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Die Nacht ist aus Tinte gemacht: Herta Müller erzählt ihre Kindheit im Banat, 2 Audio-CDs
 
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Die Nacht ist aus Tinte gemacht: Herta Müller erzählt ihre Kindheit im Banat, 2 Audio-CDs [Audiobook] [Audio CD]

Herta Müller , Thomas Böhm , Klaus Sander
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: supposé; Auflage: 1 (31. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3932513886
  • ISBN-13: 978-3932513886
  • Größe und/oder Gewicht: 14 x 12,8 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Herta Müller
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"supposé setzt ausschließlich auf das mündliche Erzählen. Denn persönliche Mitteilungen - ob von Wissenschaftlern oder Dichtern - gehen uns auf andere Weise nahe als das geschriebene Wort. Thomas Böhm und Klaus Sander ist es gelungen, die eher scheue Schriftstellerin Herta Müller zum Sprechen zu bringen. Ein Geschenk." (Silke Behl, Radio Bremen, Literaturzeit, 6. September 2009) "Wenn jemand so hervorragend erzählen kann wie die deutsche Schriftstellerin Herta Müller, bekommt das Medium Hörbuch eine neue Dimension. Müller erzählt großartig: präzise, fast lapidar, sehr dicht - und doch lässt sie ihre Zuhörerschaft wie durch den Zauberkristall der Kindheit in eine mittlerweile untergegangene Welt schauen." (Ute Woltron, Der Standard, 12. September 2009) "Herta Müller gibt auf Die Nacht ist aus Tinte gemacht eindrucksvoll Auskunft über ihre rumäniendeutsche Herkunft und die bildmächtige Sprache der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen." (Knut Cordsen, BR2 Diwan, 12. September 2009) "Vor zwei Jahren erschien das Hörbuch Ein Sommer, der bleibt, in dem Peter Kurzeck von seiner Kindheit in einem hessischen Dorf erzählt. In freier Erzählung, ohne Manuskript. Es wurde von der Kritik gefeiert und 2008 Hörbuch des Jahres. Das selbe Prinzip liegt nun der CD Die Nacht ist aus Tinte gemacht zu Grunde. Thomas Böhm und Klaus Sander haben die Schriftstellerin Herta Müller über ihre Kindheit im rumänischen Banat befragt. Entstanden ist ein Tondokument von unvergesslicher Intensität. Ein Höhepunkt dieses literarischen Herbstes." (Blütenleser, Newsletter Nr. 22, 14.-20. September 2009) "Viele Kindheiten auf dem Lande mögen sich - abzüglich der rumänischen Eigenheiten - vor 60 Jahren ähnlich angefühlt haben wie die von Herta Müller in Nitzkydorf. Doch so darüber reden und sich derart in Details vertiefen, das vermögen nur wenige. Dem mutigen Berliner Label supposé sei Dank für dieses eindrückliche biografische Zeugnis einer großen Autorin und großen mündlichen Erzählerin." (Florian Felix Weyh, Deutschlandfunk Büchermarkt, 24. September 2009) "Herta Müller erzählt von harter Arbeit und seltsamen Bräuchen, von der Weltfremdheit des Dorfs, von den sprachlichen Fallstricken zwischen Dialekt, Hochdeutsch und Rumänisch, und von Kindergedanken, Kinderängsten, aber auch kindlichem Selbstbewusstsein. Die manuskriptlose Erzählweise, dieses behutsame Vorantasten entwickelt eine ganz besondere Spannung." (Uwe Kossack, SWR2 Forum Buch, 27. September 2009) "Sprich, Erinnerung: Herta Müller erzählt detailreich, mitteilsam und ohne poetische Übermalung von ihrer Kindheit und Jugend in einem der deutschen Siedlungsgebiete Rumäniens und beschwört dabei eine untergegangene Welt, in der die Mahlströme der Geschichte im individuellen Erleben aufscheinen. So wird der Zuhörer einbezogen in eine ungewöhnliche Lebensgeschichte. Ein wahres