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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Packend, gekonnt, hintergründig !, 22. März 2000
Von Ein Kunde
Die Handlung dieses erstmals 1929 erschienenen Romans erstreckt sich von 1939 bis zum Jahre 1942, also mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Hauptpersonen sind ein Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, der eine Frau namens Ruth hat, Josef Schwarz und seine Frau Helen Baumann. Sie sind alle deutsche Emigranten und ihre einzige Rettung vor dem Nazi-Regime wäre eine Ausreise per Schiff nach Amerika. Der Unbekannte trifft mit Josef Schwarz nachts am Hafen von Lissabon zusammen. Beide sind sich fremd, der anonyme Ich-Erzähler hat weder Geld noch Visum, um zu emigrieren. Jedoch Schwarz bietet ihm zwei Schiffskarten, amerikanische Visa und Ausweise an, geschenkt, nur unter der Bedingung, ihm sein Emigrantenschicksal, seine Lebensgeschichte in dieser Nacht erzählen zu dürfen. Schwarz ist nicht sein richtiger Name, sondern der von einem gefälschten Ausweis, den er von dem Österreicher Josef Schwarz vererbt bekam, als dieser verstarb. Dieser zweite Schwarz befindet sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Paris, wo der gültige Ausweis ihn auf die Idee bringt, seine Frau Helen in Osnabrück zu besuchen. Helen beschließt mit ihrem Mann aus Deutschland wegzugehen, sie wollen von der Küste Portugals aus Amerika erreichen. Auf Umwegen und mit vielen leidvollen Erfahrungen schaffen sie es schließlich bis Portugal. Sie halten sich u.a. in Askona auf, wo sie ihre Liebe zueinander neu entdecken, in Paris, wo sie verhaftet werden und in getrennte Lager kommen. Doch sie schlagen sich mit List, Klauen und Gelegenheitsjobs durch, mit der ständigen Hoffnung auf ein neues gemeinsames Leben und natürlich mit einer gehörigen Portion Glück, z.B. an amerikanische Visa durch einen flüchtigen Bekannten zu kommen. Aus Ausweglosigkeit bringt Schwarz sogar Helens Bruder, Nazi-Obersturmbannführer Georg Jürgens, mit einer Rasierklinge um, der ihn bereits in Deutschland in ein Konzentrationslager gebracht hat. Helen geht es auf einmal gesundheitlich schlechter, sie hat Krebs, möchte es aber verheimlichen. Kurz bevor das Schiff nach Amerika auslaufen wird, bringt sich Helen mit Gift um. Schwarz vermutet, sie habe nicht nach Amerika mitkommen wollen und deshalb Selbstmord begangen, der unbekannte Zuhörer aber erklärt, sie habe für Schwarz bis zum Ende aus Liebe ausgehalten, als sie ihn gerettet wusste, hat sie losgelassen. Josef Schwarz hat die Geschichte weitererzählt, um eine Erklärung auf Helens Reaktion zu erhalten und damit seine Lebensgeschichte in anderen Personen unverfälscht weiterleben kann, während er sie, seiner Meinung nach, vergessen wird. Schwarz will jetzt in die Fremdenlegion gehen, da er ohne Helen in Amerika keine Zukunft mehr sieht. Er will dafür einem anderem Paar die Möglichkeit geben, ein neues Leben anzufangen, indem er die Karten verschenkt. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Er ist eine Geschichte über Exil, Faschismus, Liebe und Tod. Hier wird an den Romanfiguren deutlich gemacht, wie wertlos der Mensch als Individuum im Nationalsozialismus geworden ist. Ein gültiger Pass, wenn auch gefälscht, stellt für Emigranten eine einzige Überlebenschance dar. „Der Mensch war um diese Zeit nichts mehr; ein gültiger Paß alles" (S. 6). Gleichzeitig ist in den Schilderungen der Nazi-Grausamkeiten die rührende Geschichte einer großen Liebe eingebaut. Erich Maria Remarque gibt in „Die Nacht von Lissabon" seine eigenen Erfahrungen mit dem Nazi- und Emigrantenmilieu wieder. Deshalb ist sein Roman realitätsnah geschildert und recht gut nachvollziehbar. Sein Werk konnte so nicht nur in früheren Jahren zahlreiche Verkaufserfolge verzeichnen, sondern ist auch heute noch ein gern gelesenes Buch.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Intensiv!, 23. August 2006
Natürlich kannte ich "Im Westen nichts Neues", aber dieses Buch von Remarque hat mich an meinen nächtlichen Lesestunden schrecklich fasziniert in die Flüchtlingswelt des 2.Weltkrieges eintauchen lassen!
Die Gespräche der Hauptfiguren lassen viel intellektuellen Esprit erkennen, und lassen dadurch das Nazideutschland noch dumpfer und farbloser zurück.
Die Tragödie der Liebenden ließ mich nach anfänglicher Skepsis nicht mehr los und zeigt ein intensiveres und kitschloseres Bild als die entfernte S/W Casablanca Kino- Parallele.
Ein Buch, dass nach der letzten Seite noch beschäftigt und mich nachdenkend in die Realität der Gegenwart zurückließ!
Dafür verdiente 5 Sterne
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Große Literatur, 28. Februar 2006
Eine Nacht, in der sich zwei Flüchtende in einer Stadt am Ende Europas treffen und kennenlernen: Der Leser, die Leserin weiß nicht, was am Ende der Nacht auf sie wartet: Resignation und Niederlage, die rettende Flucht nach Amerika oder Widerstand. Eine Geschichte wird erzählt: Mehrere gar nicht so politische Menschen lehnen sich gegen die Barbarei der Nazis auf und werden dabei, obwohl sie immer wieder ihr Leben für einander riskieren, doch auch aneinander schuldig. (Fast) Jeder kann sich in ihnen wiederfinden. Durch die dopplelte Ich Perspektive erschafft Remarque zusätzliche Schärfe. Wie in seinen anderen großen Romanen verknüpft er eine tiefsinnige Schilderung einzelner Charaktere mit dem damilgen Zeitgeschehen. Spannend bis zur letzten Seite.
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