Die Nürnberger Prozesse sind eine weltgeschichtliche Besonderheit: Siegerjustiz zwar, aber eine Siegerjustiz, die sich den Prinzipien der Fairneß und des Völkerrechts verschrieben hatte. Das merkt man den hier gebotenen Mitschnitten an: betont sachlich ist der Ton, in dem die Ankläger die Angeklagten ausfragen. Man merkt auch, daß die Fairneß ihre Grenzen hatte, schon weil nach angelsächsischem Prozeßrecht verhandelt wurde, in dem die ausschließlich deutschen Verteidiger nicht so versiert sein konnten, zumal ihnen weniger Möglichkeiten zur Verfügung standen als der Anklage.
Ansonsten bieten die hier zu hörenden Ausschnitte wenig Erhellendes, und man ist doch etwas enttäuscht: von der versprochenen Dramatik, von Bloßstellung und Entlarvung der Verbrecher spürt man wenig. Meist wird in Details gebohrt: wer war wofür zuständig und wußte wann was? Welche Aufgaben hatte Schleicher in der Reichsregierung? Welche Kompetenzen hatte der Generalstab unter Hitler? Was war in den Schließfächern der Reichsbank? Was bedeutet "schanghaien"? Usw. Das kann schnell langweilig werden, zumal man wenig darüber erfährt, worauf der Fragesteller eigentlich hinauswill, wenn er hartnäckig auf bestimmten Einzelheiten herumreitet. Die Einleitungen von Peter Steinbach zu jeder Folge sind zwar voll von Moralin, marxistischen Worthülsen und schlechtem Deutsch, bieten aber wenig Informationen zu dem, was man gleich zu hören bekommt. (Verwundert hat mich seine Lobeshymne auf Feldmarschall Paulus, den er fast zum Widerstandskämpfer hochstilisiert, weil er sich in der Gefangenschaft für die sowjetische Propaganda einspannen ließ.)
Es handelt sich um die CD-Ausgabe einer Sendereihe im Radio: pro CD eine Folge. Deshalb wird der Raum auf der CD nicht ausgenutzt. Ein beträchtlicher Teil geht auch noch für die Steinbachschen Eingangsvorträge weg, so daß man eigentlich recht wenig Originalmaterial zu hören bekommt, jedenfalls nicht genug, um sich selbst ein Bild zu machen. Aber das scheint auch nicht der Zweck dieser Veröffentlichung zu sein.
Jede CD kommt in einem eigenen Jewel Case. Das ist für die Handhabung sehr umständlich und verbraucht viel Platz, mehr als dieser Veröffentlichung von ihrer Bedeutung her zukommt. Man kann mit ihrer Hilfe sein Bild von den Protagonisten des Dritten Reiches ein wenig abrunden, mehr aber nicht.