Hätte diese hochintelligente Frau nicht schon vor vielen Jahren sowohl dem bürgerlichen Establishment als auch den turbokapitalistischen Akteuren auf den internationalen Geldbühnen den Kampf angesagt, würde man ihren Namen heute im gleichen Atemzug nennen wie den französischen Hellseher Nostradamus - so prophetisch ist dieses Buch aus dem Jahr 2001. Ihre "Prophezeiungen" sind Punkt für Punkt eingetroffen. Stattdessen wird diese Frau völlig zu Unrecht, aber höchst medienwirksam und beständig, lächerlich gemacht.
Aber die Zeit arbeitet für Frau Wagenknecht. Selbst geballteste Medienmacht kann Menschen nicht dauerhaft einreden, es ginge ihnen besser, wenn es ihnen real immer schlechter geht. Und irgendwann merkt auch der Dümmste, dass dieselben Politiker, die uns seit vielen Jahren einreden, es sei weder Geld für Gesundheit noch für Bildung noch für Soziales da, über Nacht 480 Mrd Euro für die Rettung angeschlagener Institutionen (Banken, Versicherer, Hypothekenfinanzierer) zur Verfügung stellen, deren turbokapitalistischen Akteure genau die Misere verursacht haben, für die wir noch viele Jahre lang in Form von weiteren sozialen Einschnitten und Steuererhöhungen haftbar gemacht werden.
Freie Märkte unter exzessiv turbokapitalistischen Bedingungen heilen nicht, sie töten - und zwar in erster Linie sich selbst. Wenn die Autorin die Vergesellschaftung der DAX-Unternehmen empfiehlt, dann nur deshalb, weil in einigen dieser Bereiche die Marktmechanismen generell nicht funktionsfähig sind. Völlig anders sind die Verhältnisse im Mittelstand, sei es in Handwerk, Landwirtschaft, Dienstleistungssektor oder produzierendem Gewerbe. Hier wäre eine Vergesellschaftung absolut fehl am Platze, sagt die Autorin. Frau Wagenknecht ist also keinesfalls ein rückhaltloser Verfechter des DDR-Sozialismus. Genauso wie das gesunde Konzept der Sozialen Marktwirtschaft innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem pathologischen Turbokapitalismus deformiert wurde, unter dem nun ganze Volkswirtschaften leiden, unterliegt auch der Sozialismus einer (hoffentlich positiven) Evolution. Niemand will 1:1 zu den alten DDR-Verhältnissen zurück - am wenigsten die Autorin.