Das gibt es selten. Ein Film der - mindestens - so gut gelingt wie der Roman, auf dem er basiert. Roman und Drehbuch stammen von dem im Ostdeutschland aufgewachsenen Journalisten Alexander Osang. Regisseur Matti Geschonneck, ebenfalls mit Ost-Biographie, machte aus Buchstaben Bilder.
Jan Josef Liefers lieh der Hauptfigur, dem Nachrichtensprecher Jan Landers, sein Gesicht. Einem konturlosen Menschen, der doch eigentlich immer nur alles richtig machen will. Und deshalb von Grund auf verkehrt ist. Ein Mann ohne Eigenschaften. Als sich der aus der DDR stammende Moderator in den 90er Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, für die Stasi gearbeitet zu haben, knickt nicht nur seine Karriere. Landers versteht die Welt nicht mehr. Kann er sich doch an nichts erinnern! Die fehlende, die verfälschte Erinnerung. Es ist ein großes deutsches Thema des 20. Jahrhunderts, das Osang mit den »Nachrichten« behandelt.
Eine taffe »Spiegel«-Reporterin (Dagmar Manzel) und ein verkrachter Lokaljournalist (Uwe Kockisch) wollen Landers auffliegen zu lassen. Eine Mediengeschichte also. Hier meistert der Film eine gefährliche Klippe. Denn Journalistenfiguren in Fernsehfilmen geraten fast immer hochnotpeinlich. Ausnahmen, wie etwa die Satire »Schtonk!«, bestätigen diese Regel. Zugegeben, manchmal droht die Schilderung des Medienmilieus auch in den "Nachrichten« in Klischees zu verfallen, etwa wenn die »Spiegel«-Konferenz inszeniert wird wie die »Focus«-Reklame im Fernsehen. Doch durch den besonderen Witz des Films, durch Karikatur und Parodie wird auch der Zuschauer, der die Medien- und Fernsehwelt von innen kennt, damit versöhnt. Eine Fernsehgeschichte im Fernsehen zu erzählen ist ein Wagnis. Gut, dass es hier eingegangen wurde.
Film ist - und das ist ein Gemeinplatz, den man gar nicht oft genug wiederholen kann - Teamwork. Und an diesem Fernsehfilm beeindruckten die Jury neben Buch und Regie, die hier ausgezeichnet werden, vor allem das gelungene Zusammenwirken aller Teile und Gewerke. Und zwar wirklich aller, nicht nur derer, die wie Kamera und die schauspielerischen Leistungen (wobei vor allem Henry Hübchen als Ex-Stasi-Offizier hervorzuheben wäre) schon auf den ersten Blick nicht zu übersehen sind. Vom Casting der Nebenrollen bis hin zu Ausstattung und Maske und der Auswahl der Locations - hier stimmt das Ganze dieser ausgezeichneten Produktion.