oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
oder
gegen einen Amazon.de Gutschein über EUR 0,25 eintauschen?
Die Nachtwächter. Ein Scheibenwelt-Roman
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Die Nachtwächter. Ein Scheibenwelt-Roman [Taschenbuch]

Terry Pratchett , Andreas Brandhorst
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (68 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 8,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Lieferung bis Mittwoch, 30. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Um einer ermüdenden Gedenkveranstaltung der Stadtwache zu entgehen, greift Sir Samuel Vimes mitunter zu allen nur denkbaren Mitteln. Wenn es sein muss, lässt er sich sogar dazu herab, eigenhändig einem Verbrecher nachzujagen -- vor allem, wenn es sich um einen ausgemachten Fiesling handelt, der Offizieren der Wache nach dem Leben trachtet. Wie der Zufall es will, endet die Verfolgungsjagd für Vimes dieses Mal sehr überraschend: Auf dem Dach der Unsichtbaren Universität gerät er in einen Zeitsturm und wird drei Jahrzehnte in die Vergangenheit geschleudert.

Und diese Vergangenheit hat es in sich. In Ankh Morpork herrscht ein wahnsinniger Tyrann, und die Stadtwache fungiert nur noch als Handlanger der blutrünstigen Geheimpolizei. Sam Vimes beschließt alsbald, diesem Spuk ein Ende zu bereiten, doch das ist leichter gesagt als getan. Erst muss er das Vertrauen seines jüngeren Ichs gewinnen und ihm die Grundbegriffe der Ehre und der Polizeiarbeit lehren. Als es zu einem Aufstand kommt, gelingt es Sam, die Stadtwache als ehrliche und effektive Einheit zu etablieren. Jetzt muss er nur noch in seine eigene Zeit zurückkehren.

Nach den etwas schwächeren Romanen Die volle Wahrheit und Der Zeitdieb läuft Terry Pratchett mit Die Nachtwächter wieder zu großer Form auf. Vor allem langjährige Scheibenwelt-Fans werden sich freuen, vielen lieb gewonnenen Figuren in jüngerer Gestalt zu begegnen. Aber auch die teilweise recht ernste Grundstimmung des Buches sorgt dafür, dass dieser Roman überzeugender wirkt als so mancher seiner Vorgänger. Besonders schön ist der Umschlag, der Rembrandts Nachtwache in einer parodistischen Nachempfindung von Paul Kidby darstellt. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil." (Daily Telegraph )

"Die Scheibenwelt-Romane sind Kultwerke, die von Millionen gelesen werden." (The Express )

Kurzbeschreibung

Eine geniale Mischung aus Witz, Ironie und philosophischem Tiefsinn.

Durch einen Blitzschlag wird Kommandeur Mumm von der Stadtwache dreißig Jahre in die Vergangenheit versetzt: Im alten Ankh-Morpork herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Wache besteht aus korrupten Versagern, und einer von ihnen ist der junge Obergefreite Sam Mumm, der den schädlichen Einflüssen eines gefährlichen Verbrechers zu erliegen droht ...



Klappentext

"Terry Pratchett ist schlicht und einfach der beste komische Schriftsteller unserer Zeit!"
Oxford Times

"Terry Pratchett ist einer der großen Weltenschöpfer - er hat die wahre Energie eines ursprünglichen Geschichtenerzählers."
The Times

"Die Energie von `Per Anhalter durch die Galaxis' und der Einfallsreichtum von `Alice im Wunderland'!"
Sunday Times

Über den Autor

Terry Pratchett, geboren 1948, fand im zarten Alter von 13 Jahren den ersten Käufer für eine seiner Geschichten. Heute zählt der kleine Mann mit dem großen schwarzen Schlapphut zu den erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und ist einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt. Seit 1983 schreibt er Scheibenwelt-Romane. Inzwischen widmet er sich ganz seiner Schöpfung, und seine Gemeinde wird täglich größer. Dabei ist er zweifellos der Autor mit dem skurrilsten ehemaligen Beruf: Er war jahrelang Pressesprecher für fünf Atomkraftwerke beim Central Electricity Generating Board. Nach eigener Auskunft hat er nur deshalb noch kein Buch darüber geschrieben, weil es ihm ja doch keiner glauben würde. Seinen Sinn für Realsatire hat der schrille Job jedenfalls geschärft. Von seinen Scheibenwelt-Romanen wurden weltweit rund 65 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 37 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde ihm sogar die Ritterwürde verliehen. Umgeben von den modernsten Computern (und so durch ein Stück Schnur mit dem Rest der Welt verbunden) lebt Terry Pratchett mit seiner Frau Lyn in der englischen Grafschaft Wiltshire.