Hörbuch!" (hr2-Hörbuchbestenliste, Oktober 2009) "So etwas eigenartig Schönes, das zugleich so traurig und fremd ist, hört man selten. In einer manchmal schneidend harten, dann wieder glockenklaren und immer wieder tastenden Sprache erinnert sich Herta Müller an eine durch den Zweiten Weltkrieg und das kommunistische Regime zerbrochene Erwachsenenwelt, die schwer und bedrückend über ihr lastet, sie erinnert sich aber auch an die Selbstversunkenheit, mit der sie als Mädchen allein durch die Natur streift, und das Heimweh nach einem Dorf, aus dem sie immer fort wollte." (Wiebke Poromka, Das Magazin, Oktober 2009) "Eine wunderbare Box, in der Herta Müller ihre ganze Lebensgeschichte erzählt. Ein wunderbarer Einstieg in ihr Werk." (Hubert Winkels, Deutschlandfunk, 8. Oktober 2009) "Herta Müller zieht den Hörer in ihren Bann." (BILD, 9. Oktober 2009) "Ein eindrucksvoller, atmosphärisch dichter Bericht." (Süddeutsche Zeitung, 9. Oktober 2009) "Das bis heute wiederkehrende Thema ihrer ersten Bücher war ihre Kindheit im Banat, das repressive, paternalistisch-ritualisierte Leben im Dorf, die harte Arbeit der Eltern in der Kolchose. In dem gerade erschienenen Hörbuch Die Nacht ist aus Tinte gemacht erzählt Herta Müller im Gespräch von dieser Einübung der Angst, aber auch von der Entdeckung, dass sich die Angst durch Worte bannen lässt." (Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Oktober 2009) "Womit soll ich als Müller-Neuling einsteigen? Mit einer CD! Denn im Hörbuch Die Nacht ist aus Tinte gemacht erzählt Herta Müller auf fesselnde Art und Weise von ihrer Kindheit im rumänischen Banat, der Ceausescu-Diktatur und ihrer Ausreise nach Westdeutschland." (Nadine Rinke, Hamburger Morgenpost, 9. Oktober 2009) "Eine großartige Doppel-CD" (BR2 kulturWelt, 9. Oktober 2009) "Zum zweiten Mal gelingt so fulminant das Experiment des supposé Verlags, einen Autor erzählend zurück in seine Kindheit zu schicken: Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit war in seiner aus der freien Rede geborenen Poesie das eindrücklichste, was das Genre Hörbuch in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Herta Müllers aus dem Gespräch heraus entwickelte Erinnerung 'Die Nacht ist aus Tinte gemacht' unterscheidet sich stark von Kurzecks Wiederbelebung der verschwundenen, aber überhaupt nicht verlorenen Zeit: Bei ihm die geradezu exzessive Weltwahrnehmung, der Wunsch, nichts an das Vergessen verloren zu geben, der verzauberte Blick, der noch den kleinsten Dingen gilt. Bei Müller hingegen das verstörte, verängstigte, allerdings nicht minder genaue Schauen auf die Umwelt des Kindes. Hier Helligkeit, dort Dunkel. Faszinierend sind beide Rückblenden. Es ist zu wünschen, dass supposé-Verleger Klaus Sander noch weitere Autoren auf diese Weise zum Erzählen bringt - eine uralte und im Post-Gutenberg-Zeitalter ganz neue Gattung hat er der Literatur schon geschenkt." (Ulrich Rüdenauer, Badische Zeitung, 9. Oktober 2009) "Immer, wenn man meint, Klaus Sander könnte sein ambitioniertes Verlagsprogramm nicht weiter toppen, wird man in schöner Regelmäßigkeit eines Besseren belehrt. 