Ein Buch, dessen Lektüre bedrückt und schmerzt. Ein gutes Buch. Ein notwendiges Buch. Die Autobiographie Wiesels über seine frühe Jugend, seine Zeit in Auschwitz und den Todesmarsch nach Buchenwald ist sachlicher, teilweise fast lakonischer Sprache gehalten und berührt gerade dadurch ungemein. Neben dem Horror des Lebens im Lager bilden zwei weitere Themen den Mittelpunkt des Buches: die Sucht des Menschen nach Hoffnung, eine Sucht, die geradewegs in den Tod führen kann. Und die Auseinandersetzung eines gläubigen Juden mit Gott, die Rebellion gegen diesen, warum dieser Gott so ein Unrecht zulassen kann. Diese Auseinandersetzung gipfelt in eine der erschütternsten Szenenbeschreibungen von „Die Nacht".
Pikanterweise hat Martin Walser 1962 das Vorwort für die deutsche Ausgabe geschrieben (allerdings war damals „Die Nacht" der erste Teil der Trilogie „Die Nacht zu begraben, Elischa"). Eben jener Martin Walser (zu jener Zeit allerdings noch Gründungsmitglied der DKP und nicht Redner auf dem Parteitag der CSU), der heute so gerne endlich die Debatte über den Holocaust und diesen Teil der deutschen Geschichte beenden möchte. Sein Vorwort von 1962 ist außergewöhnlich sensibel und es schließt mit einem Satz, den man heute gerne Martin Walser noch einmal vorlesen möchte: „Versagt wird uns jenes feine Vergnügen, alle Wirklichkeit im Stil aufgehoben zu sehen. Literatur als Mitteilung ist keine kulinarische Literatur. Sie ist aber, glaube ich, die einzige Literatur, die notwendig ist."
Jedem, der an der Darstellung des Holocausts (aber auch an den Schwierigkeiten, eben jenes Unaussprechliche auszusprechen), sei die Lektüre von Primo Levis „Ist das ein Mensch?" und Ruth Klügers „...weiterleben" ans Herz gelegt.