Kurzbeschreibung
Rikkat stirbt, einen Tod, sanft wie das Eintauchen der Fasern ihres Rietrohrs in die Tinte und schneller als die Tinte ins Papier einziehen kann. Und im letzten Blick zurück, im Angesicht der Leere und des Nichts, erzählt sie die Geschichte ihres Lebens. Eines Lebens als Kalligraphin, als einzige Frau unter den altehrwürdigen, dienstbaren Protokollanten des Gottesworts. Eines Lebens in Zeiten des Umbruchs, während Atatürk die Türkei modernisiert und mit dem Islam bricht, die arabische Schrift abschafft und die traditionelle Kalligraphie ihrer Glorie beraubt. Eines Lebens, gekennzeichnet von Trennungen und von Verlusten, manche ersehnt und viele schmerzhaft. Wenn Männer gehen, der Sohn sie verläßt, findet Rikkat Trost und Kraft im Schreiben, im sorgsamen Umgang mit Feder und Tinte, im sanften Streichen der Fingerspitze über endlose Arabesken auf feinstem Papier.Yasmine Ghata zeichnet das Bild einer beeindruckenden Frau in einer unruhigen Zeit, im Niemandsland zwischen Tradition und Erneuerung, zwischen Mystizismus und Realität.
Über den Autor
Yasmine Ghata, 1975 in Frankreich geboren, studierte Islamische Kunstgeschichte, arbeitet für eine Pariser Galerie und ist spezialisiert auf die Erstellung von Expertisen für islamische Kunst. In ihrem ersten Roman Die Nacht der Kalligraphen erzählt sie die Lebensgeschichte ihrer Großmutter, einer der wenigen Kalligraphinnen in der türkischen Geschichte.