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Die Mutter. Die Biographie: Mutters Chronik, Bd.3, Mirra die Okkultistin
 
 
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Die Mutter. Die Biographie: Mutters Chronik, Bd.3, Mirra die Okkultistin [Broschiert]

Sujata Nahar

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Kurzbeschreibung

MIRRA DIE OKKULTISTIN ist Buch drei in MUTTERS CHRONIK. Im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts taucht Mirra tief ins Reich des Okkultismus. Ihre Lehrer dabei sind Max Théon, eine geheimnisvolle, mit den alten Überlieferungen bestens vertraute Gestalt, und seine Gattin Alma - ein Paar mit ganz außerordentlichen okkulten Fähigkeiten. Die Erforschung des Okkultismus führt Mirra durch viele Welten, in die Vergangenheit und Zukunft unserer Erde, eine Reise voller atemberaubender Abenteuer und Begegnungen mit seltsamen Mächten ... bis zu dem Moment, wo sie die Grenzen dieser täuschend-schillernden Welt des okkulten Wissens hinter sich läßt. Die erste Grundlage für Mirras Mission auf Erden ist gelegt.

Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers. Alle Rechte vorbehalten.

Kapitel 15

An der Schwelle zum Formlosen

Wochen und Monate verstrichen nach der Rückkehr der Morissets von Algerien. Der Beginn des Jahres 1907 lag schon etliche Zeit zurück. Mirra war neunundzwanzig Jahre alt. Die zehn Jahre ihres intensiven Austausches mit Künstlern neigten sich dem Ende zu - sie hatte die Grenzen ihrer Welt erkannt. Nach einem zehnjährigen Zusammenleben mit Henri wurde es für sie immer klarer, daß die Zeit des Abschieds gekommen war.

Sie kehrte das zweite aufeinanderfolgende Jahr nach Tlemcen zurück.

"18. Juli 1907 - Mirra ist gekommen", lautete Teresas Notiz in ihrem Tagebuch.

Recht unerwartet stand Mirra bei diesem zweiten Besuch in Tlemcen an der Schwelle zur Entdeckung eines Geheimnisses. Mutter verriet dies Satprem, als sie eine Frage von ihm beantwortete. Er wollte "den Prozeß verstehen" - den Prozeß Sri Aurobindos oder des Veda - durch den das Supramental gefunden werden konnte.

Sie antwortete: "Meine eigene Erfahrung kenne ich, und darüber kann ich im Detail sprechen. Hinzukommt, was Théon und Madame Théon dazu sagten."

Worauf sie sich zur Vision Théons und Madame Théons äußerte, die derjenigen des Veda sehr nahe kam - die Welt der Wahrheit, die sich auf der Erde verkörpern und eine neue Welt schaffen muß. "Sie griffen sogar den alten Ausdruck aus den Evangelien auf: 'Ein neuer Himmel und eine neue Erde.'

Théon wußte nämlich auch davon. Er wußte davon und nannte sie 'die Neue Welt', glaube ich, oder 'die neue Schöpfung auf Erden und der verklärte Körper'. Jedenfalls wußte er von der Existenz des Supramentals - diese war ihm offenbart worden, und diese kündigte er an. Auch sagte er, daß sie durch die Entdeckung des inneren Göttlichen erlangt würde, und dies werde dann zur eigentlichen 'Sache' führen. Für ihn, wie ich dir schon kürzlich erzählte, hatte die 'Sache' eine größere Dichte - es scheint eine richtige Erfahrung zu sein. Auch ich stellte dazu meine Nachforschungen an, und ich sah die Geschichte der Erde in unzähligen Visionen, über die ich oft mit Sri Aurobindo sprach."

Ihm teilte sie auch mit, was ihr Théon über Barlet gesagt hatte, und sie erzählte ihm von "Théons Idee, daß der vollkommene Mensch, der unsterbliche Mensch kugelförmig sein werde." Sri Aurobindo, der immer Sinn für Humor hatte, kam darauf in einem informellen Gespräch mit seinen Schülern zu sprechen. "Diese Frage der Natur des supramentalen Körpers wurde von Théon beantwortet. Er war damals in Frankreich und sagte, der supramentale Körper werde ein 'Körper des Lichts, un corps glorieux' sein. Er hatte eine Anzahl Schüler, von denen einige Mathematiker und Wissenschaftler waren. Einer von ihnen kam eines Tages mit der Lösung, daß der Körper des Übermenschen eine Kugel sein werde. Théon sagte: 'Das mag wohl sein, aber es wäre recht unbequem, wenn sich die Leute küssen wollten!'"

