Wenn es um das Erzeugen digitaler Daten geht, sind wir sehr produktiv. Handys, Notebooks, Kreditkarten und Kundenkarten hinterlassen - oft ungewollt - digitale Spuren. Daneben gibt es zahlreiche persönliche Einträge in den sozialen Netzwerken wie Facebook, wer-kennt-wen oder studiVZ, die freiwillig abgegeben werden. Wen wundert es da, dass es Experten gibt, die sich darauf spezialisiert haben, diese Daten zu analysieren. Die Numerati wenden komplexe mathematische Methoden mit dem Ziel an, Profile zu erstellen und nach gewünschten Fragestellungen auszuwerten. Auf diese Weise entstehen Informationen, die für viel Geld vermarktet werden können. Betreiber von Suchmaschinen wissen und nutzen das schon lange.
Es geht in den ersten Kapiteln um Simulationen der Wirklichkeit, um gezielte Werbung und um effiziente Methoden der Wählerbeeinflussung. Wie macht man in der Bevölkerung die Zielgruppe aus, die sich für ein bestimmtes Produkt begeistern lässt? Wie findet man vor einer Wahl die Wechselwähler, die für den Ausgang des Wahlergebnisses entscheidend sein können? Mit welchen Themen spricht man sie an? In weiteren Kapiteln geht es um Blogger im Internet, um das Aufspüren von Terroristen, um die Zukunft der Gesundheitsvorsorge und um Partnersuche. Ob die Wohnungen von Patienten künftig mit Sensoren ausgestattet werden, um krankheitsbedingte Auffälligkeiten festzustellen, bleibt abzuwarten. Die Methoden wären sicherlich wirksam. Sind sie auch im Interesse der Patienten?
In dem Buch werden die Aufgaben und Ziele der Numerati sachlich vermittelt. Die mathematischen Methoden beschreibt Autor Stephen Baker nicht. Hier hätte ich ansatzweise Erklärungen erwartet. Es kommt zwar explizit nicht zum Ausdruck, jedoch haben wir längst einen Überwachungsstaat. Was in den 1980er Jahren noch für heftige Proteste gesorgt hat, wird heute hingenommen. Hier hätte eine kritische Reflexion zur Aufklärung beigetragen. Die Frage des Autors im letzten Kapitel "Bin ich wirklich so, wie sie mich darstellen?" bringt das Thema humorvoll-kritisch auf den Punkt und bildet einen würdigen Abschluss für dieses populärwissenschaftliche Buch.