Andreas Brandhorst, 1956 in Norddeutschland geboren, schrieb bereits in jungen Jahren phantastische Erzählungen für deutsche Verlage. Aufsehen erregte er mit der aus 6 Bänden bestehenden Kantaki-Saga (die Diamant-Trilogie: "Diamant", "Der Metamorph" und "Der Zeitkrieg", und die Graken-Trilogie: "Feuervögel", "Feuerstürme" und "Feuerträume") und dem 2009 erschienenen Mystery-Thriller "Äon", der zu einem großen Publikumserfolg wurde. "Die Stadt" ist sein zweiter großer Mystery-Roman. Andreas Brandhorst lebt als freier Autor in Norditalien.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Sam Mumm seufzte, als er den Schrei hörte, aber er rasierte sich zu Ende, bevor er etwas unternahm.
Dann zog er seine Jacke an und schlenderte in den wunderschönen Morgen des späten Frühlings hinaus. Vögel zwitscherten in den Bäumen, Bienen summten in Blüten. Der Himmel war dunstig, und Gewitterwolken am Horizont kündigten Regen an. Doch derzeit war es noch heiß und drückend. Und in der alten Jauchegrube hinter dem Schuppen des Gärtners trat ein junger Mann Wasser.
Zumindest trat er.
Mumm wahrte einen gewissen Abstand und zündete sich eine Zigarre an. Es wäre sicher nicht klug gewesen, eine offene Flamme näher an die Grube heranzubringen. Der Sturz vom Dach des Schuppens hatte die Kruste durchbrochen.
»Guten Morgen!«, sagte er munter.
»Guten Morgen, Euer Gnaden!«, erwiderte der fleißige Treter.
Die Stimme war höher, als Mumm erwartet hatte, und er stellte fest, dass der junge Mann in der Jauchegrube eine junge Frau war. Es kam nicht völlig unerwartet – bei der Assassinengilde hatte man begriffen, dass Frauen ihren Brüdern im einfallsreichen Töten durchaus ebenbürtig waren, aber es veränderte die Situation ein wenig.
»Ich glaube, wir sind uns noch nicht begegnet, oder?«, fragte Mumm. »Obgleich du weißt, wer ich bin. Du bist...«
»Wiggs, Herr«, sagte die Schwimmerin. »Jocasta Wiggs. Es ist mir eine Ehre, dich kennen zu lernen, Euer Gnaden.«
»Wiggs?«, wiederholte Mumm. »Berühmte Familie in der Gilde. Übrigens, >Herr< genügt. Ich glaube, ich habe deinem Vater einmal das Bein gebrochen.«
»Ja, Herr«, bestätigte Jocasta. »Ich soll dich von ihm grüßen.«
»Bist du nicht ein wenig zu jung für diesen Kontrakt?«, fragte Mumm.
»Es gibt keinen Kontrakt, Herr«, sagte Jocasta weiter tretend.
»Ich bitte dich, Fräulein Wiggs. Der auf meinen Kopf ausgesetzte Preis ist mindestens ...«
»Die Gilde hat den Kontrakt außer Kraft gesetzt, Herr«, sagte die hartnäckige Schwimmerin. »Dein Name steht nicht mehr auf der Liste. Derzeit werden keine Aufträge angenommen, die dich betreffen.«
»Meine Güte, warum nicht?«
»Ich weiß nicht, Herr«, sagte Fräulein Wiggs. Ihre beharrlichen Anstrengungen brachten sie zum Rand der Grube, und dort entdeckte sie, dass das Mauerwerk in ausgezeichnetem Zustand und sehr glatt war und keinen Halt bot. Mumm wusste das, weil er an einem Nachmittag mehrere Stunden damit zugebracht hatte, genau diesen Zustand herzustellen.
»Warum hat man dich dann geschickt?«
»Frau Band meinte, es sei eine gute Übung«, sagte Jocasta. »Donnerwetter, diese Steine sind wirklich sehr glitschig.«
»Ja, das sind sie«, sagte Mumm. »Bist du in letzter Zeit frech zu Frau Band gewesen? Hast du sie irgendwie verärgert?«
»O nein, Euer Gnaden. Aber sie meinte, ich hätte zu großes Selbstvertrauen, und ein Außeneinsatz könnte mir sicher nützen.«
»Ah. Verstehe.« Mumm dachte an Frau Band, die zu den strengeren Lehrern der Assassinengilde zählte. Er hatte gehört, dass sie großen Wert auf praktische Lektionen legte.
