In seinem Roman "Die Nacht des Don Juan" zeigt uns Hanns Josef Ortheil auf beeindruckende Weise die vermeintliche Entstehungsgeschichte der wunderbaren Mozart-Oper "Don Giovanni". Dabei beweist er eine ungeheure Sensibilität der Sprache und die Fähigkeit, eine völlig verzauberte Atmosphäre zu schaffen. Hier soll das erste Treffen zwischen dem Librettisten Da Ponte und eben jenen Casanova gelten, der in höherem Alter, also nach seiner Blütezeit die Stadt Prag besucht, und der durch die Oper des Salzburger Komponisten eine Wiederbelebung seiner eigenen Jugendzeit erfährt. Wie wunderbar ist dieser Dialog im Palais Pachta komponiert! Denn, und das ist einer der beeindruckendsten Aspekte bei diesem dritten Buch der Ortheilschen Künstler-Trilogie, der ganze Roman ist komponiert wie eine Oper. Die Dialoge erinnern an Duette - das erwähnte Gespräch weist beispielsweise die Konzeption eines Duettinos auf - die inneren Monologe W.A. Mozarts an die großen Arien. Das Fest, das Casanova veranstaltet, könnte jenes Fest des Don Giovanni sein, bei dem die feucht-fröhliche Champagner-Arie ertönt und wie bei Mozart erklingt auch im "Don Juan" bei Ortheil leise die Musik von Figaros Hochzeit im Hintergrund. Wie am Anfang schon erwähnt, begeistert das Werk nicht nur durch eine interessante Handlung, die im Übrigen große Lust darauf macht, die Oper tatsächlich zu hören, sondern auch durch die Atmosphäre, die dieser Roman aufbaut. Man fühlt sich als Leser entführt in das Prag des 18.Jahrhunderts und ist mitgerissen vom Geschehen. Ortheil, und dies ist ein weiterer Glanzpunkt dieses Werks, pflegt dabei eine unaufdringliche und melodische Sprache, die weder aufgesetzt noch lakonisch wirkt. Man könnte noch vieles mehr schreiben über diesen wundervollen Roman, zum Beispiel wie die handelnden Personen zu Pendants der Mozart-Figuren werden, oder wie sich bestimmte Elemente bis hin zu einzelnen Inhaltsabschnitten des "Don Giovanni" auf das Romangeschehen übertragen. Großartig, wie sich die Personen und Charaktere ineinander verstricken und welche Beziehungen sich zwischen ihnen ergeben. Letztlich also bleibt zu sagen, daß dieser Roman ein großartiger ist, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, "Die Nacht des Don Juan" gehört zum Besten, was im letzten Jahr zu lesen war.