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Ich kann Dich hören, lieber Leser, wie Du Dich wunderst und fragst: "Was ist denn so interessant an Mutters Geschichte?"
Kann ich Dir eine Gegenfrage stellen: Magst Du spannende Romane, die Dich an der Jagd nach dem verborgenen Schatz teilnehmen lassen? Magst Du historische Romane, die Dich in weit vergangene Zeiten zurückführen? Magst Du Weltraumodysseen, die Dich in eine ferne Zukunft begleiten? Magst Du Science-Fiction-Geschichten, die alle Grenzen von Raum und Zeit sprengen? Magst Du wissenschaftliche Entdeckungen, für die Wissenschaftler in mühsamer Kleinarbeit Beweis auf Beweis sammeln, ihre Erkenntnisse peinlich genau notierend? Interessierst Du Dich für die Geschichte der Evolution? Eine sich ständig weiterentfaltende Evolution, eine Evolution, die Dich und mich - die Menschheit - hervorgebracht hat? Und Hand aufs Herz, wer mag nicht schon Liebesgeschichten, von einer so glühenden und absoluten Liebe, die nicht davor zurückschreckt, selbst in die Hölle hinabzusteigen und den Tod zu konfrontieren, um den Geliebten wiederzugewinnen?
Lieber Leser, wenn Du irgendeine oder gar manche von diesen Dingen liebst, dann komm mit mir. Laß uns Mutters Reich zusammen erkunden und gemeinsam fündig werden.
Dann werden wir vielleicht erfahren, wer MUTTER ist.
Sujata Nahar
MIRRA DIE KÜNSTLERIN ist Buch zwei in MUTTERS CHRONIK. Beginnend mit Mirras Heirat im Alter von neunzehn, beschreibt es ihr Leben unter den französischen Künstlern um die Zeit der Jahrhundertwende, einer kritischen Übergangsperiode für Europa wie für Indien. Auch erzählt es von Mutters Erfahrungen mit Krankheiten, Religionen etc., alles Dinge, die sie an einen toten Punkt führen und ihren Durst nach Erkenntnis nur noch größer werden lassen.
Der Hüter des Schatzes
Die Morissets waren nicht besonders begütert, eher das Gegenteil. Wie Mutter im Jahre 1958 erzählte: "Als ich jung war, war ich wirklich knapp bei Kasse, es fehlte mir am Notwendigsten! Als Künstlerin mußte ich zuweilen unter die Leute - Künstler kommen nicht darum herum. Ich trug lacklederne Halbstiefel, die rissig geworden waren ... ich mußte sie anmalen, damit man es nicht sehen konnte. Nur um dir zu sagen, wie wir dran waren - völlig abgebrannt. Dann, eines Tages, sah ich in einem Schaufenster ..." Sie hielt ein, um zu erklären. "Damals waren lange Jupes in Mode, die bis zum Boden reichten, und ich besaß keinen Unterrock, der dazu paßte. Mir war das völlig egal, da mir die Natur aber gesagt hatte, daß ich immer alles Nötige haben sollte, wollte ich ein Experiment anstellen." Worauf sie ihre Geschichte wieder aufnahm: "In einem Schaufenster sah ich einen sehr hübschen Unterrock, der dazumal sehr in Mode war - mit Spitzen und Bändern etc., und so sagte ich mir: 'Oh, so einen Unterrock, der zu meinen Röcken paßt, möchte ich haben.' - Und ich erhielt gleich fünf davon!" rief Mutter aus. "Sie kamen von allen Seiten!" In der Tat hatte sie bemerkt, daß "für mich persönlich die Natur alles im Überfluß bereithielt."
Als Mutter Satprem diesen Vorfall erzählte, leitete sie ihre Geschichte mit den folgenden Worten ein: "Heute morgen stellte ich mir die Frage: Steht das Geld wirklich unter der Herrschaft der Natur?"
