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"Personen und Geschehen des Romans sind selbstverständlich frei erfunden" heißt es gerne und notwendigerweise. Viel Fantasie ist allerdings nicht vonnöten, um in der Romanfigur Wladimir Sablin den sehr realen russischen Staatspräsidenten Putin wiederzuerkennen. Sablin vermutet, dass es sich beim Untergang der "Charkow" um einen Versuch der russischen Mafia und ihres Paten Kachalow handelt, den Staat zu destabilisieren. Kachalow und Borowskij, der politische Gegenspieler Sablins im amerikanischen Exil, wollen sich des Staatspräsidenten entledigen, der ihre Geschäfte behindert. Um die nationalen Sicherheitskräfte nicht in Mordfälle zu verwickeln, engagiert Sablin den "Dienst", um seine Widersacher zu liquidieren. Topagent Ogden und sein Team hochqualifizierter Spezialisten entwickeln Pläne zur Durchführung der Auftragsmorde, doch mit der Russenmafia steht ihnen ein nahezu ebenbürtiger Gegner gegenüber.
Eine ausgefeilte psychologische Ausgestaltung ihrer Figuren ist Liaty Pisanis Stärke nicht, selbst ihre Hauptcharaktere erscheinen eher eindimensional und schematisch. Vielmehr gilt das Hauptaugenmerk der Autorin einer aktuellen, temporeichen und sehr unterhaltsamen Handlung. Sie schildert das internationale Verbrechen als Symptom und dessen Bekämpfung, während Ursachen und Beweggründe weit gehend im Dunkeln bleiben. Die Grenzen zwischen Gut und Böse fließen. Selbst Agent Ogden präsentiert sich zwar als Moralist, aber auch als skrupelloser Gewaltmensch im Dienste seines Jobs. Damit hat Pisani die ideale Plattform für ihre Darstellung und ihre Kritik des aktuellen Weltzustands gefunden. Sie schreibt ganz im Sinne des großen John Le Carré, der den Geheimdiensten gerade nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine Hochkonjunktur im Dienste fließender Interessensblöcke prophezeite. Hier knüpft Pisani an und erweist sich als Meisterin einer neuen Form des Spionagethrillers.
Dem "Dienst" jedenfalls werden die Aufträge nicht ausgehen. Nach getaner Arbeit muss ein fassungsloser Ogden mit seinen Agenten im Fernsehen den Einsturz des World Trade Centres erleben. --Ulrich Deurer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Sie veröffentlichte neben „Die Nacht der Macht“, 2002 „Der Spion und der Schauspieler“, 2001 „Der Spion und der Bankier“, 1999 Der Spion und der Dichter“ und 1997 „Der Spion und der Analytiker“ (alle erschienen im Diogenes Verlag).
Der Geheimagent Odgen ist die Hauptperson in ihren Büchern. Weit mehr als ein moderner James Bond. Ein sympathischer Kämpfer für die Gerechtigkeit, dem Moral mehr bedeutet als den Berufskillern, die ihn jagen. Odgen arbeitet für den „Dienst“ eine unabhängige Spionageorganisation, die schon von mancher Regierung auf der Welt erfolgreich eingesetzt wurde. In „Die Nacht der Macht“ kommen die altbekannten Hilfsmittel des Dienstes zum Einsatz: Die Safe House, abhörsichere Mobiltelephone und jede Menge gesicherte und schnelle Nobelkarossen.
In „Die Nacht der Macht – der Spion und der Präsident“ ist Odgen wieder zur Stelle und muss diesmal einen Staatsstreich vereiteln. Die Geschichte beginnt im August 2001 in Russland, wo in der Barentsee ein U-Boot untergegangen ist. Die Aktualität und Parallelen zur Wirklichkeit ziehen sich im Roman von Pisani durch wie ein roter Faden. Als Stuart – neben Odgen bester Agent und Leiter des Dienstes – überraschend entführt wird, scheint die Situation aussichtslos. Odgen soll es richten, den Dienst zu retten und den Staatsstreich zu verhindern. Eine weitere Nebenperson im Roman ist Verena, die Geliebte von Odgen. Sie lebt in Zürich und arbeitet als Dichterin. Als sie wie aus dem Nichts zu einem Kongress in Moskau eingeladen wird, kreuzen sich die Wege von Odgen und Verena und es kommt zu einem Wiedersehen mit einem alten Bekannten.
Ein sehr zu empfehlender Spionage-Roman der italienischen Autorin, die weiss, dass Agenten keine Maschinen sind und Herz haben können.
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