Richtig gedacht: die letzte der drei Hörgeschichten hat tatsächlich etwas mit dem Klavierstück "Für Elise" von Ludwig van Beethoven zu tun. Die beiden anderen allerdings nicht. Hier geht es mehr um profane Dinge: in "Die Neue" um eine neue Pflanze, die alle anderen Pflanzen von ihrem angestammten Platz verdrängt, um nicht zu sagen "erstickt". Sie hat zwar wunderschöne blaugeäderte Blätter und üppige sternförmige Blüten, doch ihre Wirkung auf die anderen Gartenpflanzen ist verheerend: sie gehen der Reihe nach ein und es gibt dieses Jahr weder selbstgemachte Marmelade, noch Stangenbohnen oder Kartoffeln.
In "Frostiger Boden" geht es um zwei Schlüsselkinder, die 13-jährige Melissa und den 8-jährigen Holger, deren berufstätige Mutter immer in Eile ist und deren Vater dauernd unterwegs ist. Beide Kinder müssen alleine zurecht kommen: Melissa kümmert sich fast ausschließlich um ihr Äußeres und Holger bekommt Schwierigkeiten in der Schule. Doch die vielbeschäftigte, gestresste Mutter hat keinen Nerv, sich mit den Problemchen der Kinder zu befassen. Dem Sohn bringt sie ein Game Boy Spiel mit, das er schon hat und ihre Hauptsorge ist es, dass die Kinder nicht so viel Lärm machen ...
"Für Elise": in einem Mietshaus soll eine neue Mieterin einziehen. Diese ist den älteren Mietern noch gut bekannt, denn sie hatte schon als kleines Mädchen dort gewohnt. Deren Vater - ein fanatischer Musikliebhaber - setzte bereits die kleine Elise auf den Klavierhocker, um sie bei jedem falschen Ton mit dem Gürtel zu bestrafen. Die Familie war vor 12 Jahren ausgezogen. Sehr gut kann sich noch Bibliothekar Walter Freden an Elise erinnern: die beiden Jugendlichen verbrachten intime Stündchen im Keller (das Höschen von Elise blieb Walter in guter Erinnerung und deswegen macht er sich entsprechende Hoffnungen auf ein Wiedersehen). Doch Elise zieht nicht alleine in die Wohnung ein - ein grobschlächtiger Kerl, ein Schlägertyp, begleitet sie ...
Es ist tatsächlich so: Petra Hammesfahrs Figuren sind extrem unauffällig und die Geschichten plätschern so dahin, und doch entwickeln sie einen sanften Sog, der einen zuhören lässt und in seinen Bann zieht. Die Geschichten verfügen in einfachen, klaren Worten über eine erstaunliche Intensität und wenn auch ein klein wenig dumpf von der Klangqualität der CD, so finde ich die drei Hörgeschichten doch sehr gut vorgetragen von Frank Arnold und Doris Wolters. Die drei Kurzgeschichten stammen aus dem Buch
Die Freundin von Petra Hammesfahr; die CD hat eine Laufzeit von 68 Minuten (Die Neue - Track 1, Frostiger Boden - Track 2+3 und Für Elise - Track 4-8). Einziges Manko: ein booklet fehlt.
Petra Hammesfahr hat sich mit Romanen wie
Die Sünderin,
Der Puppengräber und
Die Mutter einen Platz auf den Bestsellerlisten erobert. Doris Wolters arbeitet als Schauspielerin und Sprecherin in Hörspielen sowie Hörfunk- und Fernsehfeatures des SWR, DRS und ARTE. Vom Deutschen Hörbuch-Preis wurde sie 2007 als beste Interpretin nominiert. Frank Arnold, Schauspieler und Rundfunksprecher, spricht seit vielen Jahren für die Kultursendungen ASPEKTE, ARTOUR und TTT und ist in hunderten Dokumentarfilmen als Offstimme zu hören. Zu seinen bekanntesten und besten Hörbuchproduktionen zählen u. a. Ilija Trojanows "Der Weltensammler", "Der Doktor und das liebe Vieh" von James Herriot, "Ein Ehepaar erzählt einen Witz" von Kurt Tucholsky und Pater James' "Stirb ewig".