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Die Nacht des Don Juan: Roman
 
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Die Nacht des Don Juan: Roman [Taschenbuch]

Hanns-Josef Ortheil
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit Die Nacht des Don Juan schließt der Stuttgarter Autor Hanns-Josef Ortheil seine "Trilogie der Künste" ab. Begonnen hat er sie mit den viel beachteten und hoch gelobten historischen Romanen Faustinas Küsse und Im Licht der Lagune.

Man schreibt das Jahr 1786 in Prag, als dort drei ganz besondere Männer aufeinander treffen. Mozart ist mit seiner schwangeren Frau Constanze angereist und arbeitet mühsam an den letzten Kompositionen zu Don Giovanni. Noch hat die Oper den Arbeitstitel "Don Juan". Für das Libretto ist Lorenzo da Ponte zuständig. Doch er, ein Mann, der von Genuss und sinnlichen Freuden nur wenig Ahnung besitzt, begreift die Rolle des Don Juan nicht weiter als auf dem Niveau einer Posse des Puppentheaters. So fehlt auch Mozart noch der richtige Schwung in seiner Musik. Das ändert sich schlagartig, als Casanova für einige Wochen Gast des Grafen Pachta wird. Wenn er nicht Bescheid weiß über die Rolle des Don Juan, wer dann? Der begnadete Lebemann und Frauenheld ist bereits in die Jahre gekommen, doch zielstrebig nimmt er mit einigen geschickten Intrigen Herrn da Ponte das Konzept aus der Hand. Das Geheimnis des Erfolgs des großen Verführers wird jedoch von den Frauen, der Ehefrau Mozarts, Constanze, der Sängerin Josepha Duschek und der jungen Gräfin Pachta bewahrt.

Die Nacht des Don Juan ist ein großartiger historischer Roman, der sich selbst als Oper inszeniert. Überströmende Sinnlichkeit gepaart mit einer wunderbaren Musikalität -- mehr davon bitte! --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Hanns-Josef Ortheil ist mit der 'Nacht des Don Juan' ein überaus spannender, intellektuell erotischer Unterhaltungsroman gelungen." (Die Zeit )

"... ein Fest der raffinierten Schilderungen, der erlesenen Genüsse, abgeschmeckt mit jeder Menge literarischer Finesse, das der Autor seine Helden feiern lässt." (Neue Zürcher Zeitung )

"Hanns-Josef Ortheil hat mit seiner 'Nacht des Don Juan' einen nahezu perfekten Roman geschrieben, ein genau durchkomponiertes und zudem enorm kurzweiliges Werk." (Mannheimer Morgen )

Kurzbeschreibung

An einem Herbstabend des Jahres 1787 kommt Giacomo Casanova auf Einladung des Grafen Pachta nach Prag. Auch Mozart befindet sich in der Stadt an der Moldau. Er bereitet die Uraufführung der Oper aller Opern mit ihrer vollendet schwebenden Musik vor – „Don Giovanni“. Aber die Arbeit stockt. Der Librettist Lorenzo da Ponte gibt dem Verführer vulgäre, bestenfalls grobe Züge, die Sängerinnen neiden einander jede Arie, und Mozart fehlt die Ruhe, seine Partitur zu beenden; überall wird er von Verehrerinnen verfolgt. Casanova aber bringt den Glanz aus einer großen alten Zeit in die Stadt, er versteht Feste zu feiern, er weiß, über welche Rafinesse und Wortgewandtheit ein wahrer Verführer verfügen müsste. Und er hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, diese Oper zur Vollendung zu bringen – auch wenn er dazu einige höchst irdische Intrigen einfädeln muss ...

Nach „Faustinas Küsse“ und „Im Licht der Lagune“ hat Ortheil nun das große Finale seiner erotischen Kunst- und Künstler-Trilogie geschrieben. In diesem Roman geht es um Musik und das, was die Musik allein zu gestalten vermag: um Liebe. In einem Wirbel von Geschichten schildert Ortheil, wie eine der bedeutendsten europäischen Opern entstanden ist. Überwältigend zart und klug wie Mozarts Musik entspinnt sich dieses Buch, und obwohl drei Männer das große Wort führen, halten andere darin die Hauptrolle besetzt und führen insgeheim Regie: die Frauen.