»Sie hat dich also mit dem Auftrag geschickt, mich zu töten?«, fragte er.
»Nein, Herr! Es ist eine Übung! Ich habe überhaupt keine Armbrustbolzen dabei! Es ging nur darum, eine Stelle zu finden, von der aus ich auf dich zielen kann. Anschließend sollte ich zurückkehren und Bericht erstatten.«
»Frau Band würde dir glauben?«
»Natürlich, Herr«, sagte Jocasta und wirkte gekränkt. »Gildenehre, Herr.«
Mumm atmete tief durch. »Weißt du, Fräulein Wiggs, in den letzten Jahren haben ziemlich viele deiner Assassinenkollegen versucht, mich zu Hause umzubringen. Ich halte nicht viel davon, wie du vielleicht verstehst.«
»Das ist leicht einzusehen, Herr«, sagte Jocasta im Tonfall einer Person, die weiß: In einer schwierigen Situation muss sie auf den guten Willen von jemandem hoffen, der gar keinen Grund hat, guten Willen zu zeigen.
»Du wärst erstaunt über einige der Fallen, die es hier gibt«, fuhr Mumm fort. »Manche von ihnen sind sehr ausgeklügelt, wenn ich das sagen darf.«
»Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich die Ziegel auf dem Dach so verschieben, Herr.«
»Sie sind an geschmierten Schienen befestigt.« »Ausgezeichnet, Herr!«
»Einige der Fallen würden dich in etwas Tödliches stürzen lassen«, sagte Mumm.
»Da kann ich von Glück sagen, dass ich in diese Grube gefallen bin.«
»Oh, sie wirkt ebenfalls tödlich«, sagte Mumm. »Nach einer Weile.« Er seufzte. Natürlich ging es ihm darum, die Gilde von solchen Dingen abzuhalten, aber . Sein Name stand nicht mehr auf der Liste? Es gefiel ihm nicht, wenn ihm irgendwelche verstohlenen Gestalten nach dem Leben trachteten, Leute, die vorübergehend in den Diensten dieser oder jener Feinde standen. Andererseits hatte er darin immer eine Art Vertrauensvotum gesehen. Es zeigte, dass er die Reichen und Arroganten ärgerte, die es verdienten, geärgert zu werden.
Außerdem war die Assassinengilde leicht zu überlisten. Sie hatte strenge Regeln, an die sie sich um der Ehre willen hielt. Mumm, der sich in praktischen Bereichen nicht mit Regeln belastete, fand das durchaus in Ordnung.
Man hatte seinen Namen von der Liste gestrichen? Die einzige andere Person, die angeblich nicht auf der Liste stand, war der Patrizier Lord Vetinari. Die Assassinen verstanden das Spiel der Politik in Ankh-Morpork besser als sonst jemand, und wenn sie jemanden von ihrer Liste strichen, so glaubten sie, dass der Tod des Betreffenden nicht nur das Spiel verdarb, sondern das Spielbrett zerbrach.
»Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich herausziehen könntest, Herr«, sagte Jocasta.
»Was? Oh, ja. Tut mir Leid, hab saubere Sachen an«, sagte Mumm. »Aber wenn ich ins Haus zurückkehre, sage ich dem Butler, dass er mit einer Leiter hierher kommen soll. Was hältst du davon?«
»Vielen Dank, Herr. Freut mich, dir begegnet zu sein, Herr.«
Mumm schlenderte zum Haus zurück. Nicht mehr auf der Liste? Konnte er Einspruch erheben? Vielleicht dachten die Assassinen ...
Der Duft strich über ihn hinweg. Er sah auf. In der Nähe blühte ein Fliederstrauch. Er starrte wortlos.
Verdammt! Verdammt! Jedes Jahr vergaß er es. Nein, das stimmte nicht. Er vergaß es nicht. Er verstaute die Erinnerungen wie altes Silberbesteck, das nicht anlaufen sollte. Und jedes Jahr kehrten sie zurück, scharf und funkelnd, stachen ihm ins Herz. Ausgerechnet heute ...
Er streckte die Hand aus, und seine Finger zitterten, als er nach einer Blüte griff und vorsichtig den Stiel brach.