Obwohl Théon alles Wissen zur Verfügung stand, war es in Wirklichkeit seine Frau, die sämtliche Erfahrungen für ihn machte. Mutter gab eine anschauliche Beschreibung des dabei verwendeten Vorgehens. "Madame Théon machte diese Erfahrung, und sie war es, die mich - ich kann nicht sagen 'lehrte', aber mir doch den Schlüssel gab, wie es getan werden konnte. Sie pflegte aus ihrem Körper auszutreten und vollbewußt in die Vitalwelt einzutreten - es gab auch viele Zwischenzustände, wenn man sich darauf einließ, diese zu erforschen. Nach der Vitalwelt kam die Welt des Mentals, man trat bewußt aus dem Vitalkörper und ließ diesen zurück - man konnte ihn beobachten und trat dann in die Mentalwelt ein. Dann verließ man den Mentalkörper und trat in ... Auf diese Weise trat sie nacheinander aus zwölf verschiedenen Körpern aus. Sie pflegte einen Körper zu verlassen und in das Bewußtsein der neuen Ebene, in der sie sich befand, einzutreten - sie war äußerst 'geformt', verstehst du, individualisiert und organisiert, meine ich, um die Umgebung und alles, was dort war, voll zu erfahren und dann zu beschreiben. Und dies zwölf Mal hintereinander."

Der indische Begriff für diese Körper lautet kosha oder "Hülle". Man verläßt seine "nährende Hülle" oder den materiellen Körper auf der materiellen Ebene. Darauf betritt man in seiner vitalen Hülle die vitale Ebene. Dort legt man diese Hülle erneut ab, um dann den Bereich des Mentals zu betreten usw.

"Auch ich tat dies", sagte Mutter, "sogar mit großem Geschick. Ich konnte auf einer beliebigen Ebene Halt machen, um dort zu tun, was zu tun war, mich dort bewegen, mich umschauen, studieren und dann berichten, was ich gesehen hatte. Und die letzte Stufe, die ich erreichte, berührte den Bereich des Formlosen. Théon benutzte dafür beinahe die jüdische Terminologie: er nannte das Höchste ohne Gestalt 'das Formlose'. Von dieser letzten Stufe - die Théon als 'Pathetismus' bezeichnete, ein sehr barbarisches, aber ausdruckskräftiges Wort - ging man weiter zum Bereich des Formlosen. Es gab keinen weiteren Körper zurückzulassen, man war jenseits aller Formen, sogar aller Gedankenformen; alle möglichen Formen waren erschöpft. In diesem Bereich erfuhr man eine totale Einheit - Einheit in etwas, das die Essenz der Liebe selbst war. Die Liebe war eine 'dichtere Manifestation', pflegte er immer zu sagen; in seiner Lehre gab es alle möglichen Arten verschiedener 'Dichtigkeiten'; die Liebe war eine 'dichtere' Ausdrucksform von dem. das war die Empfindung einer vollkommenen Einheit - eine vollkommene Einheit und Identität -, und das besaß keinerlei Formen mehr, die jenen der unteren Welt entsprachen. Es war ein Licht, ein beinahe makelloses weißes Licht, aber mit einem goldenen Rosa darin. Worte sind bloße Annäherungen. Dieses Licht und diese Erfahrung waren wirklich wunderbar, unsagbar", - Mutter schüttelte den Kopf.

"Nun denn, als ich einmal an dieser Schwelle stand - Théon sagte mir, ich solle nicht weitergehen, weil man von dort nicht mehr zurückkehrte -, aber einmal dort angelangt, wollte ich auf die andere Seite gehen. Da befand ich mich recht unerwartet und überraschend in der Gegenwart des 'Prinzips', wenn man so will, eines Prinzips der menschlichen Form. Es hatte keinerlei Ahnlichkeit mit dem Menschen, wie wir ihn kennen, aber es war ein Wesen von aufrechter Gestalt, das an der Grenze zwischen der Welt der Formen und dem Formlosen stand, wie eine Art Prototyp. Damals hatte ich noch nie davon gehört, und auch Madame Théon hatte es nie gesehen. Niemand hatte je etwas gesehen oder gesagt. Aber ich spürte, daß ich vor der Entdekkung eines Geheimnisses stand."

Während eines anderen Gesprächs war Mutter auf die Evolution der menschlichen Form zu sprechen gekommen, welche sich in Richtung einer Verringerung des Unterschieds zwischen der männlichen und weiblichen Form entwickelt. "Mehr und mehr ähneln sie dem, was ich auf der höchsten Höhe gesehen hatte. Ich sah es zu Beginn des Jahrhunderts, noch bevor ich von Sri Aurobindos Existenz wußte und ohne daß ich das Wort 'Supramental' je gehört hätte - nichts davon. Dort auf der höchsten Höhe, an der Schwelle zum Formlosen, an der äußersten Grenze, sah ich eine ideale Form, die jener der menschlichen Form glich. Es war eine ideal-typische Form, weder Mann noch Frau. Eine lichtvolle Form, eine Form goldenen Lichts.

Später, als ich Sri Aurobindo traf und mit ihm darüber sprach, sagte er mir: 'Dies ist bestimmt der Prototyp der supramentalen Form.' Ich sollte sie noch mehrere Male sehen, folglich mußte es wahr sein.

Ich machte dieses Experiment ungefähr im Jahr 1904 - ich glaube es war 1904." In Wirklichkeit war es 1907. "Als ich hier ankam, war es folglich getane Arbeit und ein bekannter Bereich. Als die Frage der Entdeckung des Supramentals aufkam, mußte ich nur mein Experiment wiederholen, das mir wohlbekannt war. Man hatte mich gelehrt, es nach Belieben zu tun, und zwar durch aufeinanderfolgende Exteriorisationen. Es war ein willentlicher Prozeß."


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