Die wenigsten Leser kennen ihn oder sie, die Nachrichtenjournalistin oder den Nachrichtenjournalisten. Sie sind selten so berühmt wie die Talkmaster oder Nachrichtensprecherinnen mit ihren sanften oder sonoren Stimmen und den strahlend weißen Zähnen. Aber ohne ihre Arbeit könnten wir uns in der Welt kaum orientieren. Das Auswählen, Recherchieren und Formulieren von Nachrichten - häufig unter hohem Zeitdruck - ist das eigentliche Kerngeschäft des Journalismus.
Dieses Kerngeschäft des Journalismus ist heute durch die unterschiedlichsten Entwicklungen bedroht. Erst kürzlich hat eine Studie über Journalisten in Deutschland (Siegfried Weischenberg u. a. 2006) gezeigt, wie schmal inzwischen der Graben zwischen kommerzieller Werbung, politischer Propaganda und soliden Informationen geworden ist. Eine große Anzahl von Journalisten kann nicht überleben, ohne sich für 'Pressearbeit' von Unternehmen und Organisationen bezahlen zu lassen.
Da ist es nicht verkehrt, dass mit diesem Buch an die Regeln des Nachrichtenschreibens erinnert wird, an ihre Objektivität und an das Ethos des wahrhaftigen Schreibens, das von keinem anderen Motiv getragen sein sollte als eben von der Leidenschaft zu (überprüfbaren) Fakten. Die 'Souffleure der Mediengesellschaft' (Weischenberg) sollten sich auf den essentiellen Kern ihrer Aufgaben in der Demokratie konzentrieren. Wie der Journalist oder die Rechercheurin ausschauen ist egal. Der Leser soll nicht verführt sonder er will wahrheitsgemäß informiert werden.
Die Regeln der Nachrichten sind zwar in allen Medien (Agentur, Zeitung, Internet, Radio und Fernsehen) gleich, aber die Untiefen von Texten, Bildern und Tönen sind doch recht verschieden. So haben sich die Herausgeber ' neben ihnen schreiben in den Unterkapiteln des Bandes noch weitere gelernte Journalisten ' entschieden, nicht einfach nur das Schreiben von Nachrichten zu beschreiben, sie haben die Nachricht in Text, Bild und Ton zu ihrem Gegenstand gemacht.
Leider haben sie jedoch darauf verzichtet, einen gegenwärtig sehr wichtigen Feind der Nachrichten ' das Feature ' mit darzustellen. Die bunte und wohlklingend vorgetragene Geschichte, die das Gefühl der Zuschauer, Hörer und Leser anspricht (und nicht ihren Verstand), fehlt in dem Kompendium. Wer die verschiedenen Wirkungen und Regeln von Nachrichten und Features verstehen möchte, muss sich zusätzlich den Klassiker unter den Büchern zum Nachrichtenjournalismus zulegen (Siegfried Weischenberg, Nachrichten-Journalismus, Wiesbaden 2001).
Trotzdem, wer - in der Ausbildung oder zum Selbststudium ' lernen will, wie Nachrichten gut gemacht werden, der sollte zu dem Buch von Dietz Schwiesau und Josef Ohler greifen. Schwiesau war früher Redakteur beim DDR-Rundfunk in Berlin und ist heute bei MDR1 Radio Sachsen-Anhalt zuständig für Nachrichten und Zeitgeschehen. Ohler war von 1964 bis 2002 Nachrichtenredakteur beim Saarländischen Rundfunk, heute ist er Fachbuchautor und Dozent. Auf unterschiedlichen Wegen haben beide gelernt, was Nachrichten sind und was sie nicht sein sollen.