2008 glückte ihm das 'Hörbuch des Jahres' (Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit), im Sommer 2009 erschien, auf ähnliche Weise entstanden, konzipiert von Thomas Böhm und Klaus Sander, Die Nacht ist aus Tinte gemacht. Herta Müller erzählt das Dorf ihrer Kindheit im Banat. Gestern wurde nun bekannt, dass Herta Müller mit dem Literaturnobelpreis 2009 ausgezeichnet wird. Meine Empfehlung: SOFORT KAUFEN!" (Matthias Kratzenstein, sprecherforscher.de, 9. Oktober 2009) "Herta Müller beschreibt das Dorf, aus dem sie kommt, beschreibt einer Ethnologin gleich Gegenstände, Kleidungsstücke etc., die im dörflich-bäuerlichen Alltag zum Einsatz kamen, die aber heute, noch nicht einmal nach 50 Jahren, aus dem westdeutschen, großstädtischen Alltag für sie gänzlich verschwunden sind. Sie spürt und horcht diesen Phänomenen nach, beschreibt sie in ihrer wunderbar poetischen, ganz neu und unverbraucht klingenden Sprache, gibt ihnen damit auch ihre Würde zurück. Doch Herta Müller wird weder rührselig, noch pathetisch, sie verfällt keineswegs in Nostalgie und überdeckt die Härte ihrer Kindheit nicht mit gnädigem Vergessen und/oder Beschönigen. Sie breitet die Innenwelt eines Kindes vor dem Hörer aus, lässt ihn an seinen Ängsten, Träumen, seinen Vorstellungen und Ideen teilhaben, konfrontiert diese Seite der Kindheit und Jugend aber auch mit der harten Seite der sie umgebenden aüßeren Welt, die aus Arbeit, Prügeln, Ungerechtigkeiten und viel Unverständlichem bestand. Die Nacht ist aus Tinte gemacht ist ganz sicher geeignet, der Autorin Herta Müller, deren Bücher nicht immer einfach zu lesen sind, auf biographische, aber auch auf sprachliche Weise näher zu kommen. Ihre bildhafte Sprache, das Verblüffende an ihren Formulierungen, ihre Lust, Sprache zu formen und zu verformen, wird hier ganz unmittelbar erfahrbar, zumal die Autorin mit ihrer Sprach- und Dialektfärbung den Hörer noch näher an sich, an ihre Kunst heranlässt. Klaus Sander und seinem Verlag wäre es zu gönnen, das im Gefolge des Rummels um Atemschaukel auch seine Produktion mit Herta Müller die gebührende Aufmerksamkeit erhält. Es lohnt sich, zumal die CDs selbst, die Hülle und die Beilage sehr schön und liebevoll gestaltet sind!" (Martin Gaiser, Radio freeFM, 9. Oktober 2009) "Das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein, hat Herta Müller geprägt. Poetisch und in wunderbar eindringlichen Bildern erzählt die Literaturnobelpreisträgerin 2009 den Ort ihrer Kindheit im Banat in Rumänien." (Renate Naber, WDR5 Ohrclip, 10. Oktober 2009) "Unglaublich intensiv: Die CDs sind ein Gedicht!" (Beate Krämer, Bild am Sonntag, 11. Oktober 2009) "Herta Müller erzählt, d.h. dem, was wir hier hören, liegt kein vorgefertigter Text zugrunde. Es ist oral history, aber auch oral poetry, wenn Bezeichnungen plötzlich zu Metaphern werden, die immer neue Assoziationen hervorrufen. Dieser Kultur des Mündlichen hat sich der kleine supposé­Verlag in Berlin verschrieben und es ist eine der Freuden des Nobelpreises für Herta Müller, dass supposé nun auf breitere Aufmerksamkeit treffen wird. Denn im Erzählen öffnet ja der Erzählende eine Tür, die im Schriftlichen verschlossen bleibt: die Sprechstimme in ihrer ungekünstelten Modulation erzeugt ein Mehr als die Wörter allein und berührt anders als das vorgelesene Wort. Daher lohnt es, dieses Hörbuch mit dem im letzten Jahr erschienenen Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit zu vergleichen. Auch dort erzählt ein Autor eine dörfliche Kindheit, die eines Flüchtlingskindes in der Nachkriegszeit. Auf bezaubernde Weise wird er noch einmal zu jenem Kind, für das die enge Welt ein Abenteuer ist. Ohne dass er verklärt, leuchtet durch seine Geschichten wirklich der Sommer, auch im Winter. Für Herta Müller hingegen war auch der Sommer unerträglich und die Erzählende möchte gewiss niemals mehr das Kind sein, das sie einmal war. Neben der Poesie mancher Formulierungen ist immer die Distanz spürbar, und besonders auf der zweiten CD dominiert die Analyse. Im Vergleich mit Kurz...