Auszug aus Die Nachtwächter von Terry Pratchett, Andreas Brandhorst. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Sam Mumm seufzte, als er den Schrei hörte, aber er rasierte sich zu Ende, bevor er etwas unternahm.
Dann zog er seine Jacke an und schlenderte in den wunderschönen Morgen des späten Frühlings hinaus. Vögel zwitscherten in den Bäumen, Bienen summten in Blüten. Der Himmel war dunstig, und Gewitterwolken am Horizont kündigten Regen an. Doch derzeit war es noch heiß und drückend. Und in der alten Jauchegrube hinter dem Schuppen des Gärtners trat ein junger Mann Wasser.
Zumindest trat er.
Mumm wahrte einen gewissen Abstand und zündete sich eine Zigarre an. Es wäre sicher nicht klug gewesen, eine offene Flamme näher an die Grube heranzubringen. Der Sturz vom Dach des Schuppens hatte die Kruste durchbrochen.
»Guten Morgen!«, sagte er munter.
»Guten Morgen, Euer Gnaden!«, erwiderte der fleißige Treter.
Die Stimme war höher, als Mumm erwartet hatte, und er stellte fest, dass der junge Mann in der Jauchegrube eine junge Frau war. Es kam nicht völlig unerwartet - bei der Assassinengilde hatte man begriffen, dass Frauen ihren Brüdern im einfallsreichen Töten durchaus ebenbürtig waren, aber es veränderte die Situation ein wenig.
»Ich glaube, wir sind uns noch nicht begegnet, oder?«, fragte Mumm. »Obgleich du weißt, wer ich bin. Du bist …«
»Wiggs, Herr«, sagte die Schwimmerin. »Jocasta Wiggs. Es ist mir eine Ehre, dich kennen zu lernen, Euer Gnaden.«
»Wiggs?«, wiederholte Mumm. »Berühmte Familie in der Gilde. Übrigens, ›Herr‹ genügt. Ich glaube, ich habe deinem Vater einmal das Bein gebrochen.«
»Ja, Herr«, bestätigte Jocasta. »Ich soll dich von ihm grüßen.«
»Bist du nicht ein wenig zu jung für diesen Kontrakt?«, fragte Mumm.
»Es gibt keinen Kontrakt, Herr«, sagte Jocasta weiter tretend.
»Ich bitte dich, Fräulein Wiggs. Der auf meinen Kopf ausgesetzte Preis ist mindestens …«
»Die Gilde hat den Kontrakt außer Kraft gesetzt, Herr«, sagte die hartnäckige Schwimmerin. »Dein Name steht nicht mehr auf der Liste. Derzeit werden keine Aufträge angenommen, die dich betreffen.«
»Meine Güte, warum nicht?«
»Ich weiß nicht, Herr«, sagte Fräulein Wiggs. Ihre beharrlichen Anstrengungen brachten sie zum Rand der Grube, und dort entdeckte sie, dass das Mauerwerk in ausgezeichnetem Zustand und sehr glatt war und keinen Halt bot. Mumm wusste das, weil er an einem Nachmittag mehrere Stunden damit zugebracht hatte, genau diesen Zustand herzustellen.
»Warum hat man dich dann geschickt?«
»Frau Band meinte, es sei eine gute Übung«, sagte Jocasta. »Donnerwetter, diese Steine sind wirklich sehr glitschig.«
»Ja, das sind sie«, sagte Mumm. »Bist du in letzter Zeit frech zu Frau Band gewesen? Hast du sie irgendwie verärgert?«
»O nein, Euer Gnaden. Aber sie meinte, ich hätte zu großes Selbstvertrauen, und ein Außeneinsatz könnte mir sicher nützen.«
»Ah. Verstehe.« Mumm dachte an Frau Band, die zu den strengeren Lehrern der Assassinengilde zählte. Er hatte gehört, dass sie großen Wert auf praktische Lektionen legte.
»Sie hat dich also mit dem Auftrag geschickt, mich zu töten?«, fragte er.
»Nein, Herr! Es ist eine Übung! Ich habe überhaupt keine Armbrustbolzen dabei! Es ging nur darum, eine Stelle zu finden, von der aus ich auf dich zielen kann. Anschließend sollte ich zurückkehren und Bericht erstatten.«
»Frau Band würde dir glauben?«
»Natürlich, Herr«, sagte Jocasta und wirkte gekränkt. »Gildenehre, Herr.«
