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Die Nixen von Estland. Ein Bestimmungsbuch
 
 
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Die Nixen von Estland. Ein Bestimmungsbuch [Gebundene Ausgabe]

Enn Vetemaa , Kat Menschik
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2002
Darauf hat die "naturkundliche Gemeinde" lange gewartet: ein Buch über Nixen. Das denkt Tilman Spreckelsen, dem dieser "Prachtband" des 1936 geborenen Esten Enn Vetemaa überaus gut gefallen hat. "Streng" teile der Autor Nixen in eine ganze Reihe von Gattungen ein: Da gibt es die "sittsame waschversessene Rubbelfee", die "gemeine Kopfkratzerin", die "minilesbische Heulsuse", die "tränenreiche Goldblonde", die "Flucherin" oder die "grünhaarige Kokette", zählt der Rezensent auf. Das Buch sei im Original bereits 1983 in Tallinn erschienen, im Deutschen 1985 in einer "gefeierten, aber karg ausgestatteten" Ausgabe des Verlages Volk und Welt. Nun liegt es, freut sich der Rezensent, in einer neuen Ausgabe vor, bearbeitet und von Kat Menschik "üppig illustriert". Wer bisher noch kein Fan der Nixen war, nach der Lektüre dieses für überaus schön und fesselnd befundenen Bandes wird er es sicher werden. Da ist der Rezensent ganz sicher.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Estland ist bekanntlich das Heimatland der Nixen. An einer wissenschaftlichen Darstellung dieser Spezies hat es bisher gefehlt. Vetemaas Standardwerk bringt diesen Forschungszweig der Dämonologie auf den neuesten Stand und schließt damit eine empfindliche Lücke. Keinen Naturfreund werden diese anmutigen Geschöpfe gleichgültig lassen. Auch der Autor zeigt sich von ihren Reizen entflammt, was ihn jedoch nicht daran hindert, eine exakte Taxonomie zu entwerfen. Seine Pionierarbeit unterscheidet erstmals die Schönhaarigen (Euplocamidae) von den Lauthalsigen (Carrulidae) und die Nackttitten von den Heulsusen. Ohne Kat Menschiks kongeniale Illustrationen, mit denen es üppig ausgestattet ist, wäre dieses Bestimmungsbuch freilich nur halbwegs so verlockend. In ihrer Bearbeitung vermählt sich die strenge Wissenschaft mit der heiteren Kunst. Auf diese Weise ist ein einzigartiges Werk entstanden, ohne das in Zukunft kein Liebhaber der Elementargeister auskommen wird. Übrigens hat es in der Tschechischen Republik ein Raubdruck im Handumdrehen auf eine Auflage von 40.000 gebracht. Daß ein deutsches Publikum in seiner Wißbegier hinter den östlichen Nachbarn zurückbleibt, ist kaum vorstellbar.

Über den Autor

Kat Menschik ist 1968 in Berlin geboren und arbeitet als Illustratorin in Berlin unter anderem für 'Brigitte' und die 'Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung'.

Auszug aus Die Nixen von Estland. von Enn Vetemaa, Kat Menschik. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Von alters her waren die Haare bei den Vertreterinnen des schönen Geschlechts Objekt einer besonderen Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Offenbar läßt sich das mit der Schwäche erklären, die Vertreter des männlichen Geschlechts für das Haar der Frauen haben. Selbst der nur oberflächlich in Ethnographie bewanderte Leser weiß, welche Pein die Damen der afrikanischen Stämme bereits sind, auf sich zu nehmen, nur um eine hochtoupierte, ungewöhnlich gefärbte buschige Frisur zu haben.

Die europäischen Frauen hatten es mit den klassischen Frisuren des Empire und besonders des Rokoko und des Biedermeier nicht leichter. Wissenschaftler haben festgestellt, daß die Frauen auf ihr Haar im Durchschnitt die Hälfte ihres Lebens verwenden. Über die Drangsal der Japanerinnen, ihre kunstvolle Frisur über die Stunden der Nacht zu retten, wollen wir erst gar nicht reden.

Die Frauen wir auch die Nixen verwenden auf die Pflege ihres Haars

Sorgfalt, viel, viel Sorgfalt. Man kennt sogar eine theoretische Schule, deren Anhänger es für möglich halten, an den Haaren die Kraft der Liebesemotionen (in Milliamouren) zu errechnen. Wie es heißt, genügt es, einer Dame, die sich eben erst frisiert hat, das Haar zu zerzausen, um an ihrer Reaktion (Lautstärke der Stimme in Dezibel, der Koeffizient von Kraftausdrücken usw.) die Intensität ihrer Verliebtheit zu bestimmen. Doch hier möchten wir unseren Vorstoß auf das Territorium fremder Wissenschaften einstellen. Die Vertreterinnen des schönen Geschlechts sehen in ihrem Haar ein Mittel zur Verfügung, das Bedeutung haben kann, wenn es um Kopulation geht. Kopulationsbeziehungen aber können sogar heutigentags zur Gründung einer Familie führen. Beispielsweise behauptet Akademiemitglied Naan, es gäbe Fälle von eigentlich recht glücklich verlaufenen Ehen (bis zur nächsten Scheidung).

Das erklärt auch, wieso dem Haar eine so wichtige Rolle zugeschrieben wird. Die Nixen interessieren matrimoniale Fragen selbstverständlich nicht; sie lassen sich von höheren Zielen verlocken, fern von Alltagseinerlei; gemeinsames Musizieren, Liebeständeleien, die in ihrer Mehrzahl nach platonisch verlaufen, Studium der menschlichen Psyche und dergleichen mehr. Jawohl, auch das Studium der menschlichen Psyche! Mündlichen, jedoch durchaus zuverlässigen Berichten zufolge wurde in der Königlichen Bibliothek von Uppsala eine Nixe gesehen, die ein Bestimmungsbuch der Menschen abfaßte. (An einer ebensolchen Arbeit schreiben auch die mit unbekannten Flugobjekten eingetroffenen Besucher.)

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