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Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften
 
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Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften [Taschenbuch]

Michel Foucault , Ulrich Köppen
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Ordnung der Dinge
OT Les Mots et les choses. Une archéologie des sciences humaines OA 1966 Form Sachbuch Bereich Philosophie
Mit Die Ordnung der Dinge begibt sich der Psychologe Michel Foucault nach intensiven Forschungen zum ersten Mal in einem größeren Werk auf das Gebiet der Ideengeschichte. Das Buch markiert gleichzeitig Foucaults erste systematische Darstellung der Diskurstheorie.
Aufbau: Foucault untersucht den Wandel der Idee der Wissenschaft von der Renaissance über das »klassische Zeitalter« des 17. und 18. Jahrhunderts bis hin zum 19. Jahrhundert. Dabei konzentriert er sich auf die sprachlichen Kategorien und die elementaren Denkmuster, nach denen Wissen geordnet sei und die daher die Diskursinhalte vorbestimmen. So entstehe Wissen laut Foucault nicht als Ergebnis des rationalen Denkprozesses der Menschen, sondern ergebe sich aus der grundlegenden Struktur des Diskurses, die teils auf zufällige »Entdeckungen« zurückgehe, teils von politischen Machtinstanzen durchgesetzt werde.
Inhalt: War das Denksystem der Renaissance vom bestimmenden Prinzip der Verwandtschaft der Dinge untereinander gekennzeichnet, so existiere laut Foucault im klassischen Zeitalter eine neue, wesentlich andere Ordnung, in der es sich »nicht mehr um die Frage der Ähnlichkeiten, sondern um die der Identitäten und der Unterschiede handelt«.
Diese Änderung des Denksystems erklärt Foucault im Einzelnen durch einen Rückgriff auf die Semiotik, in dem er für das klassische Zeitalter eine neue »dualistische Theorie des Zeichens« feststellt, welche drei Elemente impliziere: »das, was markiert wurde, das, was markierend war, und das, was gestattete, im Einem die Markierung des Anderen zu sehen.« Dieses auf der Repräsentation basierende Zeichensystem sei die Grundlage einer allgemeinen Ordnungswissenschaft gewesen, deren Begriffsraster Foucault rekonstruiert. Anschließend zeichnet er dieses System in drei scheinbar unterschiedlichen Teildiskurse der Zeit, in der allgemeinen Grammatik, in der Naturgeschichte und in der Analyse der Reichtümer, nach. So leite sich beispielsweise der Wert vom Geld nicht mehr aus seinem Edelmetallbestand ab, sondern aus der auf ihm abgebildeten Repräsentation des Souveräns.
Im zweiten Teil des Werks widmet sich Foucault einem erneuten Wandel des Denksystems im 18. Jahrhundert: in einer Analyse schildert er, wie aus der Betonung der Zirkulation von Geld die bestimmende Rolle der Arbeit entstanden sei, wie die Analyse der äußeren Merkmale von Pflanzen und Tieren in der Naturgeschichte der Vorstellung von Organisation und Funktion in der sich formierenden Biologie gewichen sei, und wie anstelle einer reinen Kategorisierung der Unterschiede der Sprachen durch die Entdeckung der Flexion ihre gemeinsamen Verbindungen festgestellt wurden.
Wirkung: Für Foucault habe seine »Archäologie des Denkens« weit reichende Folgen für die menschliche Existenz. Indem er der Sprache eine konstituierende Rolle einräumt, relativiert er gleichzeitig die bisweilen als absolut empfundene Bedeutung der menschlichen Vernunft. Daher proklamiert er den Tod des Menschen als autonomes Wesen, was die teils sehr kritische Rezeption des Werks erklärt. B. A.

Kurzbeschreibung

"Dieses Buch muss als eine vergleichende Studie gelesen werden. Was ich wollte, war, eine bestimmte Zahl von Elementen nebeneinander zu zeigen - das Wissen von den Lebewesen, das Wissen von den Gesetzen der Sprache und das Wissen der ökonomischen Fakten - und sie mit dem philosophischen Diskurs ihrer Zeit in Verbindung zu setzen für einen Zeitraum, der sich vom siebzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert erstreckt." (Foucault)


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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Was sind die Grundbedingungen dessen, was wir zu wissen glauben?, 26. Juli 2008
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften (Taschenbuch)
Michel Foucault (1926-1984) ist und bleibt einer der brillantesten und nachwirkendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Wahnsinn, Kliniken, Gefängnisse und Sexualität; Foucaults Forschungen umfassten viele Themengebiete, so dass es schwerfällt, ihn einer bestimmten Kategorie zuzuordnen. Historiker, Soziologe, Strukturalist, Poststrukturalist, Superstar der Postmoderne? Wer oder was war dieser Michel Foucault? Sein 1966 erschienenes Buch "Die Ordnung der Dinge" nimmt in Foucaults Gesamtwerk eine zentrale Position ein, da er hier seine theoretischen Grundkonzepte entwickelt sowie seine Terminologie definiert, die allen seinen Untersuchungen zu Grunde liegen werden.

