Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Leben eines holländischen Apothekers, 14. August 2005
Marten't Hart beschreibt in diesem wundervollen Roman das Leben des holländischen Apothekers Simon Minderhout von seiner Geburt bis ins hohe Alter. Sowohl stilistisch als auch inhaltlich lässt sich der Roman in drei Etappen teilen. Es beginnt mit Simons Kindheit, die sich in dörflicher Umgebung abspielt. Der Junge wächst in einfachen Verhältnissen in der unberührten Natur Hollands vor dem zweiten Weltkrieg auf. Es reihen sich kleine Episoden wie einfach gezeichnete Karikaturen des bäuerlichen Lebens aneinander. Die Sprache ist einfach, fast karg wie die Menschen und Ereignisse, über die berichtet wird. Es macht Spaß, daran seine eigenen Gedanken zu formen. Im zweiten Teil ist Simon studierter Apotheker und lebt und arbeitet in einer kleinen Stadt, in der er einsam und immer ein Fremder ist. Die Städter zeigen nicht mehr die Einfachheit der dörflichen Umgebung, doch reichen auch sie nicht an den Akademiker und Musikliebhaber Simon Minderhout heran. Der Nationalsozialismus greift auf Holland über. Gerüchte, Heimlichkeiten und lähmende Passivität brechen aus. In diesem Abschnitt dominiert das philosophische in Simons Monologen. Im letzten Teil ist Simon bereits 80 Jahre alt. Er ist wieder allein, wohnt in einer Seniorenwohnung. Der Krieg und Nationalsozialismus ist vorüber, eine gescheiterte Ehe und viele arbeits- und musikreiche Jahre liegen hinter ihm. Er ist müde. Doch plötzlich brechen Gerüchte über Kollaboration während der lang verjährten Kriegszeit über ihn herein. Gehetzt versucht er, mit seinem jüdischen Dirigentenfreund, der einst das KZ überlebte, diese aufzuklären. Es beginnt ein Rückblick und viele anschauliche Erklärungen der Jahre, die dem Leser entzogen wurden. Ein Roman genau für diesen verregneten Sommer zugeschnitten. Die Lebensgeschichte eines Mannes in für mich recht unbekannten Niederlanden. Mal wieder das Thema Nationalsozialismus, aber aus anderer Blickrichtung, aus der holländischen Sichtweise, nicht belehrend, nicht anklagend sondern einfach informativ.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nicht entgehen lassen !, 21. August 2003
Das Buch hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe es in einem Rutsch an einem Tag gelesen. Liebesgeschichte, Geschichtsbewältigung und Verleumdung. Alles drin. Ausflug in das dörfliche Holland, in den Bombenkrieg, in die Philosophie und die Judenverfolgung im 2.Weltkrieg. Die Rolle des Einzelnen, der gerne etwas gegen die Diktatur der Besatzer und deren Wahsinns tun will, aber nicht weiß wie. Der Protagonist selbst ist in seiner Stadt einer der nicht dazu gehört und immer ein Dazugezogener geblieben ist. Keiner fragt nach seiner Hilfe, seiner Unterstützung. Jahrzehnte später wird von den Medien seine Unschlüssigkeit und sein Verhalten, andere unverfängliche Gründe und die Liebe trieben ihn damals an, in ein Licht gestellt, dass er vor aller Welt als Verräter und Nazifreund hingestellt wird. Die Macht der Medien, die Hilflosigkeit des Einzelnen und die trügerische Erinnerung der Menschen, als alter Mann muß sich der Protagonist seiner Erinnerung und den ungerechtfertigten Vorwürfen stellen. Das Buch zählt für mich zu den richtig guten & wichtigen Büchern, die man gelesen haben sollte.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sonnig, 20. Mai 2003
"Die Netzflickerin" ist grundsätzlich dem "Wüten der ganzen Welt" ähnlich. Auch hier wird die Lebensgeschichte eines Jungen erzählt, der, beeinflußt von einem unkonventionell denkenden Vater, seine Welt entdeckt. Mit dem Vorgängerroman durch bereits aufgetretene Personen verbunden, greift dieses Buch Geschehnisse aus dem vorangegangenen auf und erläutert sie aus anderer Sicht. Roemer Simon Minderhout entdeckt seine Liebe zur Philosophie und Musik und wird dazu genötigt, Apotheker zu werden. Auch wenn es oft um philosophische und religiöse Themen geht, wirkt die Geschichte niemals belehrend, trocken oder polemisch. Er begegnet Menschen, die mit seiner querdenkerischen Art und seiner Weigerung, sich zu ducken, nicht zurechtkommen. Alles in allem plätschert die Geschichte ein wenig vor sich hin, bis man zu einem Punkt kommt, an dem man an eine pure Wiederholung des "Wüten der ganzen Welt" denkt. Dann werden fünfzig Jahre übersprungen und ein ganz anderes Kapitel geöffnet - die scheinbare oder tatsächliche Vergangenheit Simons wird von unerbittlichen, sensationsgeilen Medien aufgerollt. Simon ist dem Angriff wehrlos ausgeliefert und muss zusehen, dass Leute, mit denen er fast nichts zu tun hatte und denen er niemals etwas zuleide tat, sich nach 50 Jahren noch vor der Kamera gegen ihn produzieren. Das, was das Buch ausmacht, ist die reiche Gefühlswelt der Charaktere und, wenn es auch blöd klingt, das Licht. Die bildhafte Sprache des Autors läßt vor den Augen fast einen Film ablaufen - und fast immer scheint die Sonne darin.
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