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Die Närrin
 
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Die Närrin [Gebundene Ausgabe]

Svetlana Vasilenko , Esther Kinsky
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Dva; Auflage: 1., Aufl. (11. Februar 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3421056080
  • ISBN-13: 978-3421056085
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.110.031 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 04.10.2003
Eine spezifische Rolle für die Frau sah der sowjetische Kommunismus nicht vor, schreibt die Rezensentin Katharina Granzin. Die herrschende Ideologie sah in der Frau ein eher geschlechtsloses Wesen, das sich jedoch auf "libidinöse" Weise der Arbeit hingab. Dass dem nun nicht mehr so ist, zeigt die Rezensentin an drei neueren, russischen Romanen auf, die mit dem Klischee der sowjetischen Heldin aufräumen: Alexander Ikonnikows "Liska und ihre Männer", Michail Kononows "Die nackte Pionierin" und Svetlana Vasilenkos "Die Närrin". Bei Svetlana Vasilenko stehen sich zwei völlig gegensätzliche Frauenbilder direkt gegenüber, in der Konfrontation zwischen einer sich immer wieder reinkarnierenden, "unschuldigen" und "entrückten" Närrin und der erzkommunistischen und dümmlich verbohrten Waisenhausleiterin Traktorina Petrovna. Vasilenkos Närrin sieht die Rezensentin einer deutlich "christlichen" Tradition verpflichtet, dem "mythisch geladenen Konzept reiner Weiblichkeit, das den irdischen Körper transzendiert". Mit "betont kargen sprachlichen Mitteln", lobt die Rezensentin, schafft Vasilenko eine "archaische" Atmosphäre, die als "surrealistisch geladene" und doch alte "Heiligenlegende" erscheint, voll "selbstverständlicher, kindlicher Religiosität", und in der das "Heilige über das Profane" siegt, "das Mythische über das Rationalistische" und schließlich "das alte Russland über die Sowjetmacht". Mit diesem Roman, so die erfreute Rezensentin abschließend, betreibt die Autorin den "Exorzismus der gesamten sowjetischen Epoche".

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 19.04.2003
Einen ganz "eigenen Zauber" bescheinigt die Rezensentin Maike Albath Svetlana Vasilenkos Geschichte um das "schwachsinnige", aber hellseherische Mädchen Hanna, das den Soldaten der Sowjetmacht entkommt, als die das ganze Dorf niedermetzeln, und durch die Steppe flieht. Jahre später, so Albath weiter, taucht am Raumfahrtstützpunkt Kasputin Jar Nadjka auf, ein Mädchen, in der die kleine Hanna wiederkehrt, und die die Einwohner zur vergessenen Religiosität zurückbringt. Auch sie muss irgendwann fliehen, und es weben sich Legenden um das "streunende Mädchen", dessen Kräfte immer mehr zunehmen und das sich als eine Art Heilige entpuppt. Ein wenig fühlt sich die Rezensentin an die Naive Malerei erinnert, in der Art, wie Vasilenko die "magisch-bäuerliche Tradition" mit "Elementen aus der christlichen Ikonografie" verknüpft, und nebenbei mit dem Sowjet-Regime und dessen Ästhetik - hier allerdings ironisch - abrechnet. Und wenn auch diese märchenhafte und zugleich sozialistisch-konturhafte Erzählweise, die die Rezensentin an die Fresken der Moskauer U-Bahn erinnern, den westlich geprägten Leser zunächst befremden können, so ist der Roman doch ein von "unerklärlichen Korrespondenzen" durchdrungenes, "eigentümlich irisierendes Geschichten-Gewebe", in dessen Mitte Hanna sich als "Chiffre für die unsterbliche Seele", für den "Kern des Menschlichen" lese.

© Perlentaucher Medien GmbH

Über den Autor

Esther Kinsky, geboren 1956, hat Slawistik und Anglistik in Bonn und Toronto studiert. Sie arbeitet als Übersetzerin aus dem Polnischen, Englischen und Russischen. Ihr übersetzerisches Oeuvre umfasst u. a. Werke von Ida Fink, Hanna Krall, Ryszard Krysnicki, Aleksander Wat, Joseph O'Connor und Jane Smiley. Esther Kinksy lebt in Berlin. 2009 wurde sie mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet und 2011 erhielt sie den Karl-Dedecius-Preis.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Bernhard Nowak TOP 1000 REZENSENT
Svetlana Vasilenko hat mit "Die Närrin" ein wunderbares Buch geschrieben. Die Protagonistin, die 13-jährige Nadjka kehrt eines Tages in ihr Heimatdorf zurück und zwar genau an die Stelle, wo sie vor Jahren ausgesetzt worden war. Bruder Marat rekonstruiert ihre Lebensgeschichte: Weil das Mädchen geistig behindert ist, kümmerte sich niemand um sie und überließ sie ihrem Schicksal. Sie lebt in einem Heim, von dem sie flieht. Sie trägt die Züge einer mythischen Lichtgestalt, einer Wunderheilerin. Doch die Odyssee erreicht ihren Höhepunkt im Oktober 1962, als die Kuba-Krise ausbricht. Die Bewohner fürchten einen Atomkrieg und erwateen in Hysterie und Todesangst das Ende...

Das Buch steht eindeutig in der Tradition Fjodor Dostojewskis und seiner "Erniedrigten und Beleidigten". Die Närrin ist eine Nachfolgerin der "Sonja" aus Dostojewskis: "Schuld und Sühne". Auch der jünste der Brüder Karamasow, Aljoscha mit seiner naiven Gutmütigkeit läßt grüßen. Am ehesten aber erinnert "Der Idiot", Fürst Myskin, an das vorliegende Buch, welches Motive dieses Hauptwerkes Dostojewskis eindeutig übernommen hat.

Das Buch ist wunderbar und von einer stilistischen Klarheit und Brillianz, dass ich nur sagen kann: jeder lese dieses wunderbare 190-seitige Meisterwerk, welches zu recht mit dem Novij-Mir-Preis für den besten russischen Roman des Jahres 1998 ausgezeichnet worden ist.

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