Gleich zu Beginn des Buches definiert Foucault, worauf es ihm bei seiner Untersuchung ankommt. Er will nicht analysieren, welche Art von Wissen es zu einer bestimmten Epoche gab. Er will vielmehr herausarbeiten, welche grundlegenden Voraussetzungen es in einer Epoche gab, die es überhaupt erst ermöglichten, dass ein bestimmtes Wissen entstehen konnte. Hier die entscheidende Textstelle, in der Foucault sein Vorhaben umschreibt:

"Es handelt sich eben um eine Untersuchung, in der man sich bemüht festzustellen, von wo aus Erkenntnisse und Theorien möglich gewesen sind, nach welchem Ordnungsraum das Wissen sich konstruiert hat, auf welchem historischen Apriori und im Element welcher Positivität Ideen haben erscheinen, Wissenschaften sich bilden, Erfahrungen sich in Philosophien reflektieren, Rationalitäten sich bilden können, um vielleicht sich bald wieder aufzulösen und zu vergehen [...]. Was wir an den Tag bringen wollen, ist das epistomologische Feld, die episteme, in der die Erkenntnisse [...] ihre Positivität eingraben und so eine Geschichte manifestieren, die nicht die ihrer wachsenden Produktion, sondern eher die ihrer Bedingung ist, durch die sie möglich werden" (24f.)

Der Begriff der "episteme" nimmt in Foucaults Denken eine zentrale Position ein. Episteme sind Wissensformationen, die es uns überhaupt erst ermöglichen, unser Wissen zu ordnen und in Sprache zu repräsentieren. In "Die Ordnung der Dinge" untersucht Foucault die episteme in drei verschiedenen Epochen, der Renaissance (16. Jahrhundert), der Klassik (17. Jahrhundert) sowie der Moderne (18.-20. Jahrhundert), um zu zeigen, wie sich die Grundvoraussetzungen zur Konstruktion von Wissen, der Ordnung der Dinge, fundamental geändert haben. Laut Foucault wurde das Wissen in der Renaissance von der episteme der Ähnlichkeit, das Wissen der Klassik von der episteme der binären Logik organisiert wohingegen sich die episteme der Moderne dadurch auszeichnete, dass sich die Verbindung zwischen Sprache und Dingen auflöste und die Sprache somit ihren Repräsentationscharakter verlor. Was genau nun bedeutet das?

In der Renaissance war das Wissen derart strukturiert, dass es sich anhand von Ähnlichkeiten konstruierte: "Indem es als die Verbindung zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten die Ähnlichkeit [...] setzt, hat sich das Wissen des sechzehnten Jahrhunderts dazu verurteilt, stets nur das Gleiche zu erkennen, sie aber nur am niemals erreichten Ende einer unendlichen Bahn zu erkennen" (61). Dies bedeutet, dass man im 16. Jahrhundert Wissen nur anhand der Ähnlichkeit zwischen Dingen bemessen hat: "Den Sinn zu suchen, heißt an den Tag zu bringen, was sich ähnelt" (60). Man kam also gar nicht auf die Idee, Wissen über Dinge zu erlangen, das sich nicht auf die Kategorie der Ähnlichkeit bezog. Außerhalb dieser episteme war Wissen schlichtweg nicht möglich.

