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Eine Sternstunde der Literatur - und ein imposantes Mahnmal gegen Unterdrückung und (seelische und körperliche) Grausamkeiten, 15. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Nächte mit Paul oder der Tag ist anderswo (Taschenbuch)
Es kommt so unscheinbar daher - aber bereits das ausgewählte Gedicht und die eindringliche Zeichnung von Corinna Luedtke (sowie bei näherer Betrachtung auch das Cover), machen einem unmissverständlich klar, ein ganz besonderes Buch in den Händen zu halten. Von Anfang an begegnet mir Luisa wie eine Freundin, die sich mir immer mehr anvertraut. Die ich kennen lernen darf - mit all ihren Sehnsüchten und Sorgen. Von Seite zu Seite wächst man stärker mit ihr zusammen. Ich habe mit ihr gelitten ... und mich auch mal über sie geärgert. Stichwort: berufliche Unzuverlässigkeit; damit hat sie mich schier zur Weißglut getrieben. Wie ein Puzzle komplettiert sich das Szenario. Ein ewiges Hoffen, Bangen und Hadern. Liebe ist stärker als jede Vernunft. Stärker als etwaige Zweifel. Stärker als die Angst. Bis dann die Angst stärker ist als die Liebe. Paul über seine Eltern: "Sie lieben nicht und sie leben nicht". Und manchmal muss man aufhören zu lieben, um wieder leben zu können. Eine sehr leidenschaftliche, emphatische und bewegende Geschichte, die mich gefesselt und begeistert hat. Erwartungsvoll und begierig halte ich nun Ausschau nach den nächsten Projekten dieser außergewöhnlichen Autorin und Künstlerin.
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Licht und Schatten, 17. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Nächte mit Paul oder der Tag ist anderswo (Taschenbuch)
Nach der ersten Lektüre dieses Buches dachte ich: Jeder, der irgendwann mal ebenso verzweifelt geliebt hat wie Lusia, jede Geste, jeden Blick des anderen versucht hat zu deuten, weil er nicht wusste, woran er war, sich an die kleinsten Dinge geklammert hat, für den ist dieses Buch wie ein Blick in den Spiegel, als würde man die eigene Geschichte in einem Tagebuch lesen. Erschreckend aber doch, wie weit Luisa sich hat manipulieren, steuern, sich zum Werkzeug hat machen lassen. Ich hätte sie am liebsten geschüttelt. Liest man das Buch ein zweites Mal, erlebt man, dass sich völlig neue Sichtweisen erschließen. Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verwischen. Die Frage stellt sich, ist ein Täter immer nur Täter oder möglicherweise auch ein Opfer? Was hat die gestörte Kommunikation zwischen den beiden Protagonisten bewirkt? Was wäre passiert, wenn sie sich wirklich ausgetauscht hätten? Ist Paul vielleicht auch Werkzeug von Luisa? Mittel zum Zweck, um sich selbst zu beweisen? Das langsame Abdriften in die Spirale aus beiderseitiger Abhängigkeit und und unterschwelligen Forderungen sorgt letztendlich für die Erkenntnis, das wirklich nicht klar definierbar ist, wer Täter und wer Opfer ist bzw. wer die Schuld trägt. Es ist ein schwieriges Buch, keines, das gefallen will. Aber eines, dessen Lektüre sich lohnt und das auch bei erneutem Lesen ständig andere Interpretationsmöglichkeiten und Blickwinkel lässt. Vieles, was einem beim ersten Lesen als klar erschien, stellt sich bei neuerlicher Lektüre plötzlich ganz anders dar, und dies ist das absolut faszinierende an diesem Buch. Es ist wie ein Kaleidoskop mit sich ständig ändernden Facetten. Verfasst in einer schönen, manchmal sehr sachlichen schnörkellosen Sprache, die sich nicht an die heutige Zeit und Wortwahl anpasst und mich damit beim Lesen aber völlig überzeugt hat. Ein Buch, das ich sicher nicht mehr vergessen werde.
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Abhängigkeit eines Opfers, 6. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Nächte mit Paul oder der Tag ist anderswo (Taschenbuch)
Luisa lernt in der Kneipe "Podium" Paul kennen und verliebt sich in ihn. Paul verkörpert für Luisa Selbstvertrauen, Eigenständigkeit und Stärke, Eigenschaften, die Luisa gerne hätte. Luisa gleitet nach und nach in eine zunehmende Abhängigkeit von Paul. Die Treffen der beiden scheinen zufällig, werden jedoch in Wahrheit von Paul diktiert. Überhaupt übt Paul zunehmend Druck auf Luisa aus, was sich in seiner provozierend respektlosen Art und in der Sexualität zeigt, die mehr und mehr von Pauls Gewalt bestimmt wird. Im Laufe des Buches wird immer mehr klar, warum Luisa und Paul an dieser zerstörerischen Beziehung festzuhalten scheinen. Paul hatte eine Kindheit, die von körperlicher Gewalt und Zurückweisung geprägt war. Luisa lebt immer noch in einem einengenden Verhältnis bei ihrem überbesorgten Vater. In sprachlich wunderschöner Form stellt Corinna Luedtke dar, dass sowohl Pauls als auch Luisas Verhalten vor dem Hintergrund ihrer Kindheit zu sehen sind. Dabei wird jedoch nichts beschönigt, entschuldigt, nichts ist klischeehaft. Ein einfühlsamer Roman, der den Weg von Luisa raus aus ihrer Abhängigkeit schildert.
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