Kurzbeschreibung

CD-Set mit 2 Audio-CDs, 116 Minuten und Posterbooklet, 12 Seiten. Konzeption und Regie: Thomas Böhm, Klaus Sander. Erzählerin: Herta Müller. Aufnahmen: Klaus Sander. Schnitt: Michael Schlappa. Platz 1 der hr2-Hörbuchbestenliste November 2009.

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31 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Detlef Rüsch #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Audio CD
"Die Nacht ist aus Tinte gemacht" - ein doppeldeutiger Titel, der in gelungener Weise das Erleben Herta Müllers deutlich macht; zum einen die dunkle Seite der Geschichte und das Erleben der Banater Schwaben als Minderheit in Rumänien und die schrecklichen Erfahrungen der Familie in Gefangenschaft und Deportation (schwarz wie Tinte); zum anderen die Bedeutung, dass aus diesem dunklen Kapitel heraus Herta Müller ihr schriftstellerisches Werk aufbaut, es sie antreibt dieses Kapitel immer wieder anders aufzuschreiben - und zu erzählen, wie auf dieser Doppel-Audio-CD.
Ohne Umschweife, lange Einleitungen oder musikalische Unterbrechungen kommt hier die 1953 im Banat geborene Schriftstellerin Herta Müller zu Wort.
Sie erzählt ihre Kindheit mit allen Facetten. Ob die schwere Landarbeit, das religiöse und familiäre Leben oder die politischen, sprachlichen und historischen Strukturen: Herta Müllers Erzählen fängt einen sofort ein und lässt einen nicht mehr los. Ihre klare, alltagsnahe und doch nicht banale Sprache geht gleich einem Spiralweg mal weit in die spezifischen Erlebnisse von Banat und Rumänien hinein, mal tiefer in den persönlichen Familienalltag. Sie führt einen gleich einer besonderen Heimatkennerin durch das Heimatdorf Nitzkydorf, macht einen Rundgang durch die Häuserzeilen und lässt Menschen und Tiere lebendig werden. Hierbei stellt sie aber nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern den Raum um sie herum, welcher oftmals so eingeschränkt worden ist aufgrund der politisch-gesellschaftlichen Situation.
Die einzelnen Wörter und Begriffe wirken manchmal seltsam, da der Wortschatz in dem Banater Kosmos gelernt wurde und erst später sich mit anderen Sprachinseln verband.
Herta Müller erklärt aber direkt die Begriffe und wirkt nicht nur aufgrund ihres speziellen Dialekts sehr authentisch.
Wer Rumäniendeutsche - oder überhaupt aus ihrer Heimat Vertriebene bzw. Geflohene - verstehen bzw. ihr Schicksal erahnen möchte, der bekommt mit dieser Doppel-Audio-CD einen unglaublich tiefgreifenden Einblick in die Seelenwelt. Dieser unglaubliche Teil der deutschen Geschichte wird hier äußerst emotional lebendig und kann Völker- bzw.- Mitmenschverständigungssignale aussenden helfen.
Die wenigen Farbfotographien auf Umschlag bzw. CD und die beigefügte Karte von Banat helfen dabei, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt von Herta Müller und die Banater Schwaben besser einzufühlen.
Die hervorragende Schnittfolge der einzelnen Erzählausschnitte von Herta Müller sind sehr kurz gehalten, so dass man leicht wiederholt einzelne Passagen anhören kann.
Im Gesamten eine unglaublich authentische Möglichkeit, Herta Müllers und vieler anderer Kindheit kennenzulernen und auf andere Weise Geschichte zu erfahren.
