Nach der Lektüre der überwiegend negativen Bewertungen hier war ich zunächst skeptisch, was diese Fassung der "Odyssee" anbelangt. Ich habe mich dann aber trotzdem dafür entschieden, und es nicht bereut! Wer nach einer wirklich einsteigerfreundlichen, erfrischenden, spannenden Version fernab von akademischem Dünkel sucht, die sich trotzdem am Original orientiert, der ist hier genau richtig. Liest man die Versfassung von Voß probeweise gegen, stellt man fest, dass Christoph Martin den Stoff nicht ganz neu und frei nacherzählt, sondern Vers für Vers in Prosa umsetzt. Seine Sprache ist vielleicht nicht jedermanns Sache - mir hat es beim Lesen jedenfalls großen Spaß gemacht, auch mal auf offensichtlich modernisierte Formulierungen wie "Penner" oder "heiß machen" zu treffen. Zusammen mit den altertümlichen Wendungen und den häufig wiederholten Formulierungen ergibt sich ein ganz spezieller augenzwinkernder, lockerer, aber doch präziser Sprachstil. Man hat nur selten das Gefühl, dass es sich hier um einen uralten, bedeutungsschweren Text handelt. Das Buch liest sich wie ein moderner Abenteuer- oder Fantasyroman - allerdings wie einer von der allerbesten Sorte, voll mit spannenden Geschichten. Nach 440 kurzweiligen Seiten hat man sich ganz nebenbei einen der größten Texte der Literaturgeschichte einverleibt. Wohl bekommt's, Fettwanst!