Klappentext

"Hanns-Josef Ortheil ist mit der 'Nacht des Don Juan' ein überaus spannender, intellektuell erotischer Unterhaltungsroman gelungen."
Die Zeit

"... ein Fest der raffinierten Schilderungen, der erlesenen Genüsse, abgeschmeckt mit jeder Menge literarischer Finesse, das der Autor seine Helden feiern lässt."
Neue Zürcher Zeitung

"Hanns-Josef Ortheil hat mit seiner 'Nacht des Don Juan' einen nahezu perfekten Roman geschrieben, ein genau durchkomponiertes und zudem enorm kurzweiliges Werk."
Mannheimer Morgen

Über den Autor

Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Brandenburger Literaturpreis, dem Thomas-Mann-Preis, dem Georg-K.-Glaser Preis, dem Koblenzer Literaturpreis, dem Nicolas Born-Preis und jüngst dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1
In einer Herbstnacht des Jahres 1787 erwachte die junge Anna Maria Gräfin Pachta von einem furchtbaren Traum. Erregt, mit klopfendem Herzen, starrte sie gegen die dunkle Holzdecke des kleinen Zimmers, das sie erst seit einigen Wochen bewohnte. Es war eines der Zimmer des Damenstifts auf dem Hradschin, das die Kaiserin Maria Theresia für ausgewählte Töchter des böhmischen Adels eingerichtet hatte.
Anna Maria lag still, angespannt, mit steifen Gliedern, als könnte sie sich nicht mehr bewegen. Sie versuchte den Traum loszuwerden und ihn aus ihren Gedanken zu verdrängen, doch sie spürte am leichten Zittern der Hände, daß sie die Bilder noch immer verfolgten. Langsam stand sie auf, um das Fenster einen Spalt zu öffnen, dann schmiegte sie sich wieder unter die Decke. Oft schon hatte sie so gelegen, tagsüber, mit geschlossenen Augen, den Klängen lauschend, die von der tiefer liegenden Stadt herauf drangen.
Die Geräusche und Töne vermißte sie hier oben am meisten. Das elterliche Palais lag mitten im Gewimmel der Häuser, schon am frühen Morgen hatte man dort die Rufe der Händler gehört, das Knirschen der Kutschenräder auf dem Pflaster, die gedämpften Unterhaltungen und die am späten Vormittag in den Straßen und Wirtshäusern einsetzende Musik. Von Stunde zu Stunde hatte die Stadt mehr zu klingen begonnen, ein über den Mittag, wenn die Gaststuben längst gefüllt waren, anschwellendes Orchestrieren, als bliesen und geigten sie alle gegeneinander, bis von den Türmen nahe der Karlsbrücke die Posaunenchoräle erschallten und die Klangwelt der Stadt zudeckten mit den Echolauten ihres Geschmetters.
Im Stift aber war es oft so still, daß sie unwillkürlich bei den leisesten Geräuschen erschrak. Im ummauerten Garten des verzweigten Gebäudes fuhr sie zusammen, wenn plötzlich der Strahl eines Springbrunnens hochschoß, in den weiten Korridoren verfolgte sie das rasch verebbende Huschen von Schritten, und in der kleinen Kapelle hörte sie das leise Ticken einer Uhr so deutlich, als befinde sich die Uhr ganz nahe, während alle doch wußten, daß sie in der entfernt liegenden Sakristei stand.
Auch die anderen Stiftsdamen hatten ihre Empfindlichkeit bald bemerkt. Sie hatten ihr gut zugeredet und Rücksicht auf sie genommen, doch Anna Maria hatte sich weiter während des Tages bei geöffnetem Fenster auf ihr Bett gelegt, um mit geschlossenen Augen den von der Stadt aufsteigenden Klängen zu lauschen. Manchmal hatte sie sogar geglaubt, das feine Rauschen der Moldau am Wehr nahe der Karlsbrücke zu hören, es war ein summendes hintergründiges Rauschen gewesen, wie aus den Tiefen des Flusses.
Jetzt aber gelang dieses Spiel nicht so leicht wie am Tag. Sie hörte nur das weit entfernte Bellen eines einzelnen Hundes, und so stand sie schließlich doch wieder auf, noch immer mit stark klopfendem Herzen. Dort unten lag die Stadt, ja, wie gern wäre sie jetzt die breite Stiege hinuntergelaufen, um durch die Gassen zu gehen, sie wäre zu sich gekommen und sie hätte die schändlichen Bilder nicht so nahe gespürt. Der breite, silbern glänzende Fluß, auf dem sich der Mondschein wiegte, war gut zu erkennen, kleine Fackeln schwirrten über die Karlsbrücke.
Ihr Atem ging noch immer rasch, als wäre sie eine große Strecke gelaufen, sie wischte sich mit der rechten Hand über die Stirn. Sofort spürte sie den kalten, sich an den Haarenden ablagernden Schweiß, die feuchten Fingerkuppen waren so klebrig, als wäre die Feuchtigkeit Blut. Sie preßte die Finger gegen die Schläfen, doch während sie noch auf das nächtliche Stadtbild starrte, tanzten die Traumszenen wieder verstärkt vor ihren Augen.
