Die Neuübersetzung der Odyssee von Christoph Martin scheint mir ganz hervorragend geeignet zu sein, nicht nur jüngere Leser mit diesem mit dem Makel "bürgerliches Bildungsgut" behaftete Werk bekannt zu machen, sondern Älteren, die die Voss-Übersetzung in Hexametern kennen, einen neuen und überraschend witzigen Blick auf die alte Geschichte zu eröffnen. Odyssee und Ilias (vielleicht hat Christoph Martin Lust, auch diese so intelligent in die Gegenwart zu holen) sind nun mal grundlegende Werke der abendländischen Kultur; vieles in Kunst und Literatur bliebe unerschlossen bzw. unverstanden ohne die Kenntnis dieser beiden Erzählungen.
Christoph Martin findet nicht nur eine (manchmal vielleicht fast zu burschikose) sehr gegenwärtige Sprache, es gelingt ihm auch, in seiner Prosa den Rhythmus der originalen Verssprache anklingen zu lassen. Die Übersetzung ist ein wunderbares Lese- und Vorleseerlebnis!