Das Titelbild mit einem Halbmond vor einem roten Hintergrund erscheint etwas reißerisch, doch der Inhalt entspricht dem in keiner Weise. Selten hat ein Autor das heikle Thema Islam und seine Rolle in Europa so differenziert und fundiert aufgegriffen wie Klemens Ludwig. Das betrifft die Historie ebenso wie die Gegenwart. Dass dabei zwangläufig manche Vorurteile ausgeräumt werden, ergibt sie von selbst.
Besonders wichtig ist es dem Autor, die weit verbreitete Rollenzuweisung, wonach der Islam schon immer das Opfer abendländischer Arroganz gewesen sei, zu hinterfragen. Dabei widersteht er der Versuchung, die Rollen einfach umzukehren und Europa zum Opfer des Islam zu machen. 'Hinsichtlich des Ausmaßes der Verbrechen stehen sich beide Kulturen nichts nach', so das ernüchternde Fazit zum Schluss.
Eine Offenbarung ist es zu erfahren, wie viele meinungsbildende europäische Intellektuelle, Universitätslehrer, Journalisten, Schriftsteller u. a. nur die eine Seite wahrnehmen und emsig das Bild vom Islam als Opfer verbreiten.
Insgesamt beschreibt der Autor die Präsenz des Islam in Europa nüchtern; Ausgrenzungsversuche können ihm nicht nachgesagt werden, doch eines stellt er unmissverständlich klar: Die in langen Kämpfen errungene Werte wie Toleranz, Vielfalt, Gleichheit, körperliche Unversehrtheit, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit dürfen niemals in Frage gestellt werden ' auch nicht wenn sich Strenggläubige dadurch in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen könnten.