Der erste der Hillerman-Krimis, in dem die Navajo-Polizisten Leaphorn und Chee zusammenarbeiten - zwei völlig verschiedene Charaktere; der ältere, Leaphorn, ein menschenfreundlicher Skeptiker; der jüngere, Chee, engagiert und ganz in den alten Traditionen seines Volkes lebend.
Vier Morde und ein Mordversuch sind zu klären - und das, obwohl Mord im Reservat so gut wie nie vorkommt.
Die Anhaltspunkte der beiden sind so zusammenhanglos wie nur irgend möglich: Ein alter, schwerkranker Navajo wird erstochen, und ein anderer, der ihn nicht einmal gekannt hat, gesteht, er habe ihn umgebracht - allerdings will er ihn erschossen haben, wie er glaubhaft versichert. Bald darauf widerfährt ihm dasselbe. Außerdem gibt es da den Mord an einer wegen ihres Engagements nicht eben beliebten Sozialarbeiterin zu klären, ein weiteres Mordopfer wurde erschlagen aufgefunden, und - Chee ist in seinem Wohnwagen nur knapp einem Attentat entgangen. Und auch er wüsste nicht, wer sich dermaßen drastisch an ihm rächen wollte.
Die Tatorte sind quer übers ganze Reservat verteilt, ein Zusammenhang lässt sich, wie gesagt, nicht erkennen. Halb im Scherz vermutet jemand, ein "Skinwalker", ein Hexer also, müsse die Finger im Spiel haben. Wie nahe er damit der Wahrheit kommt, stellt sich erst ganz zum Schluss heraus.
Neben den ungeklärten Morden hat Leaphorn noch andere, private Sorgen: Bei seiner Frau Emma bemerkt er immer öfter Alzheimer-Symptome, und nun will er einerseits genau wissen, womit er zu rechnen hat, andererseits aber auch zweifelt er an der Allmacht der "weißen" Medizin.
Auch "Die Nacht der Skinwalkers" ist ein Hillerman vom Feinsten, eine klug durchdachte Handlung, die von den Traditionen der Navajos lebt, ja ohne sie gar nicht möglich wäre. Wieder erfährt man ganz nebenbei viel Spannendes und Wissenswertes.
Ein Fünfsterne-Krimi also wieder einmal, wäre da nicht die deutsche Übersetzung - einerseits sind dem Übersetzer, Klaus Fröba, etliche Passagen wunderbar gelungen, aber andererseits prunkt seine Arbeit mit Perlen der unfreiwilligen Komik: "cotton trees" sind nun mal Pappeln, keine "Baumwollbäume" oder "Baumwollgehölz" - dass ihm das nicht aufgefallen ist, ist umso merkwürdiger, als in diesem Band unzählige Male Wohnwagen oder Menschen unter "Baumwollbäumen" stehen - und wie man weiß, werden diese Baumwollsträucher bestenfalls hüfthoch. Ein aufrecht stehender erwachsener Mann wird schwerlich Schatten unter ihnen finden. Ebenso komisch ist z.B. das "Nagelbrett" in der Polizeistation - im Original steht vermutlich "pinboard", und das heißt auf deutsch nunmal "Pinnwand". Ein wenig misstrauischer sollte sich Fröba seinen Vokalbelkenntnissen gegenüber schon verhalten, denn einige Ungereimtheiten mussten ihm doch auch aufgefallen sein.
Also, nochmal: Ein Klassekrimi, wie man ihn selten zu lesen bekommt, aber die deutsche Übersetzung sollte dringend überarbeitet werden.