Mumm atmete tief durch. »Weißt du, Fräulein Wiggs, in den letzten Jahren haben ziemlich viele deiner Assassinenkollegen versucht, mich zu Hause umzubringen. Ich halte nicht viel davon, wie du vielleicht verstehst.«
»Das ist leicht einzusehen, Herr«, sagte Jocasta im Tonfall einer Person, die weiß: In einer schwierigen Situation muss sie auf den guten Willen von jemandem hoffen, der gar keinen Grund hat, guten Willen zu zeigen.
»Du wärst erstaunt über einige der Fallen, die es hier gibt«, fuhr Mumm fort. »Manche von ihnen sind sehr ausgeklügelt, wenn ich das sagen darf.«
»Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich die Ziegel auf dem Dach so verschieben, Herr.«
»Sie sind an geschmierten Schienen befestigt.«
»Ausgezeichnet, Herr!«
»Einige der Fallen würden dich in etwas Tödliches stürzen lassen«, sagte Mumm.
»Da kann ich von Glück sagen, dass ich in diese Grube gefallen bin.«
»Oh, sie wirkt ebenfalls tödlich«, sagte Mumm. »Nach einer Weile.« Er seufzte. Natürlich ging es ihm darum, die Gilde von solchen Dingen abzuhalten, aber … Sein Name stand nicht mehr auf der Liste? Es gefiel ihm nicht, wenn ihm irgendwelche verstohlenen Gestalten nach dem Leben trachteten, Leute, die vorübergehend in den Diensten dieser oder jener Feinde standen. Andererseits hatte er darin immer eine Art Vertrauensvotum gesehen. Es zeigte, dass er die Reichen und Arroganten ärgerte, die es verdienten, geärgert zu werden.
Außerdem war die Assassinengilde leicht zu überlisten. Sie hatte strenge Regeln, an die sie sich um der Ehre willen hielt. Mumm, der sich in praktischen Bereichen nicht mit Regeln belastete, fand das durchaus in Ordnung.
Man hatte seinen Namen von der Liste gestrichen? Die einzige andere Person, die angeblich nicht auf der Liste stand, war der Patrizier Lord Vetinari. Die Assassinen verstanden das Spiel der Politik in Ankh-Morpork besser als sonst jemand, und wenn sie jemanden von ihrer Liste strichen, so glaubten sie, dass der Tod des Betreffenden nicht nur das Spiel verdarb, sondern das Spielbrett zerbrach …
»Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich herausziehen könntest, Herr«, sagte Jocasta.
»Was? Oh, ja. Tut mir Leid, hab saubere Sachen an«, sagte Mumm. »Aber wenn ich ins Haus zurückkehre, sage ich dem Butler, dass er mit einer Leiter hierher kommen soll. Was hältst du davon?«
»Vielen Dank, Herr. Freut mich, dir begegnet zu sein, Herr.«
Mumm schlenderte zum Haus zurück. Nicht mehr auf der Liste? Konnte er Einspruch erheben? Vielleicht dachten die Assassinen …
Der Duft strich über ihn hinweg. Er sah auf.
In der Nähe blühte ein Fliederstrauch.
Er starrte wortlos.
Verdammt! Verdammt! Jedes Jahr vergaß er es. Nein, das stimmte nicht. Er vergaß es nicht. Er verstaute die Erinnerungen wie altes Silberbesteck, das nicht anlaufen sollte. Und jedes Jahr kehrten sie zurück, scharf und funkelnd, stachen ihm ins Herz. Ausgerechnet heute …
Er streckte die Hand aus, und seine Finger zitterten, als er nach einer Blüte griff und vorsichtig den Stiel brach. Er schnupperte daran, und einige Sekunden blickte er ins Nichts. Schließlich setzte er sich wieder in Bewegung und trug die Blüte vorsichtig ins Ankleidezimmer.
Willikins hatte für heute die offizielle Uniform vorbereitet. Sam Mumm sah verwundert darauf hinab, und dann fiel es ihm ein. Wachkomitee. Na schön. Der verbeulte alte Brustharnisch kam dafür nicht in Frage … Nicht für Seine Gnaden, den Herzog von Ankh und Kommandeur der Stadtwache, Sir Samuel Mumm. In dieser Hinsicht hatte sich Lord Vetinari sehr klar ausgedrückt, verdammter Mist.
