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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2002
Darauf hat die "naturkundliche Gemeinde" lange gewartet: ein Buch über Nixen. Das denkt Tilman Spreckelsen, dem dieser "Prachtband" des 1936 geborenen Esten Enn Vetemaa überaus gut gefallen hat. "Streng" teile der Autor Nixen in eine ganze Reihe von Gattungen ein: Da gibt es die "sittsame waschversessene Rubbelfee", die "gemeine Kopfkratzerin", die "minilesbische Heulsuse", die "tränenreiche Goldblonde", die "Flucherin" oder die "grünhaarige Kokette", zählt der Rezensent auf. Das Buch sei im Original bereits 1983 in Tallinn erschienen, im Deutschen 1985 in einer "gefeierten, aber karg ausgestatteten" Ausgabe des Verlages Volk und Welt. Nun liegt es, freut sich der Rezensent, in einer neuen Ausgabe vor, bearbeitet und von Kat Menschik "üppig illustriert". Wer bisher noch kein Fan der Nixen war, nach der Lektüre dieses für überaus schön und fesselnd befundenen Bandes wird er es sicher werden. Da ist der Rezensent ganz sicher.
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Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Die Nixen von Estland. von Enn Vetemaa, Kat Menschik. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die europäischen Frauen hatten es mit den klassischen Frisuren des Empire und besonders des Rokoko und des Biedermeier nicht leichter. Wissenschaftler haben festgestellt, daß die Frauen auf ihr Haar im Durchschnitt die Hälfte ihres Lebens verwenden. Über die Drangsal der Japanerinnen, ihre kunstvolle Frisur über die Stunden der Nacht zu retten, wollen wir erst gar nicht reden.
Die Frauen wir auch die Nixen verwenden auf die Pflege ihres Haars
Sorgfalt, viel, viel Sorgfalt. Man kennt sogar eine theoretische Schule, deren Anhänger es für möglich halten, an den Haaren die Kraft der Liebesemotionen (in Milliamouren) zu errechnen. Wie es heißt, genügt es, einer Dame, die sich eben erst frisiert hat, das Haar zu zerzausen, um an ihrer Reaktion (Lautstärke der Stimme in Dezibel, der Koeffizient von Kraftausdrücken usw.) die Intensität ihrer Verliebtheit zu bestimmen. Doch hier möchten wir unseren Vorstoß auf das Territorium fremder Wissenschaften einstellen. Die Vertreterinnen des schönen Geschlechts sehen in ihrem Haar ein Mittel zur Verfügung, das Bedeutung haben kann, wenn es um Kopulation geht. Kopulationsbeziehungen aber können sogar heutigentags zur Gründung einer Familie führen. Beispielsweise behauptet Akademiemitglied Naan, es gäbe Fälle von eigentlich recht glücklich verlaufenen Ehen (bis zur nächsten Scheidung).
Das erklärt auch, wieso dem Haar eine so wichtige Rolle zugeschrieben wird. Die Nixen interessieren matrimoniale Fragen selbstverständlich nicht; sie lassen sich von höheren Zielen verlocken, fern von Alltagseinerlei; gemeinsames Musizieren, Liebeständeleien, die in ihrer Mehrzahl nach platonisch verlaufen, Studium der menschlichen Psyche und dergleichen mehr. Jawohl, auch das Studium der menschlichen Psyche! Mündlichen, jedoch durchaus zuverlässigen Berichten zufolge wurde in der Königlichen Bibliothek von Uppsala eine Nixe gesehen, die ein Bestimmungsbuch der Menschen abfaßte. (An einer ebensolchen Arbeit schreiben auch die mit unbekannten Flugobjekten eingetroffenen Besucher.)