Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Time Drives the Flocks from Field to Fold (Sir Walter Raleigh), 5. Februar 2009
Die ungeheure, schockierende Wirkung, die dieser Roman im Nachkriegsamerika auslöste, erklärt sich vor allem daraus, dass Mailer die realistische Schilderung einer militärischen Operation auf dem pazifischen Kriegschauplatz in enge Beziehung zu den sozialen Problemen der USA setzte und die Protagonisten seines Romans als Produkte einer kranken Gesellschaft charakterisierte. Er selbst erklärte, er habe das Buch als eine Parabel konzipiert. "Es zeigt den Menschen als ein korrumpiertes, bis zur Hilflosigkeit verwirrtes Wesen, aber es zeigt auch, dass es Grenzen gibt, über die er sich nicht stossen lässt, und dass er sich trotz Korruption und Krankheit nach einer besseren Welt sehnt."
Ziel des im Mittelpunkt der Handlung stehenden militärischen Unternehms ist die Eroberung einer fiktiven Insel Anopopei, auf der sich starke japanische Stellungen befinden. Der Kampf um die Insel wird zum einen aus der Sicht von dreizehn Soldaten eines Infanteriezugs geschildert, die nach langen ergebnislosen Angriffen als Stosstrupp eingesetzt werden, zum anderen aus der Sicht des Divisionskommandeurs, General Edward Cummings. Als Verbindungsglied zwischen beiden Standpunkten fungiert Leutnant Robert Hearn. Zwischen beiden entsteht eine komplexe und provokative Beziehung.
In die Erzählung sind die Lebensläufe verschiedener Männer des Infanteriezugs eingeblendet. Mailer, der diese von Dos Passos übernommene Technik time machine" (Zeitraffer) nennt, will in mehreren Rückblenden nicht nur das Milieu vorführen, durch das nach seiner Auffassung das Verhalten jedes einzelnen der durch den Krieg zusammengewürfelten Männer determiniert ist, sondern auch das Gesellschaftssystem, in das die Überlebenden zurückkehren werden. Als Krankheitssymptome dieser Gesellschaft erscheinen vor allem das unbewältigte Minderheitenproblem (hier nur auf Juden, Iren, Mexikaner, Italiener und Polen bezogen) und die aus der Überbewertung des Sexuellen resultierende sexuelle Frustration.
Als Schwäche des Buchs erscheint die angesichts der kompromisslos realistischen Darstellung des Kriegsgeschehens häufig verkrampft wirkende Symbolik und die mitunter überaus prononcierte Sozialkritik, in der sich bereits die extreme politische Position ankündigt die Mailer später bezog. Doch fallen solche Übertreibungen nicht allzusehr ins Gewicht, wenn man bedenkt dass es hier einem 25jährigen gelungen ist, in einem Roman über Schrecken und Sinnlosigkeit des Kriegs die Brüderlichkeit von Denk- und Gesellschaftssystemen deutlich zu machen, die den Einzelmenschen in eine - wie General Cummings es nennt - "Stufenleiter der Angst" zwingen zu wollen.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meisterwerk, 18. September 2004
Endlich wurde Normal Mailer's Klassiker neu aufgelegt. Ein Buch, das auch nach Jahrzehnten hoch aktuell ist. Mailer schildert hier den zweiten Weltkrieg aus der Sicht von einfachen Soldaten, aber auch Offizieren gegen die Japaner auf einer fiktiven Insel. Schonungslos werden die Motive der einzelnen Personen deutlich. Es ist weniger der Idealismus, der die Menschen zum Krieg zwingt, sondern vielmehr persönliche, egoistische Motive. So zum Beispiel beim Seargent Croft, der für seine Idee ein Menschenleben opfert. Die Soldaten, die aus Angst Ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte unterdrücken und so korrumpiert werden. Mailer zeigt hier gnadenlos die ganzen Psychospiele der Menschen auf, und das Krieg keine glorreihe Sache ist. Er zeigt auch, dass es eigentlich recht wenig "Front-Action" gibt, sondern der Alltag der Soldaten aus warten und langweiligen, teilweise absurden Befehlen besteht. Für mich ein Meilenstein der Literatur, spannend und schnörkellos geschrieben. Fesselend. Die Aussage des Buches lässt sich meines Erachtens nicht nur auf die Armee, sondern nahezu auf jeden Bereich übertragen (z. B. im Berufsleben). Einziges Manko: es haben sich relativ viele Rechtschreibfehler in das Buch geschlichen. Etwas mehr Sorgfalt wäre hier angebracht gewesen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Bestseller mit Schwächen, 2. Juni 2007
Schon in seinem Erstlingswerk erweist sich Norman Mailer als ein Mann, der aus dem Bauch schreibt. Im Stile eines Reportes und Augenzeugen, der nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt, über weite Strecken auch geschwätzig und ausschweifend (auffallend der inflationäre Gebrauch von Adjektiven) beschreibt er die Einnahme der fiktiven Insel Anopopei durch US-Truppen am Ende des 2. Weltkrieges.
Dabei geht es aber nur vordergründig um die Beschreibung einer Militäroperation. Thema des Bestsellers ist vielmehr das Verhalten von Männern im Krieg, ihre Aggressionen, Freundschaften, Feindschaften, Hierarchien u.s.w.. Darüberhinaus geht es um männliche Identität allgemein, ein Leib- und Magenthema Mailers, über das er immer spannend und anrührend, niemals aber diktatisierend oder ironisierend schreibt.
Bei seinen Schilderungen konzentriert sich der Autor auf die Taten und Gedanken von 13 Soldaten und Offizieren unterschiedlicher Herkunft und Konstitution. In Rückblicken beschreibt er deren Werdegang in der bürgerlichen Gesellschaft. Dabei bekommt der Leser ein realistisches und umfassendes Panorama der amerikanischen Gesellschaft jener Zeit. Er erkennt, dass die US. Gesellschaft und das US Militär von den selben Tendenzen bedroht waren, die sie doch an ihren Feinden Nazideutschland und Japan bekämpften: Antisemitismus, Rassismus, Militarismus und autoritäre Herrschaft.
Die andere Kernaussage dieses Antikriegsromans ist die Sinnlosigkeit des Krieges. Nach einer aufwendigen und opferreichen Expedition ins Innere der Insel erkennen die US-Soldaten, dass die Japaner schon von Anfang an moralisch und materiell am Ende waren. Ausserdem wurden sie zwischenzeitlich von einer anderen Einheit erledigt, die geheim operierte. Alle Opfer waren also umsonst.
Leider ist der Roman voller Klischees. Muss denn etwa General Cummings, der ein skrupelloser Karrierist ist und mit seinen Untergebenen finstere Machtspielchen spielt, ausgerechnet ein verkappter Homosexueller sein?! Spielt der Autor da nicht mit den Vorurteilen seiner Zeit?!
Ausserdem ist das Buch furchtbar langatmig geschrieben. So wird z.B. der Gefreite Wilson nach seiner Verletzung auf über 100 Seiten durch den Urwald geschleppt. Dabei wird jede seiner Regungen und Äusserungen, jedes Stolpern der Träger, bis ins Kleinste nacherzählt. Da wird dem Leser einiges abverlangt.
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