Sie ihm dieses Buch. Aber lesen Sie es vorher selber, es lohnt sich.