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24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Riyad Salhi TOP 1000 REZENSENT
Format:Audio CD
In keiner der 115 Minuten wird angedeutet, dass Herta Müller zur Schriftstellerin wurde. Man sieht sie auch nirgendwo abgebildet wie in den typischen Portraits in Kulturmagazinen am Schreibtisch, im Park oder an ungewöhnlichen Orten, mit vieldeutigem Blick. Fast könnte man meinen, dass statt Herta eine Variante von Lieschen Müller ihre Geschichte aus der deutschen Exklave erzählt. Die sprachlich-poetische Überplüschung von Gegenständen und Gefühlzuständen in Romanen wie "Atemschaukel", die entweder hochgelobt oder - wie von Iris Radisch - wegen ihrer Künstlichkeit gescholten wurde, ist absent und weicht einem freien, natürlichen Erzählfluss, der lange vor Stockholm geplant und aufgezeichnet wurde. Es ist die erste Publikation von suppose, die innerhalb weniger Wochen für eine zweite Auflage neu gepresst werden musste. Von den zwanzig mir bekannten Veröffentlichungen - von Bienen und Vögeln bis zur Nase hin zur Zwölftonmusik - ist dies die berührendste, die nachhaltig wirkendste - noch vor Kurzecks umfänglicher Versenkung in seine hessische Kindheit, die den Ruhm dieses Labels wenige Jahre zuvor weiter festigte. Die "Lowseller" (Rainer Sander) werden sich ohne jeden Zweifel zu Longsellern entwickeln, und man wird nach Jahrzehnten noch von diesen CDs sprechen, wenn längst keiner mehr CDs kaufen kann (nur unverbesserliche Retro-Fanatiker), sondern alles downgeloaded werden muss. Man braucht nichts von Herta Müller zu kennen oder zu wissen, um ihren Erinnerungen zu erliegen. Hinein gezogen wird man in eine magisch empfundene Kindheit, die gut war, die furchtbar war, die aus sehr viel Arbeit bestand, aus Hieben, aus verordnetem Akkordeonunterricht (das Akkordeon wurde von ihr dann im Brunnen versenkt), aus alten Quittungsblöcken, mit denen man sich den Hintern abwischen musste, aus Dingen wie dem "Himmelsschlüssel", der bedrohlich und bedeutungsschwer auf eine kindliche Existenz blickt, auf eigentümliche Gestalten wie den "Trommelmann". Herta war ein Kind mit "zu viel Fantasie", die all jene Dinge, die sie nicht verstand, mythisch überhöhte, für alles eine für Erwachsene unvorstellbare Erklärung fand, die von dem Gedanken besessen war, dass die Nacht und auch die dunklen Trauben aus (gefährlicher) Tinte bestehen, die immer sehr viel Angst hatte, auch vor dem Tod, und sich ihren eigentümlichen Reim auf alles machte. Verhöre, Drangsalierungen und Securitate kommen erst in der letzten halben Stunde vor, ihre großen Themen, und trotzdem spielen sie in diesen knapp zwei Stunden eher eine untergeordnete Rolle.

Herta war schon immer sehr mager und bekam Vitaminspritzen verordnet. Sie setzte die Organe eines nackten Mannes im Doktorbuch zusammen. Sie sammelt Vergehen für die Beichte. Sie hat erst sehr spät erkannt, dass Tiere leiden, wenn man sie schlachtet, und kann ihre Unwissenheit im Nachhinein kaum fassen. Wenn sie eine Eiskunsttänzerin, die sie in einem Film gesehen hat, mit ihrer Freundin nachspielt, dann ist diese an sich nicht allzu ungewöhnliche Begebenheit so plastisch und zärtlich erzählt, dass ich unwillkürlich mitten auf der Straße stehen bleiben musste und ein Auto mich anhupte. Sie konnte, als sie schließlich in der Stadt auf die Schule ging, nicht auf Asphalt gehen. Ihre wunden Füße. Ihre Antilopschuhe. Die Ausgrenzung, die Dorfsprache mit ihren Sonderwörtern, die Gewöhnung an die Angst in Studentenjahren - es hätte jemand die Speisen in ihrem Kühlschrank vergiften können in ihrer Abwesenheit. Doch für den Suizid ist sie nicht geschaffen. Wie sie sich an all diese Dinge heran tastet, ist auch wieder Kunst. Und zwar eine, die ohne Schwurbelsätze auskommt (die natürlich auch ihren Reiz haben, aber hier deplatziert wären).

