Die Mutter der Pille" ist die Autobiographie eines ehrgeizigen und erfolgreichen Wissenschaftlers. Wie der Titel ankündigt, handelt ein großer Teil des Buches von der Geschichte der „Pille", an deren Entwicklung und Verfechtung der Autor maßgeblich beteiligt war. Das Puzzlespiel im Labor, das Konkurrenzdenken unter Wissenschaftlern, die Erlangung der Genehmigung für den Vertrieb eines Arzneimittels: Djerassi gewährt uns Einblicke aus erster Hand in die Entwicklung neuer Chemikalien und Arzneimittel. Besonders ergiebig ist aber vor allem seine Aufarbeitung sozialer und demographischer Aspekte des Einsatzes oraler Kontrazeptiva in der heutigen Gesellschaft.
Leider bremst Djerassi bisweilen den Leseeifer mit Details über die Unternehmenspolitik seiner eigenen Firma oder über die zahlreichen Einzelschritte bei der Entwicklung künstlicher Hormone. Wahrscheinlich gelänge es ihm besser, seine Faszination für diese Naturwissenschaft auf den Leser zu übertragen, wenn er ihn für etwas aufgeweckter halten und mehr Einzelheiten über die Methoden seiner Forschungsarbeiten verraten würde. Stattdessen scheint er zu glauben, uns nur durch bildhafte Gleichnisse die Natur seiner Arbeit nahe bringen zu können.
Akademischer Ruhm und ungebremster Forscherdrang lassen Djerassi in der Welt herumkommen. So kommt es, dass sein Buch an vielen Stellen einem Reisebericht gleichkommt, der uns oft mit Anekdoten amüsiert, aber auch eine Vorstellung von den Arbeitsbedingungen eines Wissenschaftlers in manch fernem Land vermittelt. Besonders der Kontakt mit russischen Kollegen hat bei Djerassi Eindrücke hinterlassen. Zairische Zwergschimpansen und Schwämme aus tropischen Gewässern sind nur einige Forschungsgegenstände, die Djerassis Interesse fesseln.
Auch ohne sich in wissenschaftliche Details vorzuwagen gibt das Buch einen intensiven Einblick in Arbeit und Leben eines vielseitigen Wissenschaftlers, der schließlich auch erkennen muss, dass sein bedingungsloser Einsatz für seine Arbeit in seinem privaten Leben so manche Narbe hinterlässt.