Jeder kennt Geschichten aus der Odyssee, auch wenn man das manchmal selbst nicht weiss, da Homer nicht sehr stark auf sein Urheberrecht pocht. Figuren und Episoden der Odyssee haben sich so fest in das kulturelle Erbe hineingefressen, dass man bei der Lektüre erst merkt, was für eine Wirkung diese Erzählung über den armen, von den Göttern gequälten Odysseus hatte und hat. Und das zu Recht. Das Buch liest sich, zumindest in der Prosaübersetzung, fast schon unheimlich modern und spannend. Früher musste man sich als Geschichtenerzähler wohl auch noch etwas mehr bemühen, um seine Zuhörer nicht zu langweilen, und das ist Homer (wenn es ihn denn gegeben hat) vorzüglich gelungen. Und da es in der Odyssee nicht um eine Steuerreform im alten Athen geht, sondern um Abenteuer, Sehnsucht und Mord ist die Geschichte immer noch aktuell. Viele Werke der letzten zwei Jahrtausende erschliessen sich erst bei Kenntnis der Original Odyssee, am prominentesten natürlich Joyces' Ulysses. Und obwohl die Geschichte also kein bisschen veraltet ist, hat man das Gefühl, an den Anfängen der Zivilisation mit dabei zu sein. Aber das muss man schon selbst lesen... Eins bleibt mir dabei nur immer noch ein Rätsel: Wiese Homer Simpson Homer heisst. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)