Nach langer Zeit des Darbens endlich einmal wieder ein richtig guter, gar großer Roman. Das Thema ist nicht nur die Musik, nicht nur der verhinderte große Musikforscher und Gelegenheitsorganist Jakob Kemper, dem im Alltag und in seinen Beziehungen nichts so recht gelingen will. Nicht nur, dass dieser sich selber allzusehr bemitleidet und gar nicht sieht, was er alles falsch macht und womit er sich selbst im Weg steht; nein: Beinahe genüsslich wird ausgebreitet, wie Kemper immer verschrobener und eigentümlicher wird.
Als Leser erwartet man durch das Auftauchen des verschollenen Bach-Manuskriptes nun einen Wandel in Jakobs Leben. Dieser tritt vor allem in der Beschreibung der zwar nicht hörbaren, aber durch Schneiders genaue sprachliche Beschreibung fast hörbar gemachten Offenbarungs-Musik zutage. Hier erkennt der Leser, welch Potential in dem Sonderling Kemper schlummert, wie verkannt er doch von seiner Mitwelt wird.
- Eigentlich ist der Roman eine ausgedehnte Novelle, bei welcher das "unerhörte Ereignis" nicht der Fund des Manuskripts in der Orgel ist, sondern die Beschreibung der Auswirkungen einer solchen Musik, mehr noch: der zu-Tage-Legung aller menschlichen Tugenden und Schwächen und wie dies durch künstlerische Mittel möglich ist. Die Macht und die Grenzen der Musik werden beschrieben, Dinge wie der "Sinn des Lebens" und wofür es sich lohnt zu leben werden tangiert.
Ein großes Thema, ein schönes Buch!