Die Tatsache, dass Sam Mumm die Notwendigkeit dieser Sache einsah, machte alles noch ärgerlicher. Er verabscheute die offizielle Uniform, aber inzwischen repräsentierte er etwas mehr als nur sich selbst. Sam Mumm war in einer schmutzigen Rüstung bei Besprechungen erschienen, und selbst Sir Sam Mumm fand immer wieder einen Grund, die ganze Zeit über seine Straßenuniform zu tragen. Aber ein Herzog … Ein Herzog musste feiner aussehen. Ein Herzog konnte nicht einfach den Hintern aus der Hose hängen lassen, wenn er ausländischen Diplomaten gegenübertrat. Auch der alte Sam Mumm hatte seinen Hintern nicht aus der Hose hängen lassen, aber es wäre nicht zu einem Krieg gekommen, wenn er es doch einmal getan hätte.
Der einfache alte Sam Mumm hatte sich gewehrt, die meisten Federn entfernt und die lächerliche Strumpfhose weggeworfen. Das Ergebnis war eine Paradeuniform, deren Träger zumindest den Eindruck erweckte, männlichen Geschlechts zu sein. Aber der Helm war golden verziert, und die nach Maß fertigenden Waffenschmiede hatten einen neuen, glänzenden Brustharnisch mit goldenen Ornamenten gefertigt. Wenn Mumm ihn trug, kam er sich jedes Mal wie ein Klassenverräter vor. Er verabscheute die Vorstellung, dass man ihn für einen jener Leute hielt, die dämliche verzierte Rüstungen trugen. Er verspürte sozusagen das vergoldete schlechte Gewissen.
Er drehte die Fliederblüte zwischen den Fingern hin und her, nahm erneut den berauschenden Duft wahr. Ja … es war nicht immer so gewesen …
Jemand hatte gerade zu ihm gesprochen. Er sah auf.
»Was?«, fragte er scharf.
»Ich habe mich nach dem Befinden Ihrer Ladyschaft erkundigt«, sagte der Butler überrascht. »Ist alles in Ordnung, Euer Gnaden?«
»Was? Oh, ja. Nein. Ich bin soweit in Ordnung. Und Ihre Ladyschaft ebenfalls, danke. Ich habe bei ihr vorbeigeschaut, bevor ich nach draußen gegangen bin. Frau Zufrieden ist bei ihr. Sie meint, es dauert noch eine Weile.«
»Ich werde die Küche trotzdem anweisen, genügend heißes Wasser vorzubereiten, Euer Gnaden, nur für den Fall«, sagte Willikins und half Mumm beim Anlegen des vergoldeten Brustharnischs.
»Ja. Wozu braucht man all das Wasser, was meinst du?«
»Ich weiß es nicht, Euer Gnaden«, erwiderte Willikins. »Wahrscheinlich ist es besser, nicht danach zu fragen.«
Mumm nickte. Sybil hatte mit sanftem Nachdruck darauf hingewiesen, dass er bei dieser Angelegenheit nicht gebraucht wurde. Er musste zugeben, dass es ihm eine gewisse Erleichterung bescherte.
Er reichte Willikins die Fliederblüte. Der Butler nahm sie kommentarlos entgegen und schob sie in ein mit Wasser gefülltes Silberröhrchen, in dem sie stundenlang frisch bleiben würde. Das Röhrchen befestigte er an einem Riemen des Brustharnischs.
»Die Zeit vergeht, Euer Gnaden«, sagte er und staubte ihn mit einer kleiner Bürste ab.
Mumm holte seine Uhr hervor. »In der Tat. Auf dem Weg zum Palast mache ich einen Abstecher zum Wachhaus und unterschreibe dort, was unterschrieben werden muss. Ich bin so schnell wie möglich zurück.«
Willikins bedachte ihn mit einem Blick, in dem für einen Butler ungebührliche Sorge zum Ausdruck kam. »Ich bin sicher, Ihre Ladyschaft wird alles gut überstehen, Euer Gnaden«, sagte er. »Natürlich ist sie nicht, nicht …«
