Nach „Das Paradies der kleinen Sünder" liegt nun also der zweite Band mit Kurzkrimis mit Commissario Montalbano in der Hauptrolle als Taschenbuchausgabe vor.
Dass die Lektüre dieses Bandes ein anders ist als die der Montalbano-Romane, liegt auf der Hand. Die Spannung kann z.B. nicht über Kapitel hinweg so geschickt aufgebaut werden, wie das in den Romanen der Fall ist. Der Schwerpunkt muss also ein anderer sein. Neben den auch in den Romanen vorkommenden liebevoll, kritischen Einblicken in die Italienische / sizilianische Gesellschaft und den sehr gut aufgebauten Haupt- und Nebencharakteren sind es hier die originellen Ideen und die schriftstellerische Experimentierfreudigkeit, die hier einen wichtigen Aspekt des Lesevergnügens ausmachen. Die Themen sind vielfältiger und entsprechend läst sich dieses Buch auch nicht so einfach weglesen.
Die etwa 20, ursprünglich in verschiedenen italienischen Zeitungen erschienenen Kurzkrimis sind manchmal charmant, humorvoll, (selbst?)ironisch oder melancholisch. Mal überrascht die Handlung, mal der Schreibstil. Mal grinste ich nach beenden eines dieser Kurzkrimis breit, mal war ich betroffen und nie war ich von einer dieser Geschichten enttäuscht.
Im Gegensatz zu anderen Krimiautoren benötigt Camilleri nicht übertriebene Gewalt oder eine „noble Gesellschaft", um das Interesse zu steigern. Im Mittelpunkt stehen immer ganz „normale" Menschen. Das Essen spielt wie in allen Montabalo-Büchern eine wichtige Rolle, wobei der Stellenwert nicht ganz so hoch ist. Immerhin rettet der Commissario aber in einer der Geschichten wegen eines bevorstehenden guten Essens den Sohn der Köchin.
Die Kurzkrimis haben mir persönlich besser gefallen als die im „Paradies der kleinen Sünder". Die Vielfältigkeit, die der Autor hier unter Beweis stellt, ist wirklich beeindruckend. Aufgrund des hohen Lesevergnügens fällt mir eine Empfehlung dieses Buches sehr, sehr leicht.