2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zwichen den Zeiten, 16. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Nacht des Jägers (DVD)
Ein eigenartiger Film, der häufig unter "Film Noir" verbucht wird - m.E. in die Schublande aber nicht wirklich passt. Die Nacht des Jägers ist der Film eines als Schauspieler prominenten Regisseurs, der es sich erlaubt hat, hemmungslos anachronistisch einen Film zu machen. Oft meint man, die Szenen könnten direkt aus "M- Eine Stadt sucht einer Mörder" entnommen sein. Die Schauspieler agieren immer in der Nähe zur Übertriebenheit des Stumfilms.- Laughton Regierarbeit ist SEHR dem Expessionismus verpflichtet. Das Pathos des Predigers - und die Durchgedrehtheit seiner Opfer - sind sehr überzeichnet, ebenso wie die filmischen Schwarz-weiß-Kontraste. Die Gestik - wie damals bei Fritz Lang! Doch eben dies macht den Film besonders: Eine großartige Kamera erzeugt zeitlose Bilder, die ebenso aktuellen Alptraumwelteentstammeneute zujm könnten. Gerade weil der Film nihct den Codes der 50er folgt, wird er heute zum ereignis.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut genial, 30. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Nacht des Jägers (DVD)
Ein absolutes Highlight aus den 50s. Robert Mitchum (vielleicht in seiner besten Rolle) ist der perfekteste Filmbösewicht überhaupt, es gelingt ihm grandios diesen psychopathischen Wanderprediger zu spielen.
Er hat es auf das Geld abgeshen, dass zwei beiden Kinder in einer Puppe versteckt haben...hört sich simpel an, die Machart ist aber sehr komplex, sehr aussergewöhnlich und extravagant erzählt. Vor allem die Bilder sind meisterhaft durchkomponiert: Düster, teilweise expressionistisch. Die Religionswut der Amerikaner wird gut und von vielen Seiten beschrieben. Sie kommt letztendlich auch nicht gut weg. Wahrscheinlich hatte Laughton Mühe mit diesem Aufkeimen des Fundamentalismus, so beschreibt er dieses Treiben sehr bizarr, die Figur des Predigers setzt dem noch die Krone auf.
Tatsächlich steckt da auch viel an Grimms Märchen oder The Wizard of Oz drin, die Odyssee der beiden Kinder gestaltet sich als eine Art Kampf des Lebens und die Suche nach "Zuhause", wo immer das auch ist. Die Familie versagt: Der Vater wird hingerichtet, die Mutter (Shelley Winters) fällt auf den fremden Gottessmann herein und ehelicht ihn, da ist der erste Mann noch gar nicht lange unter der Erde.
Die Nachbarn und Freude: Oberflächliche, bigotte und engstirnige Trottel.
Der Mann mit der Bibel letztendlich ein Frauen- und Serienmörder, der die Kinder gnadenlos jagt.
Zuflucht finden sie letztendlich bei einer älteren Frau (Lilian Gish spielt diese "Mutter Teresa"), die auf ihrer kleinen Farm eine Art "Waisenhaus" betreibt und dem Priester die Stirn bietet.
Einen fesselnden und genialen Film hat Schauspieler Laughton da gemacht, er wurde seinerzeit nicht besonders gut aufgenommen.
Heute ist der Film auf ganzer Linie rehabilitiert, er zählt mit Recht zu den besten Filmen aller Zeiten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Düsteres Märchen, 22. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Nacht des Jägers (DVD)
"Die Nacht des Jägers", Charles Laughtons einzige Regiearbeit aus dem Jahre 1955 war damals kein Erfolg: der enttäuschte Regisseur inszenierte daraufhin nie wieder einen Film. Tatsächlich ist er einer der seltsamsten und ungewöhnlichsten Filme, die ich je gesehen habe (und das sind doch jetzt schon einige !).
Es ist im Grunde eine düstere "Hänsel und Gretel"-Story, in der ein falscher Wanderprediger (Robert Mitchum) aus zwei unschuldigen Kindern die Information über ein Geldversteck herauspressen möchte. Laughton scheint es gar nicht um oberflächlichen Suspense zu gehen, vielmehr bezieht er Spannung und Atmosphäre aus den expressionistischen Bildern, die vielfach wie Traumsequenzen wirken. Aus den zahlreich sich ergebenden Antagonismen wie Liebe-Hass (als Tätowierungen an den Fingern des Bösewichts), Schwarz-Weiß, Bub-Mädchen, Gut-Böse etc. schöpft der Film seine unheimliche Kraft.
Demgegenüber steht eine frömmlerische, exaltierte Religiosität, die für den Zuschauer des 21. Jahrhunderts kaum erträglich scheint.
"Die Nacht des Jägers" wird nicht zu meinen Lieblingsfilmen gehören, aber sich mit dem ungewöhnlichen Werk auseinanderzusetzen, lohnt allemal.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein