Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Schwarze Raben und der Tod, 6. Oktober 2009
Mord auf einer Insel.
Ein in der Kriminalliteratur beliebtes Thema, dessen sich schon Genregrößen wie Agatha Christie ("Und dann gabs keines mehr...") oder in jüngster Vergangenheit Simon Beckett ("Kalte Asche") bedient haben, da gerade die Abgeschiedenheit einen gewissen Reiz auf Leser wie Autor auszuüben scheint. Der begrenzte Raum in dem sich die Ereignisse abspielen setzt nicht nur ein hohes Maß an Können voraus, sondern hält zumeist auch den Kreis der Verdächtigen ziemlich klein. Eine Schwierigkeit, die es zu meistern gilt, damit das Buch trotz beschaulicher und stimmungsvoller Inselatmosphäre nachher doch vor allem aufgrund des Krimiplots überzeugt.
Ann Cleeves, die kurz nach ihrer Heirat selbst einige Zeit auf einer englischen Insel gelebt und dort auch ihre Reihe um den Vogelforscher George Palmer-Jones geschrieben hat, hat nun ihren Blick noch ein ganzes Stück weiter nördlich gerichtet. Dort liegen die windumtosten Eilande der Shetland-Inseln, welche zwar zu Schottland gehören, aber davor über 650 Jahre lang ein Teil Skandinaviens gewesen sind, weshalb die dortige Kultur auch stark von den Wikingern beeinflusst ist. Dies nutzt Cleeves nun in "Die Nacht des Raben" aus, dem mit dem "Duncan Lawrie Dagger Award" prämierten ersten Part eines Quartetts, von dem jeder Teil jeweils eine Jahreszeit abdecken soll.
Es herrscht eisiger Winter auf Mainland, der Hauptinsel der Shetlands. Ein neues Jahr ist angebrochen, das jedoch wenig gut zu beginnen scheint. Zumindest für Fran Hunter, eine aus England neu hinzugezogene allein erziehende Mutter, die während eines Spaziergangs die von Raben umringte Leiche der 16-jährigen Catherine auf einem schneebedeckten Hügel findet ... und damit dem bis dahin (oberflächlich) idyllischen Inselleben ein Ende macht. Während Inspector Perez mithilfe schottischer Kollegen die Ermittlungen im Fall des offensichtlich mit ihrem eigenen Schal erwürgten Mädchens aufnimmt, kocht die Gerüchteküche in der eingeschworenen Gemeinschaft der Einheimischen auf hoher Flamme. Schon bald hat man mit dem tumben Einsiedler Magnus einen Verdächtigen auf der Liste. Und wurde der nicht schon mal bei dem Verschwinden eines anderen Mädchens verdächtigt?...
Ist Magnus wirklich der Täter? Was hat das Filmprojekt Catherines mit dem Ganzen zu tun? Ist es Zufall, dass beide Mädchenvornamen mit "C" anfangen? Fragen, die im weiteren Verlauf den Leser trotz der eigentlich wenigen möglichen Täter martern und die spannende Zutat in einem Krimi sind, der vor allem aufgrund seines außergewöhnlichen Settings zu überzeugen weiß. Es ist diese einsame, karge und raue Landschaft, welche den Reiz ausmacht und die hier im Winter noch bedrückender und einengender erscheint. Cleeves schreibt ausdrucksstark, lässt die Insel, ihre Bewohner und die unwirtliche Jahreszeit lebendig werden, was dazu führt, dass man selbst den eisigen Wind auf der Haut zu spüren meint. Aber auch die Charakterisierung der einzelnen Personen ist gelungen. Ob Jimmy Perez oder Fran Hunter. Die Figuren werden glaubwürdig gezeichnet und Cleeves versteht es geschickt, die üblichen Klischees des Genres zu vermeiden. Stattdessen ermöglicht sie dem Leser durch die wechselnden Erzählperspektiven einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt der Beteiligten, womit nicht nur die Beweggründe nachvollziehbarer werden, sondern man nach und nach auch die Motivation des Mörders erahnen kann. Bis dieser verraten wird, hat Cleeves den Leser auf verschiedene Fährten gelockt, um dann mit einem ebenso überraschenden (Damit hätte ich nicht gerechnet) wie plausiblen Ende, das während des Wikinger-Festivals "Up Helly Aa" spielt, den Schlusspunkt zu setzen.
Insgesamt ist "Die Nacht der Raben" ein spannender, sehr stimmungsvoller Kriminalroman aus dem kalten Norden, der sich geradezu perfekt als Lektüre für verregnete Tage eignet und mich bestens, wenn auch teilweise etwas langsamer, unterhalten hat. Ich freue mich auf die Fortsetzung, bei der dann hoffentlich nicht der Großteil der Handlung wieder auf dem Klappentext verraten wird.
|
|
|
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spannende Kost für verregnete Tage, 13. Juli 2008
Das neue Jahr beginnt auf den Shetland-Inseln wahrlich nicht beschaulich. Die neu zugezogene Fran Hunter findet die Leiche eines 16-jährigen Mädchens und die eingeschworene Gemeinschaft der Einheimischen hat auch schon bald einen Verdächtigen auf ihrer Liste.