Einige Jahre zuvor hatte ein junges Mädchen aus dem Ashram Mutter eine Frage gestellt. (Wenn dieses Mädchen über den Tennisplatz rannte, um die Bälle aufzulesen, erschien es Mutter als das exakte Ebenbild einer Gazelle in Bewegung!) Auf die mädchenhafte Frage: "In den Märchen wird oft erzählt, daß der Schatz von Schlangen behütet wird. Stimmt das?" hatte Mutter geantwortet: " Ja, es ist aber keine physische Schlange, sondern eine vitale Schlange. Der Schlüssel zu den Schätzen liegt in der vitalen Welt, und er wird von einer riesigen schwarzen Schlange behütet, die zehn, nein, fünfzig Mal größer ist als eine gewöhnliche Schlange. Diese Schlange bewacht die Tore, die zum Schatz führen. Sie ist schwarz und imposant, stets aufgerichtet und wachsam." Dann erzählte sie uns die Geschichte ihrer eigenen Begegnung mit dieser Schlange. "Einmal ergab es sich, daß ich sie traf - gewöhnlich gehorchen mir diese Wesen, wenn ich ihnen einen Befehl erteile, und so sagte ich ihr: 'Laß mich hindurch!' Sie darauf: 'Ich möchte dich ja gerne durchlassen, aber wenn ich dies täte, würden sie mich töten, also kann ich es dir nicht erlauben.' "
Wie ergab sich Mutters Begegnung mit der Schlange? Als sie mit Satprem darüber sprach, wurde sie - wie immer im Gespräch mit ihm - noch ausführlicher.
"Als ich zum ersten Mal hierher kam, diskutierte ich mit Sri Aurobindo die Frage, was für das Werk getan werden müsse, worauf er mir sagte (er schrieb mir das auch), daß die Herrschaft über drei Mächte erforderlich sei, um das Werk sicher vollenden zu können. Als erstes, die Macht über die Gesundheit, als zweites, die Macht über die Regierung und als drittes die Macht über das Geld." Nach der Behandlung der ersten beiden Punkte fuhr sie fort: "Bezüglich des letzten Punktes, des Geldes, sagte er mir: 'Ich weiß noch nicht genau, wovon es abhängt.' Eines Tages trat ich mit dieser Vorstellung im Hintergrund in Trance, und nach einer bestimmten Reise erreichte ich einen Ort, so etwas wie eine unterirdische Grotte, wo sich Ort und Quelle des Geldes und die Macht über das Geld befanden. Ich trat in diese Grotte ein - eine Art innere Höhle -, und plötzlich erblickte ich eine riesengroße Schlange vor mir, zusammengerollt, mit aufrechtem Oberkörper, wie eine riesige schwarze Pythonschlange, mächtig, so groß wie ein siebenstöckiges Haus, und diese Schlange sprach:
'Hier kannst du nicht durch!'
'Warum nicht, laß mich vorbei!'
Sie darauf: 'Ich möchte dich ja gerne durchlassen, aber wenn ich dies täte, würden "sie" mich sofort umbringen.'
'Wer sind denn "sie"?'
'Das sind asurische Kräfte, die über das Geld regieren. Sie haben mir diesen Platz zugewiesen, um den Eingang zu bewachen, eben damit du nicht eintreten kannst.'
'Was müßte man tun, um die Macht über das Geld zu erlangen?'
Worauf mir die Schlange etwa Folgendes erzählte:
'Ich habe gehört' (d.h. sie besaß kein direktes Wissen darüber, es war etwas, das sie von ihren Meistern vernommen hatte, also von jenen Mächten, deren Herrschaft sie unterstand), daß jemand mit einer totalen Macht über die menschlichen sexuellen Impulse (eine Macht nicht nur über sich selbst, sondern eine universale Macht, d.h. jemand mit der Fähigkeit, die Sexualität überall, bei allen Menschen, zu beherrschen) das Recht haben würde, dort einzutreten.' In anderen Worten, diese asurischen Kräfte könnten der Person mit dieser Macht nicht mehr den Zutritt verwehren."
Mutter sagte nachdenklich: "Wenn das zutrifft, was die Schlange sagte, wenn es wirklich das ist, was die feindlichen Kräfte, die über das Geld regieren, besiegen wird, dann ist die Bedingung noch nicht erfüllt."
Und sie bemerkte: "Es ist eine Angelegenheit zwischen den Asuras und der menschlichen Spezies." Ein Faß ohne Boden, möchte man sagen!
Mutter gab aber den Schlüssel zur Lösung: "Die einzige Lösung für die menschliche Spezies liegt darin, sich zu transformieren, erst dadurch kann den asurischen Kräften die Herrschaft über das Geld entrissen werden."
Schade für die menschliche Spezies! Schade um ihre Freiheit! Schade um die unerfüllte Bedingung! Vielleicht war die Spezies als Ganzes seit dem Erscheinen des Menschen auf dieser Erde noch nie so völlig an die asurischen Kräfte und ihre Perversität versklavt. Alles wird heute ans grelle Tageslicht gezerrt. Niemand kann der zerstörenden Verheerung gegenüber blind sein, die durch den Mißbrauch der Macht des Geldes angerichtet wurde.
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