In Gedanken hing sie noch an der Vergangenheit im elterlichen Palais, sie konnte sich von den Klängen und Bildern dort so schnell nicht befreien, obwohl ihr die meisten der dreißig Stiftsdamen zur Seite standen und ihr die Eingliederung in das neue Leben, das jeden Morgen gegen sieben Uhr mit der Frühmesse begann, so leicht wie möglich machten. Ihre Mutter war vor drei Jahren gestorben, die größere Schwester längst verheiratet, und die drei älteren Brüder lebten nicht mehr in Prag, sondern in Wien, wo sie ihren Pflichten am kaiserlichen Hof nachgingen.
Lange hatte der Vater nach einem geeigneten Aufenthaltsort für sie gesucht, doch erst nach mehreren Anträgen war ihr einer der begehrten Plätze des Damenstifts zuerteilt worden. Sie hatte nicht widersprochen. Auf Dauer konnte sie nicht mit dem Vater zusammenleben, es gehörte sich nicht, außerdem verschlang ein solches Leben viel Geld. Bis zu ihrer möglichen Heirat würde sie im Damenstift untergebracht sein, zumindest die Hälfte des Jahres, nur im Sommer würde sie den Vater auf seine Landgüter begleiten, wo sie auch ihren noch unverheirateten Brüdern wieder begegnen würde.
Sie versuchte, das elterliche Palais im Dunkel zu erkennen, doch als sie es aus dem Schwarzgrau der gedrängt stehenden Häuser nicht herausfand, begann sie zu beten. Sie murmelte »Heilige Jungfrau Maria«, doch die Worte erschienen ihr fremd, sie hörte sich ängstlich flüstern und spürte die nächtliche Kälte, so daß sie das Fenster schloß und begann, sich anzukleiden. Sie fühlte sich schwach, das Kleid schien sich wie ein schweres Gewicht auf ihren Körper zu legen. Sie dachte daran, sofort zu beichten, doch sie ließ den Gedanken rasch wieder fallen, so ein Ansinnen hätte zuviel Aufmerksamkeit erregt.
So stand sie am Fenster, wagte sich nicht zur Tür und scheute vor dem Bett weiter zurück. Es war, als hielte man sie gefangen und als könnte sie sich nicht mehr frei bewegen. Sie kniete sich hin und nahm das Brevier aus der Tischlade. Das laute Lesen war besser als das Murmeln zuvor. Sie fand viel Lateinisches und suchte die Seiten nach kaum verständlichen Stellen ab. Sie las unbeweglich, ohne abzusetzen, und sie nahm sich vor, es bis zum Morgengrauen zu tun.
Doch immer wieder tauchten die furchterregenden Bilder auf, sie schienen sich unter dem Türspalt, dem sie den Rükken zukehrte, hindurchzuzwängen. Dann sah sie die Gesichtszüge eines großen, kräftigen Mannes, vor dem die sonst verschlossene Tür ganz leicht aufsprang. Sie sah seinen Hut, den ein weißer Federbusch krönte, er warf ihn beim Hineinkommen in die Richtung der Tür, und sie erkannte den Degen mit einem kunstvollen Knauf, den zwei sich aufbäumende Schlangen verzierten. Er ließ ihn zur Seite, gegen die Wand fallen, während er mit der Rechten spöttisch grüßend durch die Luft fuhr, so daß sie den Löwenkopf seines Rings im Dunkel aufblitzen sah.
Er hatte sich über ihr Bett gebeugt, von seinem festen, zupackenden Griff war sie erwacht. Noch im Erwachen hatte sie sein Lachen gehört, das Lachen eines durch nichts aufzuhaltenden, zügellosen Menschen, und während sie sich gegen seine Zudringlichkeiten gewehrt hatte, war es ihr so vorgekommen, als lauerten vor der geöffneten Tür die neugierigen Augen der Prager Gesellschaft darauf, daß dem Eindringling sein grausames Vorhaben gelinge.

2
Casanova erwachte. Einen Augenblick lang versuchte er sich zu erinnern, richtig, gestern abend war er in Prag eingetroffen, er war jetzt in Prag, solch einen frühmorgendlichen Lärm gab es nur in dieser Stadt, die zu viele Musiker beherbergte, Blechbläser vor allem, die sich anscheinend schon sofort nach dem Erwachen an ihre Instrumente machten. Er reckte sich auf und lauschte ins Dunkel. Wahrhaftig, da blies jemand auf der Trompete, spitze, an der Decke entlanglaufende Töne, die sich zu knatternden Schauern verdichteten, unglaublich.
Er preßte die Zeigefinger in die Ohrmuscheln, doch das half nichts, jetzt hörte er sogar noch ein zweites Instrument, eine Klarinette, ja, eine sich verausgabende, Ton für Ton eine nicht enden wollende Treppe herunterpolternde Klarinette. Auf dem Tisch stand das Nachtglöckchen; es war aus Kristall, ein winziges Spielzeug, er läutete, so heftig er konnte, aber der zarte Glasklang wirkte gegen die Klänge von draußen nur wie ein schwaches, sich im weiten Raum...
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