Doch es ist nicht alles so eindeutig wie es auf den ersten Blick scheint. Inspektor Perez merkt bald, dass noch mehr hinter dem Mord steckt als der ehrbaren Einwohnerschaft lieb ist.
Ob es nun die Polizeibeamten sind, die Verdächtigen, die Dorfbewohner oder Zugezogenen, meiner Meinung nach gelingt es Ann Cleeves die Charaktere lebendig und glaubwürdig zu schildern. Das schwierige und chaotische Verhalten Jungendlicher kann sie genauso treffend darstellen wie die komplexen und verwobenen Beziehungen der Erwachsenen. Durch die wechselnde Erzählperspektive ermöglicht sie es dem Leser tieferen Einblick in die Gedankenwelt der Beteiligten zu nehmen und somit auch die Personen noch realistischer in ihren Beweggründen, und letztendlich auch die Motivation des Mörders, erscheinen zu lassen.
Die ungekünstelte Sprache und der flüssige Schreibstil scheinen in ihrer Klarheit die winterliche Landschaft der Shetland-Inseln wiederzuspiegeln, die in ihrer Einsamkeit gleichsam das Gegenstück zum emotionalen Zustand der Menschen darstellen.
Die Aufklärung des zunächst so einfach anmutenden Mordfalles erweist sich mir als gelungen und spannungsreich aufgebaut. Die vielen versteckten Hinweise und Andeutungen gaben mir eine Ahnung von der wahren Identität des Mörders ohne allerdings die komplette Auflösung vorwegzunehmen. So steuern auch die Ermittlungen gleichsam auf den Höhepunkt des Jahres, der in dem Wikingerfest "Up Helly Aa" seinen Ausdruck findet, zu und die Auflösung bleibt bis zum Schluss überraschend und originell.
Für mich bietet dieser spannende Krimi Unterhaltung pur für einen verregneten Nachmittag und schon jetzt bin ich auf den nächsten Band dieser Reihe gespannt.
|
|
|
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
FEUER UND EIS IM HÖCHSTEN NORDEN, 15. Februar 2008
Die Kriminalgeschichte spielt in Shetland, der nördlichsten Inselgruppe Großbritanniens bestehend aus um die 100 Inseln und bevölkert von rund 24.000 Einwohnern. Es ist der Auftaktroman eines Zyklus bestehend aus 4 Romanen, die sich mit allen 4 Jahreszeiten auf den Shetlands befassen. Dieser erste Band spielt im Winter.
DIE STORY:
Eines Morgens im verschneiten Januar findet FRAN HUNTER, alleinerziehende Mutter der 5jährigen CASSIE, die Leiche der 16jährigen CATHERINE ROSS im Schnee liegen. Der Fundort ist nicht weit entfernt von Hillhead. Dort befindet sich ein einsames Haus, das von dem alten schrulligen MAGNUS TAIT bewohnt wird. Inspektor PEREZ wird mit der Ermittlung beauftragt. Er bekommt Verstärkung durch Inspektor TAYLOR aus Inverness, weil so etwas nicht jeden Tag auf den abgeschiedenen Inseln passiert. Der alte MAGNUS gilt gleich als Hauptverdächtiger. Er spielte bereits in der Vergangenheit einmal eine Rolle im Zusammenhang mit einem vermißten Mädchen. Allerdings konnte ihm nichts nachgewiesen werden. Weil sich die Verdachtsmomente verdichten, wird MAGNUS festgenommen. Inspektor PEREZ und sein Kollege TAYLOR werden jedoch das Gefühl nicht los, dass sie den Falschen haben. Ihnen bleibt aber nur noch knapp eine Woche Zeit, um sicher zu gehen und eventuell den richtigen Täter zu überführen und dann verschwindet plötzlich auch noch CASSIE ...
FAZIT:
Außergewöhnliche Location, ungewöhnliche Menschen, geprägt durch die einsame, karge und rauhe Landschaft, das macht den besonderen Reiz dieses ersten Kriminalromans dieser kleinen Reihe, die auf den Shetland-Inseln spielt, aus. Die eigentliche Krimi-Handlung ist nicht das ausschlaggebende Moment. Es ist die besondere Atmosphäre dieser kargen Landschaft und der dort lebenden Menschen, die im Winter noch bedrückender erscheint und die Menschen noch mehr zusammenrücken läßt, die dem Buch eine "besondere Exotik" verleiht. ANN CLEEVES, die mit ihrer Familie in West Yorkshire lebt, ist es gelungen, dies alles derart gut einzufangen, dass sie hierfür mit dem "Duncan Lawrie Dagger Award" ausgezeichnet worden ist. Man darf also auf die drei ausstehenden Bände gespannt sein.
Aber erst einmal viel Spaß bei der "Winter-Edition"!
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|