»… nicht mehr jung«, warf Mumm ein.
»Nun, sie ist reicher an Jahren als viele andere Primigravidae«, sagte Willikins glatt. »Aber sie ist auch stabil gebaut, wenn du mir diese Bemerkung gestattest, Euer Gnaden, und ihre Familie hat traditionsgemäß kaum Niederkunftsprobleme …«
»Primi was?«
»Neue Mütter, Euer Gnaden. Es wäre Ihrer Ladyschaft bestimmt lieber, wenn du irgendwelchen Schurken nachjagst, anstatt Löcher in den Bibliotheksteppich zu treten.«
»Da hast du vermutlich Recht, Willikins. Äh … Da fällt mir ein: Eine junge Frau schwimmt in der alten Jauchegrube, Willikins.«
»Sehr wohl, Euer Gnaden. Ich werde sofort den Küchenjungen mit einer Leiter dorthin schicken. Eine Nachricht für die Assassinengilde?«
»Gute Idee. Die junge Dame braucht ein Bad und saubere Klamotten.«
»Ich glaube, der Schlauch in der alten Spülküche wäre vielleicht angemessener, Euer Gnaden? Zumindest zu Anfang?«
»Guter Hinweis. Kümmere dich darum. Ich muss jetzt los.«
Im Hauptbüro des Wachhauses am Pseudopolisplatz rückte Feldwebel Colon geistesabwesend die Fliederblüte zurecht, die er sich wie eine Feder an den Helm gesteckt hatte.
»Sie werden sehr seltsam, Nobby«, sagte er und blätterte lustlos durch den morgendlichen Papierkram. »Typisch für Polizisten. Mir ging's ebenso, als ich Kinder hatte. Man wird hart.«
»Was meinst du mit hart?«, fragte Korporal Nobbs, der vermutlich der beste lebende Beweis dafür war, dass es einen glatten Übergang zwischen Menschen und Tieren gab.
»Nun …«, sagte Colon und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Es ist wie … Nun, wenn du in unser Alter kommst …« Er sah Nobby an und zögerte. Schon seit einigen Jahren gab Nobby sein Alter mit »wahrscheinlich 34« an; die Familie Nobbs konnte nicht gut zählen.
»Ich meine, wenn ein Mann ein … gewisses Alter erreicht«, versuchte er es erneut, »weiß er, dass die Welt nie perfekt sein wird. Er gewöhnt sich daran, dass sie ein wenig …«
»Schmutzig ist?«, vermutete Nobby. Hinter seinem Ohr, wo für gewöhnlich eine Zigarette steckte, zeigte sich eine verwelkende Fliederblüte.
»Genau«, sagte Colon. »Man begreift, dass die Welt nie perfekt sein wird, und deshalb findet man sich mit ihr ab, klar? Aber wenn ein Kind unterwegs ist … dann sieht ein Mann die Sache plötzlich ganz anders. Er denkt: Mein Kind soll in diesem Durcheinander aufwachsen? Wird Zeit, Ordnung zu schaffen. Wird Zeit, die Welt zu verbessern. Ein Mann, der so etwas denkt, wird … eifrig … schneidig. Wenn der Kommandeur von Starkimarm erfährt, wird's hier ganz schön rundgehen … Guten Morgen, Herr Mumm!«
»Habt ihr gerade über mich gesprochen?«, fragte Mumm und schritt an den Wächtern vorbei, als sie Haltung annahmen. Er hatte kein einziges Wort des Gesprächs mitbekommen, doch in Feldwebel Colons Gesicht konnte er lesen wie in einem offenen Buch, und dieses Buch kannte er inzwischen auswendig.
»Wir haben uns nur gefragt, ob das freudige Ereignis …«, begann Colon und brach ab, als Mumm die Treppe hocheilte, zwei Stufen auf einmal nehmend.
»Nein, es ist noch nicht so weit«, sagte Mumm und öffnete die Tür seines Büros. »Morgen, Karotte!«
Hauptmann Karotte sprang auf und salutierte. »Guten Morgen, Herr! Hat Lady …«
»Nein, Karotte, sie hat noch nicht. Was gab's während der Nacht?«
Karottes Blick glitt zu der Fliederblüte und kehrte dann zu Mumms Gesicht zurück. »Nichts Gutes, Herr«, sagte er. »Ein weiterer Wächter wurde umgebracht.«
