Nach all den Lobpreisungen habe ich mich unheimlich gefreut auf dieses Buch: Endlich mal ein richtig gutes Fantasybuch! Noch dazu mal von einem Norweger. Ich war gespannt, wie er schreibt.
Ich wurde auch nicht enttäuscht. Das Titelbild ist sehr schön. Und auch die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Anfangs.
Ich fand es sehr schön geschrieben (wenn auch traurig), wie Karain mit seiner Andersartigkeit lebt. Es ist keine Aneinanderreihung scheinbar willkürlicher grotesker Ereignisse (wie in so manchen anderen Fantasy-Geschichten). Der Autor weiß, wo er hinwill.
Aber dann wurde die Geschichte immer unglaubwürdiger. Wegen einem überfressenen Gamle (der Waldgeister-Häuptling) soll der Weltuntergang bevorstehen?
Um das zu verhindern, machen sich die vier Waldgeister dann eben auf den Weg, die Rote Runde Wurzel zu finden!
Die vier Wesen sind sehr sympathisch und lustig und ich mochte sie. Es waren auch mal nicht die obligatorischen Zwerge oder Elfen. Auch die Beschreibung einer Vokker(Troll)-Höhle ist ihm gut gelungen.
Für mich persönlich war das Ende aber nicht (wie angepriesen) befriedigend. Das Buch ist schon gut abgerundet und es liest sich schön, aber befriedigend fand ich es nicht. Der Autor hat an manchen Stellen versucht, eine neue Mythologie der Weltentstehung zu schaffen. Aber die hab ich eher überlesen: Ich fand sie nicht sehr beeindruckend. Trotz diesem Ansatz fehlt die Tiefe, die ich mir gewünscht hatte. Schade, dass er nicht mehr auf die Drachen eingegangen ist. Ich hätte gerne mehr erfahren über die mythischen Schlachten damals mit den Drachen. Das ist eindeutig zu kurz gekommen. Aber vielleicht kommt das noch in den weiteren Teilen. Der Bezug des Titels zur Handlung fehlt fast ganz. Nur einmal sieht sich Karain in seinen Träumen als weinender Drache.
Trotz allem eine nette Geschichte. Nicht bombastisch, keine Schlachten, kein Krieg. Es gibt einmal eine Belagerung (wobei ich nicht ganz verstanden habe, warum die Belagerer ihr Leben lassen wollen, nur um den Vogelmann zu kriegen), ein paar Tote(natürlich bei den Belagerern), ein kaputtes Knie, aber das war's auch schon.
Alles ist eher beschaulich, es gibt kaum Weltuntergangsszenarien. Es geht hauptsächlich um die Andersartigkeit Karains.
Das Buch transportiert eine schöne Botschaft: Andersartigkeit liegt oft etwas ganz Besonderes zugrunde, eine "abnormale" Fähigkeit, die aber meist verkannt wird. Und das ist für mich das Befriedigende an der Geschichte: Das Felsenvolk weiß um Karains Besonderheit und hört auf ihn.
Fazit: Eine nette kleine Geschichte mit humaner Botschaft. Leider nicht ganz glaubwürdig, leider nach der Hälfte etwas langweilig. Der Schluss rundet das Buch ab, insgesamt mittelmäßig befriedigend.