mit dem "neuen " roman von sandor márai wurde der welt ein stück entscheidende literatur geschenkt. ein erneuter genuss diesen márai zu lesen, man kann das buch kaum aus der hand legen, weil márai einen spannungsbogen von anfang bis ende aufbaut.
lange bleibt unklar, warum der titel dieses werkes "die nacht vor der scheidung" heißt. zunächst wird nur die geschichte des richters christoph kömüves erzählt, der sich durch eine bei ihm auf dem tisch liegende scheidungsakte an einen alten schulfreund erinnert. bewusst wird dem richter dabei auch, dass er auch der ehefrau des schulfreundes in jungen jahren begegnet ist.
nach einem fest kommt christoph komvüses des abends nach hause, auf ihn wartet der schulfreund, der ihm eine eindringliche geschichte schildert. die geschichte seiner gescheiterten ehe, untrennbar an christoph geknüpft über all die jahre. fernab von jeder begegnung wurde ein band gewoben.
kraftvoll schildert sandor márai beide männer, beleuchtet ihre leben, lässt uns an ihren gedanken teilhaben, ohne zu werten. er lässt uns einen blick auf sie werfen und schafft damit gleichzeitig einblicke in das eigene leben.
wundervoll die sprache des márai, sanft, aber bestimmend führt er zum schluss, lässt uns tief aufatmen, als die geschichte sich auflöst.
ein wenig nachdenklich wird man über die pfade, die das leben geht, ohne, dass man darauf bewusst einen einfluss genommen hat. jedoch bleibt eines zurück, wie bei christoph kömüves, der blick in einen neuen tag, nach vorn gerichtet, weiter gehend.
ein buch für jeden, den márais subtile menschenschilderung und kenntnis fasziniert, seine art monologe aufzubauen, so dass man den eindruck gewinnt, er führt mit dem leser stets einen inneren dialog.