Ein sehr einfacher, schlüssiger Text: der Held Martin Edelweiss, ein junger Mann "ohne Eigenschaften" - d.h. einer, der seine Eigenschaften noch sucht - verbringt seine Studienzeit in Cambridge, gerät in einer Dreiecksgeschichte und verschwindet am Ende quasi von selbst.
Nein, damit ist nicht die Pointe vorweggenommen. Denn auch ein Leser, der von diesem Ende weiss, wird verblüfft sein, wie es Nabokov gelingt, scheinbar ganz nebensächlich seinen Protagonisten am Ende der Erzählung aus dem Verkehr zu ziehen.
Im Gegenteil, mit diesem Vorwissen ist der Leser zur Spurensuche aufgefordert: der Text birgt so manchen unscheinbaren Hinweis auf das, was kommt.
Der englische Titel des Buchs lautet "Glory". <Glory> mit <Mutprobe> zu übersetzen ist hier zwar nicht falsch, schränkt aber doch die Interpretations des Geschehens ein. Die Faszination geht von der Einfachheit aus, von dieser unspektakulären Art, eine Geschichte zu erzählen. Die Mutprobe schließlich, die dieser Geschichte den Namen gibt, habe ich eigentlich als eine Art von "act gratuit" aufgefaßt, begangen aus einem Ennui des Helden heraus, der den Weg seines Lebens nicht finden kann: so verirrt er sich schließlich nach "draußen".
Ein Buch, das es verdient langsam und vielleicht sogar mehrmals gelesen zu werden, gerade weil es so simpel erscheint.