Ich habe ihr nun zum zweiten Male zugehört. Ich werde "Die Nacht ist aus Tinte gemacht" nicht verkaufen, nicht verleihen. Ich schaue mir die Karte des Banat an und bin erstaunt, in wie vielen Dörfern die Deutschen in der Mehrzahl waren. Diese Kindheit hat nicht viel Schönes, Entspanntes, Gelöstes. Trotzdem erscheint sie nicht wie etwas, das man loswerden möchte, das Herta Müller vergessen will. Gleichwohl ist für Nostalgie kein Raum. Es ist eine versunkene, alte Welt. Ich bin suppose (mal wieder) so dankbar, dass ich an diesen biographischen Splittern teilhaben kann. Nun kenne ich Herta Müller, ich glaube, auch die Erwachsene. Ohne auch nur einen Roman oder ein Essay von ihr gelesen zu haben. Aber das kommt noch.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Geschenk! 25. Oktober 2009
Format:Audio CD
Was mich neben den Geschichten und der unglaublich intensiven Stimme von Herta Müller noch begeistert, ist die Aufmachung der CD. Die beiliegende Karte vom Banat und der Plan von Herta Müllers Heimatdorf, in den sie handschriftliche Eintragungen gemacht hat, machen die CD zu einem kleinen Kunstwerk.

Und: So viele wunderbare Geschichten auf der CD. Und zu der CD eine von mir: Am letzten Samstag auf einer Geburtstagsparty. Drei Gäste schenken der Gastgeberin ein Buch von Herta Müller. Ich hatte die CD! Den Geheimtipp. Am Sonntag rief mich das Geburtstagskind an. Sie hatte es sich schon angehört und war genauso begeistert wie ich.
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Wundervolle Sprachbilder
In "Die Nacht ist aus Tinte gemacht" erzählt Herta Müller von ihrer Kindheit im rumänischen Banat. Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Thaila veröffentlicht
Ergreifend
Die zwei Audio-CDs kann ich interessierten Hörern durchaus empfehlen: Herta Müller erzählt aus ihrer Kindheit. Lesen Sie weiter...
Vor 15 Monaten von Theseus veröffentlicht
Von Betroffenheit berührt...
Herta Müller zuzuhören, ist ein Geschenk und es ist noch viel mehr. Menschen, Lesern, die mit dem Werk von Herta Müller keinen Zugang finden oder sich einfach damit... Lesen Sie weiter...
Vor 16 Monaten von A. Zanker veröffentlicht
Ein Kind des Banats
Die Nacht ist aus Tinte gemacht. Zwei Audio-CD's, beiliegend eine topographische Karte des Banats mit Ortsplan von Nitzkydorf
In diesem Kleinod der Plattenindustrie... Lesen Sie weiter...
Vor 18 Monaten von Klaus Engelhardt veröffentlicht
Eindrucksvoll
Sehr eindrucksvolle CD, die eine wunderbare Ergänzung zum schriftstellerischen Werk von Herta Müller darstellen. Lesen Sie weiter...
Vor 22 Monaten von Jutta Rolli veröffentlicht
Für alle Nostalgiker super
Teilweise sehr überzogene Beschreibung des Landlebens im Leben der Rumäniendeutschen. Aber für Nostalgiker wird sich der ein oder andere Schmunzler und... Lesen Sie weiter...
Vor 22 Monaten von A.G. veröffentlicht
Versunkene Welt
In schlichten Sätzen, so oft von dem Füllwort "also" durchsetzt, dass man kaum glaubt einer Literatur-Nobelpreisträgerin zuzuhören, schildert Herta Müller... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 26. März 2010 von Dr. M.
Unter vier Augen
Man hat das Empfinden, mit der Erzählerin allein in einem Raum zu sitzen und ihren Gedanken und Erinnerungen zuhören zu dürfen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 18. Dezember 2009 von A. Marczinski
Das Ende der K+K-Zeit
Die 1953 geborene Herta Müller erzählt hierin ihre Kindheit in ihrem rumänischen Geburtsort, einer Kleinstadt im Banat. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 14. Dezember 2009 von U. Licht
Kindheitserzählungen von Herta Müller - sehr bildhaft...
Kindheitserzählungen von Herta Müller erzählt, von ihrer frühesten Kindheitserinnerung angefangen bis zur Zeit der Ausreise. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. November 2009 von Jörg
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