Dieses Buch fand ich ehrlich gesagt irritierend wie inspirierend. Irritierend, da der Untertitel der deutschen Übersetzung - "Mit Mystikern aus der Depression" - sowie deren Klappentext ("Angst, Verzweiflung, Depression - wie kommt man aus der Dunkelheit der Seele wieder ans Licht?") schlichtweg falsch sind. Gerald May beschreibt ein Konzept einer Glaubenskrise, das sich bei den christlichen Renaissancemystikern Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz als "dunkle Nacht" findet, das aber, wie May selbst darlegt, nicht mit Depressionen zu verwechseln ist und auch anders behandelt werden soll als eine Depression. Somit wurde hier wohlgemerkt von einem geistlichen Verlag schlichtweg Etikettenschwindel betrieben. Dennoch sind die christlichen Meinungen und Konzepte von Teresa und Johannes, wie May sie darlegt, erstaunlich und angenehm modern und unfundamentalistisch und beinhalten auch Berührungspunkte zum Buddhismus. Das, und der allgemeine Tenor des Buches der Hoffnung in Krisen machten auch für mich als weder dem Christentum noch dem Buddhismus eingeschworenen spirituell Interessierten das Buch dennoch inspirierend.