Maya hätte eine schöne Zukunft haben können. Sie hätte besser leben können als Bhima, ihre Großmutter, die Maya großzieht. Sie hätte nicht ihr Leben lang im Bombayer Slum leben müssen, sondern hätte mit ihrer Intelligenz und der Schulausbildung, die Bhimas Arbeitgeberin und Freundin Sera ihr bezahlt, einen gut bezahlten Job annehmen und in eine kleine Wohnung in der Stadt ziehen können. Doch Maya ist schwanger. Mit siebzehn Jahren würde sie Mutter werden. Und den Vater des Kindes verrät sie nicht. Bhima ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu dem Mädchen und der Wut auf sie und das Ungeborene. Oft stellt sie sich vor, wie sie Mayas Bauch einen Tritt gibt und sich so des Problems entledigt. Im nächsten Moment möchte sie Maya in den Arm nehmen.
Sera beobachtet nun schon seit einer Weile, wie unkonzentriert Bhima ist. Zu oft kommt sie zu spät. Ihr Schwiegersohn Viraf rät ihr dazu, Bhima zu kündigen. Doch auch Sera steckt in einer Zwickmühle: Bhima ist nun seit über zwanzig Jahren bei ihr und obwohl sie ihr nicht erlaubt, das gleiche Geschirr und Besteck zu benutzen oder am Tisch zu sitzen, ist sie sehr gut mit ihr befreundet und Bhima gehört irgendwie zur Familie. Wie kann sie ihr kündigen? Auch Sera ist genervt über Mayas Zustand. Sie hat sich für das Mädchen eingesetzt und das dumme Ding reißt für den erstbesten die Beine auf. Natürlich würde sie so etwas vor Bhima nie sagen. Vielleicht sollte sie zuerst Bhimas Gehalt kürzen? Sie bezahlt ihr sowieso mehr als üblich ist. Seit ihr Mann Feroz gestorben ist, wohnen Dinaz, ihre ebenfalls schwangere Tochter, und Viraf bei ihr, um ihr Gesellschaft zu leisten. Vor Kurzem hatten die beiden Streit, doch jetzt scheint wieder alles in Ordnung zu sein. Für Sera gibt es in Mayas Fall nur eine Lösung: Abtreibung. Selbst die würde sie bezahlen! Nur Bhima und das Mädchen müssen noch überzeugt werden.
Wer ist nun der Vater des Ungeborenen? Wird Maya einer Abtreibung zustimmen? Wird Bhima es tun? Wer Antworten will muss wohl das Buch lesen.
Manchmal sind die Rückblenden in die Leben der Charaktere etwas verwirrend und reißen den Leser etwas aus dem Kontext, manchmal fehlen einem konkrete Dialoge, aber dafür gibt es bei mir keinen Minuspunkt, denn mit den Beschreibungen der Charaktere, ihren Eigenarten und den Gründen für ihr Verhalten machen Thrity Umrigar und Svenja Geithner alles wieder wett. Die Dialoge müssen in sofern fehlen als dass man sich so bewusst wird, wie viel Unausgesprochenes zwischen den Personen liegt.
Für mich ein sehr schönes Buch über die Kastenunterschiede, über Frauenfreundschaft zwischen den Kasten, über Kommunikation in Indien und noch vieles mehr.