Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Große Literatur, 28. Februar 2006
Eine Nacht, in der sich zwei Flüchtende in einer Stadt am Ende Europas treffen und kennenlernen: Der Leser, die Leserin weiß nicht, was am Ende der Nacht auf sie wartet: Resignation und Niederlage, die rettende Flucht nach Amerika oder Widerstand. Eine Geschichte wird erzählt: Mehrere gar nicht so politische Menschen lehnen sich gegen die Barbarei der Nazis auf und werden dabei, obwohl sie immer wieder ihr Leben für einander riskieren, doch auch aneinander schuldig. (Fast) Jeder kann sich in ihnen wiederfinden. Durch die dopplelte Ich Perspektive erschafft Remarque zusätzliche Schärfe. Wie in seinen anderen großen Romanen verknüpft er eine tiefsinnige Schilderung einzelner Charaktere mit dem damilgen Zeitgeschehen. Spannend bis zur letzten Seite.
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Schein, das Sein und ein Pass, 3. Juli 2004
Es ist die Zeit der 2. Völkerwanderung. Millionen Menschen verlassen , in der Fluch ihr heil suchend, das 1000 jährige Reich und Europa gen Westen. Remarque als stiller Zeitzeuge schmiedet aus dem Stoff der anhaltenden Flucht und Hoffnungslosigkeit eine der größten Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts. Die Reise beginnt in Lissabon, zwei Menschen treffen aufeinander die von nun an die letzten Zeugen der einmaligen Geschichte des zweiten Josef Schwarz sind. Der eine, Josef Schwarz trifft auf das personalisierte Ich des Erzählers um ihm die wunderbare Reise von der Gefangenschaft der Deutschen, der Rückkehr nach Deutschland und der gemeinsamen Flucht mit seiner Frau Helen zu erzählen, als Belohnung erhält der Zuhörer die Identität des Josef Schwarz, zwei Visa in Richtung Freiheit und die unglaubliche Geschichte von der Wichtigkeit eines Stückes Papier in der Zeit von Grenzen und Fremde. Schwarz und seine Helen flüchten mit mehr Schein als Sein aus Deutschland und leben fortan in ewiger Wachsamkeit vor Helens Bruder, halblegal in der Schweiz und Frankreich bis das plötzliche auftauchen der Gestapo sie zur Flucht durch Europa gen Lissabon anstiftet. Je näher sie dem Zielhafen kommen desto mehr rückt die rettende Küste in die Ferne. Menschenleben sind nicht mehr wert als die Papiere die man besitzt. In diesem abwechselnden Fliehen und Leben auf Zeit entsteht eine ewige Liebe zwischen Josef und Helen die sie bis ans Ende durchstehen lässt. Doch zu guter Letzt scheitert selbst die Liebe und der Glauben an der Übermächtigkeit des Seins. Remarque beschränkt seinen Erzählstil auf eine klare aber sehr eingängige Art und Weise. Nie wirkt ein Absatz überladen oder seicht, und selten ist etwas schöner und eindringlicher als das Verständnis Schwarz' und die Hoffnung auf Rettung. Remarque liefert mit Die Nacht von Lissabon ein weiteres Meisterwerk ab, das jeder Freund tragischer deutscher Weltkriegsliteratur unbedingt lesen sollte. Wer Arc de Triomphe verschlungen hat, dem sollte auch Die Nacht von Lissabon gefallen.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Packend, gekonnt, hintergründig !, 22. März 2000
Von Ein Kunde
Die Handlung dieses erstmals 1929 erschienenen Romans erstreckt sich von 1939 bis zum Jahre 1942, also mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Hauptpersonen sind ein Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, der eine Frau namens Ruth hat, Josef Schwarz und seine Frau Helen Baumann. Sie sind alle deutsche Emigranten und ihre einzige Rettung vor dem Nazi-Regime wäre eine Ausreise per Schiff nach Amerika. Der Unbekannte trifft mit Josef Schwarz nachts am Hafen von Lissabon zusammen. Beide sind sich fremd, der anonyme Ich-Erzähler hat weder Geld noch Visum, um zu emigrieren. Jedoch Schwarz bietet ihm zwei Schiffskarten, amerikanische Visa und Ausweise an, geschenkt, nur unter der Bedingung, ihm sein Emigrantenschicksal, seine Lebensgeschichte in dieser Nacht erzählen zu dürfen. Schwarz ist nicht sein richtiger Name, sondern der von einem gefälschten Ausweis, den er von dem Österreicher Josef Schwarz vererbt bekam, als dieser verstarb. Dieser zweite Schwarz befindet sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Paris, wo der gültige Ausweis ihn auf die Idee bringt, seine Frau Helen in Osnabrück zu besuchen. Helen beschließt mit ihrem Mann aus Deutschland wegzugehen, sie wollen von der Küste Portugals aus Amerika erreichen. Auf Umwegen und mit vielen leidvollen Erfahrungen schaffen sie es schließlich bis Portugal. Sie halten sich u.a. in Askona auf, wo sie ihre Liebe zueinander neu entdecken, in Paris, wo sie verhaftet werden und in getrennte Lager kommen. Doch sie schlagen sich mit List, Klauen und Gelegenheitsjobs durch, mit der ständigen Hoffnung auf ein neues gemeinsames Leben und natürlich mit einer gehörigen Portion Glück, z.B. an amerikanische Visa durch einen flüchtigen Bekannten zu kommen. Aus Ausweglosigkeit bringt Schwarz sogar Helens Bruder, Nazi-Obersturmbannführer Georg Jürgens, mit einer Rasierklinge um, der ihn bereits in Deutschland in ein Konzentrationslager gebracht hat. Helen geht es auf einmal gesundheitlich schlechter, sie hat Krebs, möchte es aber verheimlichen. Kurz bevor das Schiff nach Amerika auslaufen wird, bringt sich Helen mit Gift um. Schwarz vermutet, sie habe nicht nach Amerika mitkommen wollen und deshalb Selbstmord begangen, der unbekannte Zuhörer aber erklärt, sie habe für Schwarz bis zum Ende aus Liebe ausgehalten, als sie ihn gerettet wusste, hat sie losgelassen. Josef Schwarz hat die Geschichte weitererzählt, um eine Erklärung auf Helens Reaktion zu erhalten und damit seine Lebensgeschichte in anderen Personen unverfälscht weiterleben kann, während er sie, seiner Meinung nach, vergessen wird. Schwarz will jetzt in die Fremdenlegion gehen, da er ohne Helen in Amerika keine Zukunft mehr sieht. Er will dafür einem anderem Paar die Möglichkeit geben, ein neues Leben anzufangen, indem er die Karten verschenkt. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Er ist eine Geschichte über Exil, Faschismus, Liebe und Tod. Hier wird an den Romanfiguren deutlich gemacht, wie wertlos der Mensch als Individuum im Nationalsozialismus geworden ist. Ein gültiger Pass, wenn auch gefälscht, stellt für Emigranten eine einzige Überlebenschance dar. „Der Mensch war um diese Zeit nichts mehr; ein gültiger Paß alles" (S. 6). Gleichzeitig ist in den Schilderungen der Nazi-Grausamkeiten die rührende Geschichte einer großen Liebe eingebaut. Erich Maria Remarque gibt in „Die Nacht von Lissabon" seine eigenen Erfahrungen mit dem Nazi- und Emigrantenmilieu wieder. Deshalb ist sein Roman realitätsnah geschildert und recht gut nachvollziehbar. Sein Werk konnte so nicht nur in früheren Jahren zahlreiche Verkaufserfolge verzeichnen, sondern ist auch heute noch ein gern gelesenes Buch.
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