Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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39 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Leuchtende Stories, 14. Februar 2008
Nachdem ich "Als wir träumten" begeistert gelesen hatte, hatte ich Bedenken, ob Clemens Meyer (Jahrgang 1977!) seinen doch sehr spezifischen Erstling toppen wird können. Er hat also keinen Roman nachgelegt, sondern einen Band mit der wahrscheinlich sogar schwierigeren Form der Erzählung, bzw. um genau zu sein, der "Story". Dieser feine Unterschied ist wichtig, da sich Clemens Meyer weniger an der im deutschsprachigen Raum typischen Erzählung, sondern an der eher amerikanischen "Short Story" orientiert. Dadurch entsteht in seinen Stories eine eigenartig rauhe Poesie der Sprache, die nichts mit den z.T. selbstverliebten (und nichtssagenden) Prosagebilden vieler anderer (z.T. sehr erfolgreicher) junger deutscher (bzw. deutschsprachiger) SchriftstellerInnen zu tun hat. Literatur, die trifft, berührt, nie sentimental ist, die den Leser sprachlos zurücklässt und vor allem zeigt, dass es wirklich große junge Literatur gibt. Irgendwo am Schutzumschlag steht eine Aussage von Clemens Meyer, er wolle Geschichten schreiben, die leuchten. Das tun sie, und wie !
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Er hat mir sein Licht gegeben, indem er mir die Dunkelheit gezeigt hat.", 8. April 2008
Dieser Satz könnte stellvertretend für alle anderen 15 Stories des großartigen Erzählbandes stehen. Dunkelheit gibt es fürwahr mehr als genug im Alltag von Meyers "Helden", aber immer wieder strahlt der kleine Funke Hoffnung, das Licht am Ende des Tunnels.
Der Autor schreibt von Menschen, die nicht mehr ins sogenannte gesellschaftliche Raster passen, die Drogen nehmen oder im Knast sitzen, die trinken, spielen, dealen und sich prügeln: die "Looser der Nation". Er siedelt seine Erzählungen in verwahrlosten Wohnungen, in Bierkneipen, im Boxring oder in stillen, nächtlichen Straßen an der trostlosen Peripherie einer Stadt an.
Trotz der Dunkelheit, in die seine Protagonisten abgerutscht sind und die sich durch alle Erzählungen zieht, setzt Meyer immer wieder Lichter. Lichter, die zeitweise nur flimmern und kaum zu erkennen sind. Lichter, die sich bewegen, heller werden und manchmal auch wieder verschwinden. Doch niemals zerstört Clemens Meyer den Traum von einem besseren Leben, niemals die Illusionen seiner Figuren, auch wenn es der oberflächlichen Gesellschaft vielleicht so scheint.
"Das wird schon, das wird schon wieder". Dieser Satz durchzieht als Leitmotiv alle 15 Stories. Vage Hoffnung durchströmt seine Nachtgestalten, die meist schon mit einem Bein am Abgrund stehen. Eine Lösung, ein Happy End, die gibt es jedoch nicht. Alles ist offen, könnte sich so oder so weiterentwickeln. Meyer erzeugt einen atemberaubenden Schwebezustand.
Daneben entfaltet der Autor eine unglaubliche Dynamik. Er treibt den Leser mit einer permanenten Sogwirkung durch den Text, durch sein Wechselspiel zwischen Hell und Dunkel, zwischen Licht und Schatten, erzeugt eine suggestive Wirkung, lässt die Gedanken und Empfindungen seiner Protagonisten wirbeln, springt in die Vergangenheit und noch im selben Satz wieder zurück in die Gegenwart oder gar die Zukunft. Grenzen verwischen. Alles ist in Bewegung. Es gibt keinen Moment des Stillstandes. Wahrnehmung, Erinnerung und Traum fließen nahtlos ineinander.
Das Nichtgesagt ist dabei Meyers Stärke. Eine ganz eigene Intensität unausgesprochener Worte zwischen den Zeilen zeichnet seine Erzählkunst aus. Gut und Böse gibt es nicht, alles verschwimmt. Zuweilen Entsetzen, aber kein Befremden, Hoffnungslosigkeit, aber auch Hoffnung: die Nacht, aber auch die Lichter.
Meyer wertet nicht, schreibt ohne Pathos und Larmoyanz über seine sympathischen Anti-Helden, denen er dadurch so etwas wie Würde verleiht. Er dokumentiert, dies jedoch passgenau und mit einem exzellenten Blick auf intime Kenntnisse für diese Verhältnisse. Er selbst sagte einmal in einem Interview: "Émile Zola ist durch abgewrackte Gegenden gewandert, um Stoff zum Schreiben zu finden. Ich wohne dort."
Clemens Meyer zeichnet in seinen Geschichten ein scharfes Bild unserer sozialen Verhältnisse und lässt in ihnen eine ganze Lebenswelt erkennen.
Seine großartige Erzählkunst zeichnet sich auch dadurch aus, wie er alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunterbricht. Kurze Sätze, die alles sagen. Mit Kleinigkeiten, zudem meist unausgesprochen, verrät er mehr, als es seitenfüllende Abhandlungen tun würden. Er verdichtet auf ein Maximalmaß und erzeugt dadurch immensen inneren Druck mit enormer Kraft. Seine präzise Unschärfe, seine wenigen Andeutungen, eröffnen komplexe Zusammenhänge.
Fazit:
Großartige 15 Stories eines verdienten Gewinners des "Buchpreises der Leipziger Buchmesse 2008".
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
hätt ich nicht gedacht!, 1. März 2008
... was sollte da kommen, nach diesem besonderen Roman "Als wir träumten"( ein Buch wie eine Faust, ja!)? OK, Erzählungen, oder "Stories", wie es Meyer nennt, kennt man ja, erst mal eine Zwischenstation. Weit gefehlt! Keine Zwischenstation, sondern ein Meilensein!
Was für Stories, was für Bilder, was für Menschen, die er da schildert!
Menschen auf der Jagd nach Glück, am Abgrund, auf dem Wegs ins Nichts, aber immer mit Würde. Meyer bleibt nicht stehen beim Personal seines Romans. Ja, es gibt sie wieder, die Knasties, die Arbeitslosen, die (oder besser gesagt einen) Drogenabhängigen, Misfits,wie die Amerikaner sagen, auf die sich der Autor ja so gerne beruft. Aber auch ein dicker Lehrer, der an der Vewirrung seiner Gefühle zugrunde geht, ein Weinvertreter, gefangen in einem Alptraum aus Schuld, ein sterbender Maler, ein alter Mann auf dem Dorf, eine junge eingewanderte Boxerin auf dem Weg zur Weltmeisterschaft...
Die 15 Stories sind eine Reise durch unsere Gesellschaft, eine Reise durch die Nacht. Eine Reise von eindringlicher Relevanz, existentiell, ohne schwerblütig zu sein.
Irgendwo hat Meyer mal gesagt, er wolle einen Erzählungsband schreiben, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht gesehen hat.
Größenwahnsinnig! dachte ich und kaufte mit Zweifel das Buch. Jetzt muss ich ihm zustimmen.
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