Abbas Khider beschreibt in seinem Buch anhand des Schicksals des Mahdi Hamama eindrücklich, wie die Verhältnisse im Irak des Saddam Hussein zu Zeiten des 1. Golfkrieges, also desjenigen des Irak gegen den Iran, und in der Folgezeit, bis hin zur Operation "Desert Storm" , also dem 2. Golfkrieg, waren. Die bedrückende Gegenwart der Hauptfigur im Gefängnis wird durch Rückblenden aufgelockert, so dass Glück und Leid hier oftmals dicht beieinander stehen.
Es brauchte nicht viel, um ins Gefängnis geworfen zu werden. Die Bekanntschaft mit Leuten, welche dem Regime gegenüber kritisch waren, genügte. Man erfährt vom Alltag im Gefängnis, von Angst, Folter, Mangelernährung und der Hoffnung, die die Menschen trotz allem stets bewahren.
Man erfährt auch, dass es durchaus so etwas wie Aufbruchstimmung in der irakischen Bevölkerung gab, als das Regime durch die Angriffe der Alliierten zeitweilig geschwächt war. Im Westen wurde durch den damals bereits so wahrgenommenen Krieg der Medien zwar der augenscheinliche Erfolg, nämlich die Befreiung Kuwaits und auch die Etablierung eines quasi unabhängigen Kurdengebiets im Nordirak publik gemacht, wobei die Flugverbotszonen im Norden und Süden des Irak allerdings eine Reaktion der UNO auf die Fakten war. Bei aller Kritik an der militärischen Intervention konnten doch der Öffentlichkeit damit immerhin auch Erfolge präsentiert werden. Was damals nicht so bekannt gemacht wurde ist die Tatsache, dass es auch in weiten Teilen der irakischen Bevölkerung eine Saddam-Müdigkeit gab, welche möglicherweise zu einer erfolgreichen Reorganisation des Staates von innen heraus geführt hätte- wenn dafür auch alliierte Unterstützung notwendig gewesen wäre. Diese blieb jedoch im entscheidenden Moment aus, mit den hinlänglich bekannten Folgen, dass das Regime Saddam Husseins für weitere 12 Jahre fest im Sattel sitzen konnte.
Der im Buch beschriebene Rückzug der Amerikaner angesichts eines Flüchtlingsstroms erinnert stark an denjenigen aus Vietnam, als dort seinerzeit alles verloren war und man die Bevölkerung sich selbst überließ.
Fazit: Khiders Buch ist sehr empfehlenswert und das nicht nur für die politisch interessierten, denn auch das Einzelschicksal der Hauptfigur Mahdi, der die Tauben liebt, ist als solches sehr einfühlsam und humorvoll beschrieben. Die Biographie des Autors, welcher selbst Gefängnis und Flucht erlebte, macht die Geschichte glaubhaft. Das Buch könnte das Verständnis dafür wecken, dass es unabhängig von den politischen zeitbezogenen Faktoren immer wieder in der Geschichte gute Gründe gibt, welche die Menschen veranlassen, ihre Heimat zu verlassen.
Ein Verständnis, welches nicht überall vorhanden ist.