In der Klassik verabschiedete man sich von der episteme der Ähnlichkeit und definierte Sprache, die das Wissen über Dinge ordnet, als binäre Anordnung: "Seit dem 17. Jahrhundert wird die Anordnung der Dinge binär, weil man sie [...] durch die Verbindung eines Bezeichnenden und eines Bezeichneten definieren wird" (74). Das bedeutet, dass ein sprachliches Zeichen aus einem Wort sowie eines damit verbundenen Konzepts besteht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Linguist Ferdinand de Saussure diese Sicht der Sprache zu einer eigenen Theorie, dem Strukturalismus, ausformulieren. Gemäß dieses Ansatzes wird den Dingen durch die Sprache eine binäre Logik oktroyiert.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verliert die binäre Anordnung der Sprache die Fähigkeit zu einer klaren, transparenten Repräsentation: "Die Repräsentation ist auf dem Wege, nicht mehr die den Dingen und der Erkenntnis gemeinsame Seinsweise definieren zu können. Das eigentliche Wissen dessen, was repräsentiert wird, wird jetzt aus der Repräsentation selbst herausfallen" (296). Hier sieht Foucault das eigentlich epochenbildende Ereignis am Ende des 18. Jahrhunderts, welches in den vergangenen 200 Jahren das Wissen des Abendlandes maßgeblich organisiert hat. Sprache besitzt nun nicht mehr die Fähigkeit, irgendwelche Dinge positiv zu definieren: "Aber es wird sich jetzt nicht mehr darum handeln, ein ursprüngliches, darin verborgenes Reden wiederzufinden, sondern die Wörter, die wir sprechen, in Unruhe zu versetzen und jene grammatische Faltung unserer Vorstellung zu denunzieren, die Mythen aufzulösen, die unsere Wörter beleben, den Teil des Schweigens erneut hörbar und laut zu machen, den jeder Diskurs mit sich trägt, wenn er ausgesagt wird" (363). Wörter, Zeichen haben also keine positive Bedeutung mehr und können folglich keine transparente Repräsentation mehr bilden. Dies führte unter anderem dazu, dass sich zentrale Produkte des 19. Jahrhunderts nur auf einige wenige Zeichen beziehen und versuchen, diese so klar wie möglich zu umschreiben. Marx widmet ein ganzes Kapitel des "Kapitals" dem Begriff "Wert" und bei Nietzsche dreht sich vieles um die Exegese einiger griechischer Wörter (vgl. ebd.). Foucault fasst seine Untersuchung der Transformation der abendländischen episteme folgendermaßen zusammen: "Die Schwelle zwischen Klassik und Modernität [...] ist endgültig überschritten worden, als die Wörter sich nicht mehr mit der Repräsentation überkreuzten und die Erkenntnis der Dinge nicht mehr spontan rasterten [...]. Künftig, und bis heute, existiert die Sprache von der Repräsentation losgelöst nicht mehr anders als in einer verstreuten Weise" (368).

In "Die Ordnung der Dinge" konkretisiert Foucault seine theoretischen Konzepte am Beispiel der Entwicklung der Ökonomie und der Naturgeschichte. Im Zentrum steht aber die Evolution der episteme, die dieses konkrete Wissen erst ermöglichten. Foucaults Denkgerüst nimmt in der Philosophie des 20. Jahrhunderts eine zentrale Position ein Kein anderer Denker hat so klar die Grundvoraussetzungen analysiert, die es uns erst ermöglichen, Wissen zu konstruieren und zu kategorisieren. Foucaults Gedanken und Analysen haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.
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15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Interessant, weitschweifig, verworren, 5. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften (Taschenbuch)
Wer wagt es, dieses mittlerweile klassische Buch zu rezensieren oder gar zu kritisieren? Doch seien einem Nicht-Philosophen und Nicht-Soziologen ein paar Bemerkungen gestattet.
Foucault behandelt den Wandel des Denkens selbst, d.h. der Kategorisierung von Begriffen, und ordnet der Renaissance das Denken in Ähnlichkeiten, dem 18.Jahrhundert hingegen das Denken in Tableaus zu; das 19.Jahrhundert schließlich entwickele die Trennung von Sprache und Begriff und erkenne die Sprache und den Menschen selbst als Untersuchungsgegenstand.
Das Thema ist spannend. Offenbar ist es unmöglich, darüber zu schreiben, ohne dass das eigene Weltbild mit seinen Denkkategorien einfließt. Foucaults Lösung ist unbefiedigend: er bedient sich einer weitschweifigen, metaphorischen Sprache, die den Leser eher ermüdet, und vermeidet jegliche klare Terminologie oder Strukturierung.
Gegenstand der Untersuchung sind die Humanwissenschaften, zu denen Foucault aber im 18.Jahrhundert auch die Naturgeschichte rechnet. Dadurch entsteht eine künstliche Abgrenzung: Linné darf als Beispiel für Tableaus herhalten, die natürliche Weiterentwicklung (Darwin; d.h., Tableaus sind durch einen historischen Prozess entstanden) aber nicht.
Überhaupt hat man den Eindruck, dass sich die Perspektive des Buches zur Gegenwart hin verengt. Am Ende bleiben, als für das Denken des 20.Jahrhunderts angeblich typische Wissenschaften, noch genau die Ethnologie und die Psychoanalyse übrig. Damit erscheint es fraglich, ob Foucault das Denken einer bestimmten Epoche überhaupt erfasst oder seine Beispiele eher willkürlich und nicht repräsentativ sind.

Gesamturteil: ein Klassiker. Zwei Sterne für den interssanten Ansatz. Mehr nicht, denn das Buch wirkt weitschweifig, wenig flüssig geschrieben, bisweilen verworren, wobei die Qualität gegen Ende hin nachläßt.
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0 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen interessant!, 8. Juni 2010
Von 
Gisela Lange "Gis" (Bensheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften (Taschenbuch)
ein sehr schlaues Buch und eine klasse Interpretation - die es wert ist, zu lesen.
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