Mumm blieb abrupt stehen. »Wer?«, fragte er.
»Feldwebel Starkimarm, Herr. Es hatte ihn auf der Sirupminenstraße erwischt. Wieder Carcer.«
Mumm sah auf die Uhr. Es blieben noch zehn Minuten, um den Palast zu erreichen. Doch plötzlich spielte die Zeit keine Rolle mehr.
Er nahm am Schreibtisch Platz. »Zeugen?«
»Diesmal gleich drei, Herr.«
»So viele?«
»Alles Zwerge. Starkimarm war nicht einmal im Dienst, Herr. Er hatte seine Schicht beendet, holte sich eine Rattenpastete aus einem Laden, trat auf die Straße und stieß gegen Carcer. Der Mistkerl stach ihm in den Hals und lief davon. Dachte vermutlich, wir hätten ihn gefunden.«
»Wir suchen den Mann seit Wochen! Und er lief dem armen Starkimarm über den Weg, als der Zwerg nur an sein Frühstück dachte? Ist ihm Angua auf der Spur?«
»Sie konnte ihm nur bis zu einer gewissen Stelle folgen, Herr«, sagte Karotte verlegen.
»Warum nur bis zu einer gewissen Stelle?«
»Er - nun, wir nehmen an, dass es Carcer war - ließ auf dem Hiergibt'salles-Platz eine Anisbombe fallen. Fast reines Öl.«
Mumm seufzte. Es war erstaunlich, wie sich die Leute anpassten. In der Wache gab es einen Werwolf. Das sprach sich herum, im Verborgenen. Und so entwickelten sich die Verbrecher weiter, um in einer Gesellschaft zu überleben, in der das Gesetz eine empfindliche Nase hatte. Geruchsbomben waren eine undramatische Lösung des Problems. Man ließ einfach ein Fläschchen mit reinem Pfefferminz- oder Anisöl dort auf die Straße fallen, wo viele Personen darüber hinweggingen, und plötzlich bekam es Feldwebel Angua mit hundert oder sogar tausend hin und her führenden Spuren zu tun, und abends lag sie dann mit Kopfschmerzen im Bett.
Mumm hörte verdrossen zu, als Karotte von Männern berichtete, die aus dem Urlaub zurückgerufen oder für zusätzlichen Dienst eingeteilt worden waren. Er erfuhr von befragten Informanten, gestohlenen Tauben, von offen gehaltenen Ohren, aufgewirbeltem Staub und Gras, dem man beim Wachsen zugehört hatte. Und er wusste, wie wenig das alles brachte. Die Wache bestand noch immer aus weniger als hundert Mann, die Kantinenfrau mitgezählt. Ankh-Morpork hatte eine Million Bewohner und eine Milliarde Verstecke. Die Stadt war praktisch auf Unterschlupfen errichtet worden. Und Carcer kam einem Albtraum gleich.
Mumm kannte diese Art von Wahnsinn, bei dem sich jemand ganz normal verhielt, bis er plötzlich ausrastete und jemand anderen mit einem Schürhaken erschlug, nur weil sich dieser zu laut die Nase geputzt hatte. Aber bei Carcer lag der Fall anders. In seinem Kopf steckte ein doppeltes Selbst, doch zwischen den beiden Persönlichkeiten gab es keinen Konflikt, sondern einen Wettstreit. Bei Carcer saß auf beiden Schultern ein Dämon, und sie feuerten sich gegenseitig an.
Und doch … Er lächelte die ganze Zeit über, auf eine muntere Weise, und er verhielt sich wie ein Gauner, der seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Golduhren verdiente, die nach einer Woche grün anliefen. Und er schien immer völlig davon überzeugt zu sein, dass er nichts Unrechtes getan hatte. Er stand dort neben den Leichen, mit Blut an den Händen und gestohlenem Schmuck in den Taschen, und mit einem Gesichtsausdruck verletzter Unschuld fragte er: »Ich? Was soll ich getan haben?«
Und er wirkte völlig glaubwürdig, bis man tief in die frechen, lächelnden Augen sah und ganz unten dem Blick der Dämonen begegnete …
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de