In "Die Nashörner" verwandelen sich nach und nach die Bewohner einer ganzen Stadt in gewalttätige Dickhäuter. Einzig und allein Behringer kann und will dieser wildgewordenen Meute nicht folgen, will trotz aller Widerstände menschlich bleiben. Ionescos Stück ist auf der einen Seite auf absurde Weise lustig und unterhaltsam, gleichzeitig aber auch sozialkritisch. Von anfang an wirken viele der Dialoge sinnentleert und viele der Figuren zu sehr auf eine Sichtweise beschränkt, um mögliche Fehler zu erkennen. Nur Behringers Figur wirkt, trotz oder gerade wegen ihrer kleinen Schwächen, nachvollziehbar. Das Angleichen aller Personen eines Staates bzw. die Uniformierung (die Verwandlung zu Nashörnern) beschreibt die Entwicklung eines totalitären Systems. Immer mehr Menschen fangen an mit der neuen "Moral" zu sympathisieren, einstige Gegner fallen um und werden zu Mitläufern. Die ideologische Strahlkraft eines neuen Systems (hier wird gesprochen vom Abschaffen der alten, unklaren Moral, vom Ersetzen durch Naturgesetze) zieht sie in ihren Bann und verdrängt alles Menschliche. Kaum einer schafft es die Absurdität eines solchen Vorgangs in ihrer Komik und ihrer Tragik so effektiv in Szene zu setzen. Man fühlt sich unterhalten und wird gleichzeitig zum Nachdenken angeregt. Ein unvergessliches, zeitloses Stück von Ionesco! Sehr zu empfehlen!