"Die Saat" war ein zweischneidiges Schwert. Zum einen war da die tolle Einführung und spannende erste Hälfte, zum anderen die lahme, viel zu lang geratene zweite. Insofern hat es sehr lange gedauert bis ich "Das Blut" gelesen habe und siehe da, es gefiel mir gleich viel besser. Rundum gelungen, spannend und schnell zu lesen. Dementsprechend las ich auch "Die Nacht" direkt hinterher. Diese fiel aber ernüchternd aus.
Wo Band 1 noch zu lang war und Band 2 die richtige Länge hatte, ist Band 3 nun für das Erzählte zu kurz.
2 Jahre sind seit Band 2 vergangen und alles hat sich geändert. Die Vampire beherrschen die Welt, unsere "Helden" sind Rebellen. In einer langen Einführung macht der Roman uns dies klar. Allerdings kommt nie die erhoffte Endzeitatmospähre auf. "Die Nacht" bleibt insgesamt viel zu oberflächlich, nicht nur mit ihrer Geschichte, sondern auch mit den Figuren. Wo es in Band 2 immer wieder Phasen gab, die aus der Sicht von anderen Menschen erzählt wurden (und somit ein besseres Bild auf die Welt gaben) gibt es in Band 3 nur sehr wenige Figuren. Und da man die Welt nur durch ihre Augen sieht bekommt man dementsprechend wenig von ihr mit. Und das ist schade.
Die Figuren werden zudem immer unsympatischer. Ist gegenseitiges Misstrauen zwar eigentlich eine logische und spannende Idee, verkommt sie hier zum platten Spannungsbringer ohne Tiefe und ist nicht immer nachvollziehbar. Eine Charakterentwicklung gibt es kaum noch, schon am Anfang kann man sich das Ende einer jeden Figur vorstellen.
Und genau das ist das Problem. Del Toro und Hogan scheinen eine Strichliste abzuarbeiten. Es gibt Lager in denen die Vampire Menschen abernten? Achso ok, schnell hin, reingeschaut und wieder raus. Da kommt wenig Atmospähre auf.
Die Autoren hatten nach Band 2 noch jede Menge zu tun. Immerhin muss man eine neue Welt einführen und erklären, man muss die Wege der Rebellen und der Bösen verstehen und man muss alles zu einem vernünftigen Abschluss bringen. Doch Del Toro und Hogan nehmen bei jedem abzuarbeitendem Punkt die einfachste Lösung. Teilweise wird zwischen den wichtigen Punkten fix mit Absatz hin und her gesprungen. Gespräche und leise Zwischentöne bleiben vollkommen auf der Strecke. Ebenfalls störend fällt die schiere Übermenschlichkeit der Hauptpersonen auf, die in dem Buch wahrscheinlich eine vierstellige Vampirzahl abschlachten und die urplötzlich aufkommende religiöse Komponente, die in eine kurzen, lächerliche Szene am Ende mündet.
Und das ist schade, haben die Autoren doch ein paar gute Ideen. Zacks Verbleib und Leben mit dem Meister zum Beispiel, oder die Vergangengeit des ultimativen Bösen. Doch das alles kommt viel zu kurz und wird viel zu oberflächlich abarbeitet. Anstatt Dinge zu erklären sagen Del Toro und Hogan: So ist es eben, lebe damit.
Der Roman hätte länger sein müssen. Ich brauche nicht unbedingt in jedem neuen Kapitel eine rieseige Actionszene. Ich möchte, dass Atmospähre und ein Gefühl von Größe aufkommt. Dafür nehme ich auch Längen in Kauf. Dass das geht zeigt zum Beispiel Stephen King.
Doch nein. Del Toro und Hogan entscheiden sich für die schnelle Lösung, schneiden kurz alle wichtigen Punkte an und verpassen dabei die Chance "Die Nacht" zu einem guten Abschluss zu machen. Ebenfalls sauer stößt einem in dem Zusammenhang das Finale auf, welches so urplötzlich vorbei ist, wie es kommt.
Doch nicht alles ist schlecht. Hat man "Das Blut" gelesen und für gut befunden und möchte man auch den letzten gerne lesen, kann man das tun, ohne, dass man es gelangweilt zur Seite legen wird. Denn einen positiven Aspekt hat der schnelle, oberflächliche Ritt dann doch. Es wird nie langweilig. Das Buch ist unglaublich schnell und flüssig zu lesen.
"Die Nacht" ist also nicht der fulminante Abschluss einer großen Endzeittrilogie, sondern eher ein letzter Happen einer Geschichte zum schnell lesen und vergessen.