"Das erhabenste Vergnügen an der Literatur
ist,das Nicht-Existente existent zu machen."
(Oscar Wilde)
Ein Buch über die Liebe zu schreiben, ist Ansinnen vieler Literaten. Doch einer, nämlich Jean Cocteau, verzichtet, weil er gerade Oscar Wildes "Nachtigall und die Rose" für unübertrefflich hielt. Und er hat Recht.
Oscar Wilde (1854-1900) ist brillant. Sein Ansinnen, die Liebe in jenem Studenten zu entfalten wird von der Vergeblichkeit der Liebe und der Begrenztheit des Denkens überschattet. Und doch entdeckt die Natur und in ihr vor allem die Nachtigall, welch tiefe Sehnsucht in einem Menschen sein kann, der sonst nur an den Lippen oder Buchstaben weiser Männer hängt. "Da ist endlich einmal ein treuer Liebhaber", von dem sie sonst in Geschichten nur den Sternen berichten konnte. Und nun ist er vor ihr, sie singt ihm und will voll Verzweiflung helfen, dass er nur mit der Kraft einer roten Rose die Liebe seines Lebens einfängt. Und für die Nachtigall beginnt ein Suchen bis in den Tod, das schönste Rot, die tiefste Liebe, die längste Dauer, die Liebe in Ewigkeit will sie und die Rose wird zur absoluten Metapher ewiger Liebe.
Dem verzweifelten Studenten ohne jede Hoffnung wächst unter seinem Fenster aus dem Herzens-Blut der Nachtigall eine Rose voll schönstem Rot und jener voller wahrer Sehnsucht tritt auf bei einem Ball mit Freude, seine Liebe seiner Liebsten im Tanze zu bezeugen. Vergeblich. "Verlorn! ' das Wort schon ruft wie Glockenklang / Zurück von dir mein einsam Ich mir jäh! / Adieu! ' die Phantasie täuscht nicht so lang / Wie man ihr nachrühmt, trügerische Fee." (John Keats, Ode an die Nachtigall)
Oscar Wilde wirft Fragen auf: Was ist das Innere eines Menschen? Wie wird es beeinflusst durch bevorzugte Äußerlichkeiten? Was trifft mein Selbst, was bildet es und wie bildet es sich, sind die suchenden Fragen nach dem Wesen des Menschen und im Vergleich hört man die klare Nachtigall, die in schönster Pracht ihr eigenes Wesen zeigt bis in den Tod, weil die Liebe besser ist als das Leben. Eine Liebe, die der Tod verklärt, die auch im Grab nicht stirbt, wird erhofft und doch in der Kraft der Symbolik nur überrollt.
Wie der
egoistische Riese in einem anderen Märchen sich seiner Persönlichkeit stellen muss, so auch hier der Student und seine vermeintlich Liebste. Wilde geht es um die Frage des Individuums in der Gesellschaft und wie er es meint, lesen wir in den Essays vom Kritiker als Künstler und
Der Sozialismus und die Seele des Menschen.
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