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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein abgebrochener Büchsenöffner öffnet die Tür zum Kulturschock.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Nachhut: Roman (Taschenbuch)
Und wieder erweitert sich meine Büchersammlung vier je dreimal aufgestockte IKEA-Regale)um ein weiteres Werk: "Die Nachhut" Stellen Sie sich das vor: Sie verbringen sechzig Jahre ihres Lebens in einem Bunker. Mit ausreichender Nahrungsversorgung durch eine Vielzahl unterschiedlichster Konserven. Aber isoliert von jeglichem Geschehen in der Außenwelt. Und das in den Jahren von 1944 bis 2004. Warum Sie das tun sollten? Weil Sie als 15jähriger - geprägt von der Staatspropaganda der braunen Diktatur und voller jugendlicher Begeisterung - in den letzten Kriegsmonaten eingezogen und gemeinsam mit einigen anderen jungen, unerfahrenen Buben sowie einigen gestandenen Nazioffizieren in diesen Bunker abgeordnet wurden. Sie bekamen den Befehl, den großräumigen Bunker als Rückzugsraum für denjenigen bereit zu halten, der zur damaligen Zeit von vielen geradezu vergöttert wurde und dem unzählige junge Menschen blind folgten. Nicht wissend, wo er sie hinführen würde. Und weil der Bunker auch nach dem Krieg unentdeckt blieb, weil er ausgerechnet mitten in einem späteren Bombenübungsplatz lag und weil ausgeschickte Spähtrupps nicht mehr zurückkehrten, wähnten Sie sich all die langen Jahre noch immer im Krieg. Warum auch nicht: Sie hörten ja immer wieder den Lärm abgeworfener Übungsgranaten- und bomben. Und Sie folgten - wie auch von Ihren Vorgesetzten, die mit Ihnen im Bunker ausharrten verlangt - einfach ihrem Befehl, die Stellung besetzt und geheim zu halten. Nun sind 60 Jahre vergangen... und Ihr letzter Dosenöffner bricht ab. Und damit beginnt das Buch. Vier überlebende Soldaten der Waffen-SS verlassen nach 60 Jahren die Isolation. Ohne jegliche Information, was sich seit 1944 geändert hat. Aber bewaffnet. Und sie bemerken nichts von Frieden und Demokratie.... Das Buch ist durchaus spannend und dramatisch. Es ist aber auch intelligent, amüsant und lässt den Leser / die Leserin einen richtig bissigen Humor spüren. Und doch muss ich letztlich ein wenig leise Kritik anfügen: Der Autor hätte mehr aus der Geschichte und aus der hervorragenden Idee hinter der Geschichte machen können. Er führt die Handlung etwas zu zügig zum Ende. Das ist schade. Ich hätte gerne noch mehr gelesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Originell und unterhaltsam - und dennoch mit Niveau,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Nachhut (Gebundene Ausgabe)
Die "Nachhut" bilden in diesem Roman vier alte ehemalige SS-Männer, die nach 60 Jahren ihren unterirdischen Bunker verlassen und im modernen Deutschland des Jahres 2004 so ihre Probleme haben.Der geniale Kunstgriff des Autors Hans Waal besteht darin, die Story aus drei verschiedenen Perspektiven erzählen zu lassen: ein Alt-Nazi schreibt Tagebuch, aber auch eine Beamtin einer antifaschistischen Sonderkommission und ein junger Kameramann eines Privatsenders schildern ihre Sicht der Ereignisse. Dadurch verhindert der Autor jegliche Einseitigkeit in der Betrachtung dieses doch noch immer heiklen Themas. Eine Wohltat, dass hier satirisch und locker geschrieben wird, was aber nicht heißt, dass die Geschichte oberflächlich oder schnoddrig angegangen wird. Im Gegenteil: es darf eine ausgewogene Diskussion stattfinden in dieser unterhaltsam geschilderten Story, die in den richtigen Momenten auch kurz innehält und berühren kann. Ich muss gestehen, dass mir die Handlung einige Winkelzüge zuviel hatte und es auch 30,40 Seiten weniger hätten sein dürfen - aber dennoch: die Stilsicherheit des Autors und Journalisten Hans Waal ist beeindruckend. Eine originelle Geschichte unverkrampft und leicht erzählt und dennoch mit Niveau in Form und Inhalt - Chapeau ! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vergangenheitsbewältigung der besonderen Art,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Nachhut: Roman (Taschenbuch)
Kurz vor Kriegsende wurden einige junge Männer von der Waffen-SS rekrutiert, um ein Sonderobjekt zu schützen - eine riesige Bunkeranlage irgendwo südlich von Wittstock, in der Nähe eines Ortes namens "Gossow". Ihr Auftrag: Den Bunker zu halten, koste es, was es wolle. Und auf neue Befehle zu warten. Das taten sie dann auch, sechzig Jahre lang.Im Jahr 2004 zerbricht der letzte Dosenöffner, und die vier überlebenden SS-Männer wagen die Befehlsverweigerung: Sie verlassen den geheimen Bunker, den nach Kriegsende - von dem die Soldaten nichts wissen - niemand entdeckt hatte, und in dem sie weiterhin Kriegslärm hörten, weil sich direkt darüber ein NVA-Übungsgelände befand. Die alten Herren - alle weit über siebzig, einer gehbehindert und in einem mit Motorradfelgen zum Rollstuhl umfunktionierten Sessel unterwegs - schlurfen in SS-Uniformen und mit gut geölten Maschinengewehren bewaffnet durch die entvölkerte Region, finden die Autobahn und schießen auf einen Bus, ausgerechnet einen mit US-Soldaten an Bord. Kurz darauf besetzen sie eine kleine Kirche. Dass der Krieg längst vorbei ist, glauben sie nicht. Es sagt ihnen aber auch keiner so richtig. Das Geschehen ruft einerseits die Presse, vor allem ein zufällig in der Gegend tätiges Privatfernsehteam, und den Verfassungsschutz auf den Plan. Während die einen das Ganze für einen Ulk halten, fürchten die anderen um die Stabilität der wehrhaften Demokratie. Schnell werden die alten Nazis zum internationalen Politikum. Der Stern-Reporter, der hier unter einem Pseudonym schreibt, hat weitaus mehr vorgelegt als nur eine kleine Politsatire. Aus verschiedenen Perspektiven seziert er die Befindlichkeiten, die auch über sechzig Jahre nach Kriegsende noch den Umgang mit der Nazi-Zeit und ihrem Erbe betreffen. "Die Nachhut" ist ein politisches Buch, das auch vom entsprechenden Duktus beherrscht wird. Wer eine brachiale Geschichtshumoreske im Stil von Mel Brooks erwartet, wird enttäuscht werden. Waal führt seine Protagonisten nicht vor, sondern zeigt sie in ihrer entlarvenden Menschlichkeit, von der die politische Überzeugung, ob anerzogen oder frei gewählt, nur ein Teil ist. Das ist zwar auch lustig, etwa als die vier in das Set eines Kriegsfilms stolpern und mit echten Waffen auf Statisten schießen, oder als einer der SSler auf einen alten DDR-Nostalgiker trifft und beide lange glauben, von derselben Sache zu reden, aber meistens ist es eine relativ nüchterne Innenschau einer Republik, die auch über sechzig Jahre danach mit ihrer Vergangenheit keineswegs zurechtkommt. "Die Nachhut" ist zwar sehr unterhaltsam, gelegentlich amüsant, aber in erster Linie ernüchternd. Denn die Botschaft lautet: Begriffen hat auch heute noch niemand so recht, was "damals" passiert ist. Oder man will es nicht wahrhaben. Was schlimmer wäre. Schlau, böse, empfehlenswert. Nur manchmal ein bisschen schwafelig. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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