Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Gute Idee verschenkt, Langweile und Desinteresse regiert!, 2. Februar 2008
Die Geschichte verspricht eine Mischung aus Donna Tartt "Die geheime Geschichte" und Jerome D. Salinger "Der Fänger im Roggen" zu sein. Eine Coming of Age Story mit kriminellen Anleihen. Die Erwartungen sind vielgestalt, die Messlatte hoch und die Geschichte lässt sich auch relativ gut lesen. Aber die Hauptpersonen sind alle mehr oder weniger unsympathisch, die methaperngeschwängerte Beschreibung der dekadenten Ausschweifungen, Gedanken und Gefühle ermüdet. Weniger ist manchmal mehr und dies erkennt weder der Autor noch lässt er dies seine Protagonisten erkennen. Die charakterliche Armut lässt keine Identifizierung zu, das Lesen wird zum Ärgernis. Charaktere müssen nicht zwangsläufig sympathisch sein, z.B. ist die Hauptperson von Bret Easton Ellis "American Psycho" sicher kein Menschenfreund, so verkommt diese Geschichte ohne Helden oder Anti-Helden leider zu einer belanglosen Stilübung.
Fazit:
Schade! Gute Idee verschenkt, Langweile und Desinteresse regiert!
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Orientierung an Ängsten, 21. August 2007
"Sein oder Nichtsein, ach darauf kommt es an."
Wie vier junge College-Studenten Irrtümer zur Grundlage ihres Lebens machen, versucht Ivo Stourton in seinem etwas zu verspielten Erstlingswerk "Die Nachtgänger" zu veranschaulichen.
Stourton erzählt die Geschichte als gedankliche Rückblende des mittlerweile im dreißigsten Lebensjahr stehenden James Walker, dessen gewöhnliches, aber finanziell abgesichertes Leben als Juniorpartner einer angesehenen Kanzlei, mit einer Neigung zu Edelprostituierten und einer veritablen pornografischen DVD-Sammlung, durch das plötzliche Auftauchen von Jessica, die der Protagonist seit Jahren nicht mehr gesehen hat, ins Wanken kommt.
Seine Erzählung ist ein "Meisterwerk" der Metapher, ja der Autor scheint geradezu süchtig nach Vergleichen zu sein. Doch die Überstrapazierung mit selbigen ist nicht immer von Vorteil und der Leser gewinnt zunehmend den Eindruck des eher krampfhaften Bemühens.
So finden sich zwar immer wieder gute Einfälle, doch wenn er praktisch ausblendbare Situationen wie eine Fahrt im Aufzug ("So sanft wie auf der Handfläche eines Riesen setzte uns der Aufzug in der obersten Etage ab.") oder das Schließen einer Tür ("Ich zog die Tür hinter uns zu und hörte das beruhigende Klicken, als sie ins Schloss fiel und meine Berufswelt im Inneren des Hauses einsperrte wie den Leichnam eines Tyrannen in einem riesigen Grabmal aus Stein.") derart mystifiziert, wirkt es eher ärgerlich oder gar lächerlich.
Stourton betreibt zwar exorbitanten Aufwand in der Beschreibung von Gegenständlichkeiten, äußerlicher Charakteristika und Nebenschauplätzen, aber dies ist der eigentlichen Handlung und vor allem der Profilierung der Protagonisten nicht dienlich. Er hätte gut daran getan, dem Ich-Erzähler James Walker ein sich entwickelndes literarisches Profil zuzuweisen. Dies alles auf wenige Seiten am Schluss zu konzentrieren, wirkt bemüht und vermittelt ein an den Haaren herbeigezogenes Ende.
Mit Karin Dufner haben "Die Nachtgänger" jedoch eine erfrischend bewegliche Übersetzerin bekommen.
Fazit:
Mit einem durchaus brisanten und hochaktuellen Thema - die persönliche Identifikation in der Adoleszenz, Verlorenheit, falsche Freunde und Ideale - versucht Ivo Stourton in seinem Erstlingswerk ein Achtungszeichen zu setzen.
Eine schlüssige Umsetzung ist ihm jedoch nicht gelungen. Die sichtbaren Anteile des Lebenslaufes der jungen Menschen werden zu ausschweifend gezeichnet, die inneren Beweggründe jedoch nur konturiert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Die Geschichte steht mit diesen Handlungselementen auf etwas wackeligen Füßen, 27. März 2008
Ivo Stourton beschreibt in seinem Debüt Die Nachtgänger" das Leben an der Elite-Universität Cambridge; der junge Autor ist selbst Cambridge-Absolvent und hat damit Erfahrungen aus erster Hand. Alles liest sich zunächst als locker-leichter Adoleszenz-Roman: Ein normaler Jugendlicher genießt die neue Erfahrung, reiche und charismatische Freunde zu haben und Abenteuer zu erleben, die gegen die gesellschaftlichen Konventionen verstoßen.
Dabei ist James als leicht gehemmter Ich-Erzähler zwar grundsätzlich sympathisch, aber seine hündische Bewunderung für Francis nervt nach einigen Seiten doch ziemlich. Denn dieser Francis ist einfach etwas zu viel des Guten - er ist gutaussehend, großzügig, mutig, witzig, spontan, begabt, intelligent ... auch wenn dieses Bild später im Buch noch kippt. Das Wunderkind wird vom Autor durch seine Rolle als Anführer-Figur andauernd in den Mittelgrund gerückt, wobei stets erkennbar ist, wie sehr James den Freund bewundert und beneidet, wenn auch bisweilen leichter Tadel über seine Verschwendungssucht und seinen Leichtsinn angedeutet wird.
Natürlich geht es dieser Story nicht nur um die nächtlichen Kletterausflüge, Collegeparties und sonstige Ereignisse, die sich an solchen britischen Elite-Unis zutragen, sondern bald um mehr: den Diebstahl und die Fälschung eines echten Picassos. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Beteiligten, und hier ziehen Spannung und Dramatik des Romans auch endlich deutlich an. Die Nachtgänger müssen erkennen: Die Unbeschwertheit der Jugend - sie endet zwangsläufig irgendwann.
Die Geschichte steht mit diesen Handlungselementen auf etwas wackeligen Füßen: illegale Kletterausflüge bei Nacht? Geheime Studenten-Grüppchen? Kennt man schon, auch wenn diese Beschreibungen auf wahren Begebenheiten beruhen. Der kriminelle Akt des Bilderfälschens und seine Folgen können einen als Leser dann auch nicht so wirklich vom Hocker reißen. Der Schreibstil von Die Nachtgänger" ist aber durchgängig angenehm, gut zu lesen und mitreißend, bisweilen allerdings ein wenig übertrieben, denn Stourton bedient sich äußerst gern verschiedenster Metaphern, von denen einige sehr gelungen sind, andere fehl am Platze wirken.
Fazit: Ist man ein wenig so wie der Protagonist James, kann man mit offenem Mund staunen über die unterhaltsame Welt, die sich vor einem auftut und zu der man vielleicht auch gerne Zugang hätte. Der Schreibstil ist vergnüglich und flott, das Buch liest sich rasch. Wer sich aber nicht für verspätetes Coming-of-Age, College-Anekdoten und den dazugehörigen Mikrokosmos des Campus interessiert, der könnte sich bei der Lektüre durchaus langweilen. Bei Licht betrachtet ist das Grüppchen der hier beschriebenen Nachtgänger doch ziemlich oberflächlich und dekadent - und taugt damit nicht ganz als Handlungsträger.
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