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5.0 von 5 Sternen
Leben am Bosporus - dank Tinte überleben, 2. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Nacht der Kalligraphen (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte beginnt mit der Schilderung des eigenen Todes und endet mit einer Beschreibung der Loslösung von der Lebenslust. Denn die Passion für das Schreiben erlöscht bei der Kalligraphin erst, als das zunehmende Zittern der betagten Hand der 83 jährigen Rikkat Kunt den Abschluss einer grossen Lebensphrase ankündigt.
Dazwischen lesen wir in grossen Bögen vom bewegten Leben einer Frau, die sich in der sich ständig verändernden türkischen Gesellschaft für eine Berufung entscheidet und eine männlichen Beruf ausübt. Für Rikat ist der Ausdruck in Arabesquen und das Nachempfinden von Suren des Korans weit befriedigender und erfüllender, als eine Anpassung an dominiersüchtige Männer und geschichtliche und gesellschaftliche Realitäten.
Die Autorin Yasmine Ghata hält für uns die grossen Erzählbögen dann an, wenn Sie uns in kurzen Episoden in die Empfindungen einer grossen Künstlerin eintauchen lässt. Wie von Geisterhand, von den alten Meistern und Lehrern, ist sie geführt, wenn Sie die Federn rüstet, die Tinte aufsaugt und in kunstvollen Bewegungen über das Papier führt.
Die Erzählbögen werden auch dann kurzum gestoppt, wenn wir Leid und Freud der Mutter nachempfinden, wenn wir in die Briefwechsel mit ihrem nach Libanon ausgereisten und später in Frankreich studierenden Sohn Einblick haben. Dann lesen wir im Moment und verstehen. Grossartig.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine wunderschöne, leise Geschichte, 7. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Nacht der Kalligraphen (Gebundene Ausgabe)
Hier wird die Lebensgeschichte der türkischen Großmutter der Autorin erzählt. Sie war eine der wenigen Kalligraphinnen in einer von Männern dominierten Zunft. Die Geschichte bringt einem die besondere Beziehung nahe, die Rikkat zur Kalligraphie, zu ihrem Schreibwerkzeug und zu ihrem Lehrer hat, der sie über seinen Tod hinaus begleitet. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, - die Sprache ist sehr poetisch, fein, hat mich sehr berührt und man kann sich sehr gut in die fremde Kultur aber auch in das persönliche Leben von Rikkat, der Kalligraphin hineinversetzen. Ein ruhiges, feines, leises Buch, das einen ganz sanft gefangennimmt.
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5.0 von 5 Sternen
Die ferne Welt der Kunst im Islam, 21. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Nacht der Kalligraphen (Gebundene Ausgabe)
Yasmine Ghata Die Nacht der Kalligraphen
Meridiane Ammann ISBN 3250600865
Ungewöhnlich beginnt diese kleine Erzählung von Yasmine Ghata.
Rikkat, eine berühmte türkische Kalligraphin, beginnt mit dem Bericht über ihren eigenen Tod, um dann über ihr Leben zu erzählen.
Sie war eine der wenigen weiblichen Kalligraphinnen in Istanbul, denn diese Arbeit war eigentlich den Männern vorbehalten.
Kalligraphen sind Protokollanten der Worte Gottes, hier des Islam. Sie waren Priestern gleich gestellt, umgeben von einem Nymbus der Heiligkeit und ausgestattet mit Rezepturen für ihre kalligraphischen Arbeiten wie Tinte, Feder und Vorbereitung des Papiers, die nur Eingeweihte durch die Überlieferung kannten.
Die Erzählung beginnt geheimnisvoll. Manches klingt wie ein Traum, so als sei die Kunst von göttlicher Eingebung beflügelt.
Derwischen gleich erscheinen die Toten den Lebenden, um sie zu belehren.
Mit Attatürk veränderte sich die Türkei. Die arabische Sprache wurde abgeschafft und die traditionelle Kunst der Kalligraphie verlor an Bedeutung.
Umso aufregender ist die Geschichte von Rikkat, die mit außergewöhnlichen Gaben beschenkt war und in stiller aber überschwänglicher Liebe für diese Kunst wie geschaffen schien. Sie durfte als einzige weibliche Lehrerin diese Kunst unterrichten.
Was wie eine Geschichte der Mystik beginnt, geht über in eine ganz reale Lebensgeschichte mit dramatischen und widersprüchlichen Gegenwartsbezügen.
Da geht es um Ehen ohne Liebe, Abschiede und Trennungen, die den ganz alltäglichen irdischen Schmerz heutiger Lebensgeschichten widerspiegelt. Damit leitet die Autorin über in die heutige Welt, in der es in der Türkei neben der Zwangsheirat die Ehescheidung und den Kampf um Kinder gibt. Diese Passagen sind ungewöhnlich liebevoll und empfindsam geschrieben.
Yasmine Ghata hat mit ihrem Roman vor allem ihrer Großmutter ein Denkmal gesetzt, einer der wenigen Kalligraphinnen der türkischen Geschichte.
Ghata schreibt eine blumenreiche und poetische Sprache, die zunächst dem Inhalt nach befremdlich wirkt. Die Informationen über islamische Kunst und die Kalligraphie macht neugierig und man möchte mehr darüber erfahren.
Dieses Buch öffnet Türen, sich der Welt des Islam abseits vom politischen Alltag einmal ganz aus der Sicht der Kunst zu nähern. Ein schönes, lesenswertes und Völker verbindendes kleines Buch, das man dem interessierten Leser gerne empfehlen möchte.
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